Sie fürchten weder Pest noch Colera. Aber das Markenrecht.

19.10.2004

"Cholera – das Getränk der Armut"

Es gibt ein paar Marken, die kennt jeder. Die einen sind berühmt, die anderen zumindest berüchtigt. In vorgreifendem Gehorsam wird der Sieger eines Plakatwettbewerbs deshalb jetzt nicht gezeigt.

Coca-Cola ist ein Symbol für Amerika und den Kapitalismus, obwohl das Logo doch dafür schon mal die falsche Farbe hat. Coca-Cola ist auch ein Symbol für großen Erfindungsreichtum und bekam dieses Jahr deshalb einen der nicht immer begehrten Ig-Nobelpreise zugesprochen für das kreative Marketing, Themse-Wasser in Flaschen als "Dasani-Tafelwasser" zu verkaufen und dieses durch Rückstände aggressive Reinigungsmittel sogar noch untrinkbarer als das Original zu machen. Bislang eher selten bekommt man dagegen zu hören, dass Coca-Cola auch eine Gefahr darstellen könnte (Der Angriff der roten Killerdosen), obwohl bereits genügend entsprechende Vorfälle bekannt sind (Unthinkable, Undrinkable).

Das Corpus Delicti, mittlerweile nur noch beim Informationsdienst Wissenschaft zu finden

Die Designstudentin Uta Volkmann von der Fachhochschule Potsdam gewann nun einen Plakatwettbewerb, an dem insgesamt 220 junge Grafikerinnen und Grafiker sowie Designerinnen und Designer teilnahmen. Das Thema des von der Bundesregierung organisierten Wettbewerbs: "Farbe bekennen gegen globale Armut".

Auch eine weitere Teilnehmerin der Fachhochschule Potsdam, Ruth Hoffmann, wurde für die Plakatserie "Mit 12" mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Doch auf der Website der Fachhochschule sind nur die Plakate von Frau Hoffmann zu sehen, jedoch nicht der erste Platz von Frau Volkmann. Nur eine verbale Beschreibung des Siegerplakats ist zu finden:

Das Plakat zeigt eine Cola-Flasche mit schmutzigem Wasser. Das Wort "Cholera", das auf dem Etikett zu sehen ist, erinnert an den Schriftzug von "Coca-Cola". Das mit der Hilfe von Photographie gestaltete Plakat soll auf symbolische Weise Folgen von Armut ,wie z.B. Krankheiten, aufzeigen.

Wieso dies? Warum wird von einem Plakat geredet, statt es zu zeigen?

Ja nun, Satire und Kunst darf in Deutschland halt nicht alles. Auf keinen Fall aber Marken verletzen. Unter dem Titel "Provokationen gegen die Provokation der Armut" findet sich auf der offiziellen Website des "Aktionsprogramms 2015", des Wettbewerbs die Erklärung:

Kann Kunst, können Plakate die weltweite Armut mindern, die Welt verändern? Nicht direkt. Sie können aber wachrütteln, sie helfen uns, die Welt besser zu verstehen, sie schärfen unseren Blick für Probleme, sie regen uns an, selbst aktiv zu werden.

1. Preis: Uta Volkmann von der FH Potsdam.

Um Wettbewerbs- bzw. Markenrechte nicht zu verletzen, können wir das Plakat von Uta Volkmann derzeit leider nicht veröffentlichen bzw. abbilden

Manch einen wird nun verwundern, dass Bundesregierung oder Fachhochschule Potsdam im kommerziellen Wettbewerb zu einem Brausehersteller stehen. Doch im Markenrecht gilt: Nichts ist unmög… Ups, nein, jetzt hätten wir doch beinah ein japanisches Markenrecht verletzt. Also:

Alles ist möglich – wenn man Geld hat. Die Bundesregierung gehört offensichtlich nicht dazu.

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