Drive-by Porn

Ernst Corinth 28.10.2004

In den USA wird ein Pornoverbot fürs Auto diskutiert

Ein neuer Freizeitspaß verunsichert die anständigen Bürger und Bürgerinnen der USA. "Drive-by porn" heißt das zweifelhafte Vergnügen, und praktiziert wird es von Leuten, die sich in ihrem Auto auf öffentlichen Plätzen und Straßen Pornofilme anschauen. Was zurzeit noch ihr gutes Recht ist, solange kein anderer sich dadurch belästigt fühlt. Doch die Fälle von Beschwerden häufen sich offenbar.

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Grund ist die zunehmende Beliebtheit von in Autos eingebauten DVD-Abspielgeräten. Bisher waren solche Anlagen besonders bei Eltern populär, weil man auf langen Fahrtstrecken quengelnde Kinder mit einem Film leicht ruhig stellen kann. Aber auch Erwachsene nutzen inzwischen immer öfter unterwegs das rollende Filmvergnügen. Und nicht alles, was sie dabei schauen, ist jugendfrei.

So zitiert die New York Times den Fall einer jungen Frau, die in einem Verkehrsstau mit ihrem PKW zwischen zwei Autos gleichsam eingekeilt war und in beiden Wagen liefen für sie unübersehbar Pornos. Die Nachrichtenagentur AP berichtet von einer jungen Mutter, die ihre beiden Kinder eigentlich erst im Alter von acht oder neun Jahren sexuell aufklären wollte. Doch das änderte sich schlagartig, als sie eines Nachts mit ihrer vierjährigen Tochter im Auto saß und auf dem Bildschirm eines ganz in ihrer Nähre fahrenden Mini-Vans gut sichtbar ein Pornostreifen flimmerte. Und inzwischen gibt es auch die ersten Verurteilungen: Drei Wochenende musste beispielsweise ein Mann im Bundesstaat New York ins Gefängnis, weil auf mehreren Bildschirmen in seinem Mercedes Sex zu sehen war.

Da die Rechtslage in diesen Fällen jedoch bisher alles andere als klar ist, hat im vergangenen Sommer Tennessee als erster amerikanischer Bundesstaat ein Gesetz gegen "drive-by porn" erlassen.

Motor Vehicles - Prohibits exhibition of obscene and patently offensive movies or videotapes on or within motor vehicle if such exhibition is visible to other drivers; imposes fine from $2.00 to $50.00 for violation.

Durch das Verbot sollen aber nicht nur anständige Bürger vor vermeintlichem Bilderschmutz geschützt, sondern auch Unfälle vermieden werden. Schließlich könnte nach Meinung des Gesetzgebers die auch für andere sichtbare Bildschirmrammelei vorbeifahrende Autolenker erheblich ablenken. Allerdings ist die angedrohte Geldstrafe in Höhe von zwei bis 50 Dollar für Besitzer eines rollenden Porno-Kinos doch überraschend gering.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18677/1.html
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