Autonome Kampfhubschrauberschwärme

Florian Rötzer 17.10.2004

Bis 2009 will die Darpa einen unbemannten Kampfhubschrauber entwickelt haben, der auch autonom zwischen Kämpfern und Zivilisten unterscheiden können soll

Seit dem Krieg gegen den Terrorismus werden von den USA auch bewaffnete Drohnen des Typs Predator eingesetzt, um vermeintliche Gegner zu töten. Ferngelenkte und bewaffnete Drohnen sollen auch schon von der israelischen Armee eingesetzt werden. Bei Darpa, der Forschungsabteilung des Pentagon, wurde Phase II der Entwicklung von autonomen bewaffneten Roboterhubschraubern (UCAR) im September abgeschlossen. Im Oktober soll der Auftrag zur Herstellung eines Prototypen vergeben werden. Noch ist freilich unsicher, ob die Army sich nicht zurückzieht, weil die Gelder für den Einsatz in Irak gebraucht werden, oder die Navy dafür einspringt.

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Das UCAR-"Konzept" von Northrop Grumman macht deutlich, wo die autonomen Kampfhubschrauber eingesetzt werden sollen. Bild

Bewaffnete Drohnen sind nur ein Teil der Robotermenagerie von Fahrzeugen, die vom Militär entwickelt werden, um über die Aufklärung hinaus auch Kampfeinsätze leisten zu können. Damit lassen sich riskante Operationen eher durchführen, weil eigene Soldaten nicht gefährdet werden, zudem sind unbemannte Roboterfahrzeuge kleiner und billiger. Damit sollen sie näher an den Feind heranfliegen können, da sie zudem noch nach der Devise konstruiert werden sollen: "See First - Shoot First".

Von der Darpa anvisiert ist eine Entwicklungszeit bis 2009 zur Herstellung eines ausgereiften Systems. Kosten soll ein UCAR zwischen 4 und 8 Millionen für einen UCAR oder 10 bis 40 Prozent des Preises, der für einen Apache-Kampfhubschrauber zu zahlen ist. Die Anforderungen sind hoch geschraubt. Die UCARs sollen autonom alleine oder in kooperierenden RoboCopter-Schwärmen fliegen, aber auch ganz vom Boden oder der Luft fernsteuerbar bzw. halb-autonom einsetzbar sein und in Koordination mit begleitenden Hubschrauberpiloten agieren (Manned Unmanned - MUM). Don Woodbury, Leiter des Darpa-Programms, erläutert diese Wunschvorstellung:

Der Kommandeur wird dem unbemannten Hubschrauber befehlen, in das Feindesland zu fliegen, dort Aufklärungsarbeit zu leisten, nicht zu feuern, wenn es nicht beschossen wird, zu einer bestimmten Zeit zu berichten und in einem bestimmten Luftraum zu bleiben. Das unbemannte Flugzeug soll ein Ziel finden und erkennen, die Informationen an den Menschen zurück liefern, die Mission erneut planen, eine Entscheidung vom Menschen erhalten und dann den Angriff ausführen.

Woodbury geht davon aus, dass der Kommandeur, der dafür zuständig ist, nicht die Zeit und die Möglichkeit hat, jeden einzelnen Schritt durchzugehen. Er soll nur über den Plan der Mission, den Einsatz von Waffen und der Veränderung der Mission entscheiden, ansonsten sollte der unbemannte Kampfhubschrauber selbst alle Entscheidungen treffen, auch die, unter bestimmten Umständen zu feuern. In beiden Versionen soll es jeweils einen Hubschrauber geben, der eine Gruppe oder auch nur einen Begleit-UCAR leitet, falls dieser abgeschossen wird, sollen aber auch die übrigen alle Aufgaben übernehmen können.

Eine der Hauptkomponenten von beiden bislang entwickelten Modellen sind zwei Laserradars (Ladar) mit jeweils drei Strahlen, um Hindernisse zu erkennen, beispielsweise auch Stromleitungen (10 mm dick aus 400 m Entfernung) und andere Flugzeuge aus einem Kilometer Entfernung. Daneben gibt es zahlreiche weitere Sensoren wie Infrarot (Forward Looking Infrared - FLIR), SAR und natürlich optische Sensoren, um unter allen Witterungsbedingungen und Tag und Nacht mit einem 360-Grad-"Blick" alles sehen und etwa auch erkennen zu können, ob eine Person bewaffnet ist. Entdeckt werden sollen auch getarnte oder anderweitig versteckte Positionen des Feindes.

Ausgestattet werden die UCARs mit Hellfire- oder anderen Präzisionsraketen, aber auch mit Maschinengewehren. Für Einsätze in Städten wird auch an nicht-tödliche Waffen gedacht. Eine der wohl wichtigsten Kapazitäten des "Gehirns" der UCARs ist wohl eine Unterscheidung zwischen Gegnern, eigenen Soldaten und Nicht-Gegnern, vor allem auch dann, wenn die Gegner in Städten sich unter Zivilisten mischen und nicht an Uniformen zu erkennen sind. Eigene Soldaten können mit entsprechenden Sendern ausgestattet sein, um "friendly fire" zu vermeiden, was sich möglicherweise besser anhört, als es tatsächlich wäre, denn Gegner könnten sie mit geeigneten Instrumenten ebenfalls präzis detektieren. Wie eine Erkennung von Kämpfern und Zivilisten autonom getroffen werden soll, ist allerdings noch nicht ersichtlich und scheint bislang über die Erkennung von Waffen probiert zu werden, die Personen tragen.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18595/1.html
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