Google als Lebensretter?

Florian Rötzer 19.10.2004

Angeblich haben irakische Entführer einen australischen Journalisten wieder frei gelassen, nachdem sie seine Angaben mit Google überprüft hatten

Am Samstag Abend wurde der australische Journalist John Martinkus in Bagdad vor seinem Hotel in der Nähe der australischen Botschaft entführt und 20 Stunden lang festgehalten. Angeblich haben seine Entführer gedroht, ihn zu töten, aber dann doch seinen Beteuerungen geglaubt, dass er Reporter und kein CIA-Agent ist.

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Oft wurde das Internet in letzter Zeit als Mittel dargestellt, das den Terroristen hilft, ihre Propaganda zu verbreiten, neue Mitglieder anzuwerben, Informationen für Anschläge zu besorgen oder sich zu koordinieren (Terror.net: "Online-Terrorismus" und die Medien).. Nun aber hat angeblich das Internet, das erst spät, wenn auch bereits unter Saddam Hussein, in den Irak gekommen ist, womöglich einem Menschen das Leben gerettet. Wenn denn die Geschichte stimmt, sollen die Entführer mit Google die Angaben ihres Opfers überprüft und ihn schließlich frei gelassen haben, nachdem sie sich überzeugt hatten, dass er kein CIA-Agent ist, wie sie zunächst vermutet haben sollen.

Martinkus hatte gegenüber seinen sunnitischen Entführern erklärt, er sei ein unabhängiger, investigativer Journalist, der gerade einen Film über al-Sadr und seine Milizen für den Sender SBS abgeschlossen habe. Fast die ganze Zeit seiner Gefangenschaft habe er mit den Entführern gesprochen, um sein Leben zu retten, indem er diese über sich aufzuklären versuchte. Er habe bereits über eine ganze Reihe von Konflikten berichtet und ein kritisches Buch (Travels in American Iraq) über den Irak unter amerikanischer Besatzung geschrieben. Er beteuerte, dass er keine Verbindungen mit den Koalitionstruppen habe. Offenbar haben die Entführer, die ihn angeblich gut behandelt haben, dies geglaubt. Sie sollen gesagt haben, er habe Glück gehabt, denn wenn er von Islamisten gefangen genommen worden wäre, hätten diese ihn sicher getötet. Heute ist Martinkus nach Australien zurück gekehrt.

Der australische Außenminister Alexander Downer warf Martinkus hingegen vor, dass er sich nicht in der Nähe seines Hotels, sondern in einem Teil Bagdads aufgehalten habe, der als unsicher gilt. Er habe also seine Entführung riskiert. Martinkus bestreitet dies. Auch Mike Carey von SBS sagt, Martinkus habe sich strikt an die auch mit dem Sender vertraglich festgelegten Sicherheitsregeln gehalten.

Allerdings wurden von Mitglieder der Terroristengruppe Islamische Armee, die auch seit Wochen zwei französische Journalisten gefangen hält (Verwickeltes Szenario um Geiselaffäre), gestern zwei mazedonische Geiseln enthauptet. Die Entführer behaupteten, sie hätten als Spione für die Amerikaner gearbeitet.

Eine Gruppe, die weder ihren Namen noch Forderungen nannte, hat heute dem Sender al-Dschasira das mittlerweile übliche Video von einer neuen Geisel zugesandt. Wieder wurde eine Frau entführt, wieder handelt es sich wie bei den beiden Italienerinnen um eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation. Margaret Hassan, die bereits seit 30 Jahren im Irak lebt und Leiterin von CARE International ist, für die seit Anfang der 90er Jahre arbeitet, wurde heute Morgen verschleppt.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18617/1.html
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