Internet-Auktion mit Organen?

Thomas Pany 22.10.2004

In den USA wurde zum ersten Mal eine Nierentransplantation an einem Mann durchgeführt, der das Spenderorgan über das Internet gefunden hat

Es war allem Anschein nach eine Weltpremiere, ein "erstes Mal" im Internet; aber die heikle Angelegenheit soll - zumindest nach Meinung des Ethischen Komitees des zuständigen Krankenhauses - eine Ausnahme bleiben. Gestern wurde von Chirurgen in Colorado/USA eine Nierentransplatation erfolgreich durchgeführt. Das unerhört Neue daran steckt in der Vorgeschichte: Spender und Empfänger des Organs wurden über eine Webseite zusammengeführt.

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"Dieser Fall", so ein Mitglied des United Network of Organ Sharing Ethics (UNOSE), "wird sehr sehr tiefe Gedanken in der Transplantations-Community anregen".

In den USA, wie in europäischen Ländern, ist der Organhandel verboten, damit ist jeder finanzielle Vorteil, den ein Spender aus seinem altruistischen Akt zieht, aus nachvollziehbaren Gründen untersagt. In Deutschland warnte Kanzler Schröder noch vor kurzem vor einer "Kommerzialisierung der Organspenden".

Der Chirug des Krankenhauses in Colorado zögerte die Nierentransplantation einige Tage hinaus, wegen ethischer Bedenken, nachdem er erfahren hatte, wie sein Patient, Bob Hickney, zu seiner Spendenniere kam. Hickney hatte seinen Spender, den 32jährigen Rob Smitty, dessen Beruf von verschiedenen Nachrichtenquellen einmal als "Lastwagenfahrer" und zum anderen als "Teilzeitfotograf" angegeben wird, im richtigen Leben erst kurz vor der Operation kennengelernt. Smitty hatte nach eigenen Angaben das Spendengesuch von Hickney auf der amerikanischen Webseite "MatchingDonors.com" gelesen und sich sofort dafür entschieden, Hickney eine Niere zu spenden; sein Entschluss zum Spenden stand schon vorher fest, über die Webseite habe er den passenden Empfänger gefunden.

Nach Information der deutschen Webseite Intern.de hat Smitty Gesamtkosten - Verdienstausfall und Reisekosten - von 5 000 Dollar angegeben; die Zahlung wäre nach US-Recht legal, heißt es dort. Moralisch nicht zu vertreten und illegal wäre es, wenn "MatchingDonors.com" im "Stil eines Auktionshauses für Organe" arbeiten würde.

Die Verantwortlichen der Webseite streiten derartige Unterstellungen natürlich ab; normalerweise würden Organsuchende dort für 295 Dollar im Monat ihre Gesuche platzieren können, man sei aber auch gewillt, Mittellose umsonst in die Datenbank aufzunehmen und würde generell die Kosten an die finanziellen Möglichkeiten der Organsucher anpassen. Der Profit würde ausschließlich für die Unterhaltung der Webseite verwendet: "Wenn sich jemand das nicht leisten kann, dann stellen wir ihn trotzdem auf unsere Seite", wird der medizinische Direktor von "MatchingDonors" zitiert.

Wie man Kranken dazu verhelfen kann, schneller an das benötigte Organ heranzukommen, ist angesichts der überlangen Wartelisten und der ethischen Komplikationen, die gegen eine Kommerzialisierung sprechen, eine schwierige Angelegenheit (vgl. Wie du mir, so ich dir). Einerseits will man verhindern, dass Bessergestellte auch hier die besseren Zugänge haben, andrerseits hat man es, wie im Falle des eben operierten amerikanischen Patienten, der die umstrittene Hilfe der Webseite in Anspruch nahm, mit Menschen zu tun, die auf dem herkömmlichen Weg jahrelang ohne Erfolg warten. In den USA sollen 60.000 Menschen auf eine Nierenspende warten, in Deutschland warten 12.000 auf ein Spenderorgan.

Ein Argument, dass den operierenden Chirurg im Presbyterian/St.Luke's Medical Center letztlich davon überzeugt hat, die Transplantation für Bob Hickney trotz der Bedenken durchzuführen. Eine Ausnahme, heißt es. Die Diskussion geht weiter.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18630/1.html
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