Sch Eiskaffee

Wolf-Dieter Roth 17.10.2004

Kaffee, der schmeckt, wie schon mal gegessen?

Feinschmecker haben eine neue Kaffeesorte entdeckt. Sie ist besonders teuer und findet sich in Kothaufen wieder.

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Auch wenn der Altbundeskanzler Kohl immer beschwor "Entscheidend ist, was hinten rauskommt": Wenn der Bauer sagt "Kartoffeln schmecken besser, wenn sie einmal durchs Schwein gegangen sind", meint er das nicht wörtlich. Doch schon beim Honig haben wir kein Problem damit, Bienenkotze zu essen: Die Bienen verspeisen reinen Nektar, verdauen ihn in ihren Mägen an, wo sie mit dem Enzym Intertase die Sucrose des Nektars in Glukose und Fruktose aufspalten. Anschließend verlässt sie der Appetit auf Süßes schlagartig: Sie würgen das Ergebnis wieder aus und stecken es in Wachswaben.

Der Palmenroller (Bild

Zugegeben, mit einem Strohhalm bewaffnet von Blüte zu Blüte zu wandern und Nektar herauszusaugen, wäre für unsereins etwas schwierig. Und Kotze und Kot haben zwar drei Buchstaben gemeinsam, sind aber doch nicht ganz dasselbe, auch wenn man sich darum streiten kann, was nun ekliger ist. Doch bei anderen Tieren wird durchaus gegessen, was einmal komplett durchgelaufen ist, um sich das Ernten zu sparen. So beim marokkanischen Argan-Öl: Das wird zwar auch ganz normal aus den Früchten des Argan-Baumes gewonnen, doch weil die allgegenwärtigen Ziegen im Ernten der für den Menschen ohnehin ungenießbaren, doch raren Früchte teils besser oder zumindest schneller sind als dieser, wird die Argan-Nuss auch dem Ziegenkot entnommen, wie der New Scientist berichtet.

Tiere als Durchlauferhitzer

Dass Samen und Nüsse den Verdauungstrakt der Tiere unbeschadet durchlaufen, ist ja nichts Neues und ist von der Natur so beabsichtigt: Durch das Fressen der schmackhaften Früchte sollen deren unverdauliche Kerne ja gerade von den Viechern in weiterem Umkreis verstreut werden. Dass eins der Viecher dann allerdings aus den Samen Öl presst oder Kaffee kocht damit hat die Natur wohl nicht gerechnet.

Kaffee kocht? Ja richtig, die Kaffeebohne ist auch so ein unverdaulicher Samen, der durch den Menschen eine ganz neue Anwendung gefunden hat. Und natürlich werden auch Kaffeebohnen von Tieren gefressen und woanders wieder ausgeschieden in diesem Fall meist von katzenähnlichen Baumkletterern wie den Palmenroller, der zur Familie der Schleichkatzen gehört. Das Tier war die Plage von Kaffeeplantagenbesitzern, da es die Bohnen vorzeitig "aberntete", nur um sie dann wieder als Dung zu hinterlassen. Ein Farmer, der selbst Kaffee trinken, aber die nur noch spärliche Ernte dazu nicht angreifen wollte, griff dann vor etwa 200 Jahren wohl mal notgedrungen voll in die Sch und holte sich seine Koffeindosis aus der Hinterlassenschaft der auf Indonesisch Luwak genannten Katze.

Die besonderen Böhnchen

Wider Erwarten hatte der "Recycling-Kaffee" nicht nur eine spezielle, sondern sogar eine angenehme Aromanote: Die Bohnen wurden im Luwak-Körper bereits anfermentiert und die sogenannte "Nassfermentation" gilt in der Kaffeeindustrie als besonders wertvoll. Der alte Menschheitstraum, aus Sch Geld zu machen, ging hier unerwartet in Erfüllung: Von den "Kopi Luwak" genannten Spezialbohnen kommen pro Jahr nur etwa 230 Kilo auf den Weltmarkt, die Wartelisten der Kaffee-Feinschmecker auf die spezielle Dröhnung sind lang und der Preis der Böhnchen mit bis zu 1000 Euro pro Kilo entsprechend hoch. "Erdig, moderig, sirupartig, mild und reich an Dschungel- und Schokoladeuntertönen", so das Urteil eines Fach-Koffeinisten.

Shit happens! (Bild

Da in Indonesien im Lebensraum der Palmenroller Bürgerkrieg herrscht, wird die Ware knapp und es wird mittlerweile auch an Fälschungen gearbeitet, bei denen entweder eine verwandte Tierart, die afrikanische Zibetkatze, auf Kaffeediät gesetzt wird oder in denen gar normale Bohnen so verschnitten werden, dass ein ähnliches Aroma entsteht wie bei Kopi Luwak. So richtig erfolgreich sind die Kopien jedoch bislang nicht: Es fehlt einfach am Snob-Appeal, das teuerste Heißgetränk der Welt zu schlürfen.

Chinesische Spezialität

Teuerstes Heißgetränk? Naja, nicht ganz: Das Rohmaterial für Chinesische Vogelnestersuppe kostet sogar 10.000 Dollar pro Kilogramm. Und ist auch bestimmt appetitlicher als K*ckbohnen? Nein, nicht wirklich: Die Vögel, Swiftlets, machen ihre Nester nämlich aus ihrem eigenen Speichel. Mniam, mniam, chinesische Küche ist halt etwas für Feinschmecker

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18584/1.html
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