Der Untergang der Bratwurst

Ernst Corinth 17.10.2004

Die Verdönerisierung Deutschlands

Wenn es um die Wurst geht, hört bei uns Deutschen der Spaß auf. Dennoch hat uns Bürger mal wieder keiner gefragt. Noch nicht einmal die CDU, die gerade laut über eine Bürgerbefragung zum Thema EU-Beitritt der Türkei nachgedacht hat. Und da uns keiner gefragt hat, ist es jetzt zu spät, weil amtlich: Bratwurst mit Pommes, Ketchup und Mayonnaise sind nicht mehr das deutsche Fast-Food-Gericht Nummer Eins. Zu diesem Schluss kommt das Handbuch für Deutschland, das herausgegeben wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

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Abgelöst wurde die altbewährte Wurst ausgerechnet vom Döner: Und damit von einer türkischen Spezialität, die in den letzten Jahren unsere Städte gleichsam schleichend erobert hat. Dass dieser kulinarische Siegeszug nicht mit dem türkischen Krummsäbel, sondern mit dem Drehspieß und dem Fladenbrot geführt wurde, ist für deutsche Bratwurst-Fundamentalisten ja zumindest tröstlich.

Aber noch ein weiteres neues deutsches Nationalgericht haben die Handbuch-Schreiber entdeckt: Die Pizza, die nicht nur täglich massenhaft in Pizzerias verzehrt, sondern mittels tausender von Pizza-Bringdiensten bis zu unserer Haustür transportiert wird. Auch die ist also jetzt typisch deutsch, ob es den stolzen Italienern gefällt oder auch nicht.

Als nächstes, da muss man kein Prophet sein, werden wir wohl Sushi einbürgern. Und irgendwann gehört uns kulinarisch dann die ganze Welt. Ob wir das wollen oder nicht. Gefragt werden wir Bürger ja sowieso nicht. Höchstens mal von der CDU, aber die hat gerade andere Sorgen.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18598/1.html
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