Neokons ante portas

Rudolf Maresch 02.11.2004

Die linke Popkultur fürchtet um etwas, das sie längst verloren hat: Deutungshoheit und Meinungsführerschaft

Die linke Popkultur schlägt Alarm, ein unfriendly takeover stehe unmittelbar bevor. Geplant werde es von einer Konterbande. Ziel der Attacke sei die deutsche Pop- und Massenkultur, die im Handstreich genommen werden soll. Über sie wollten die Angreifer zur kulturellen Avantgarde des Landes aufsteigen. Schon wähne man sich im Kulturkampf. Schließlich gehe es um Deutungshoheit und Meinungsführerschaft, um ästhetische Abgrenzung und soziale Distinktion, kurz: um Fleischtöpfe und kulturelle Pfründe.

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Politischer Hintergrund für diesen Alarmschrei sind die sozialen Umbaumaßnahmen der rotgrünen Regierung, Agenda 2010, Hartz IV und Elitebildung. Mit ihnen kehre der alte Muff und Mief der Nachkriegsjahre wieder, Familie, Benimmunterricht und Autorität, ergänzt durch modische Accessoires wie Patriotismus, Religion und Bildungskanon. Diese unterspülten nicht nur die "multikulturelle Vielfalt" des Landes und verhinderten andere Denkmöglichkeiten, sie begradigten auch den Zeitgeist, richteten ihn stramm nach rechts aus und hätten vor allem eines im Sinn: den Sozialraub, der stattfindet, politisch verträglich zu gestalten. Das meint zumindest der linke Popstalinist Diedrich Diederichsen in Theater heute.

Either they are with or against us.

George W. Bush

Diffuser Feind

Wer jedoch "Die Leitplanken des Zeitgeistes", so der Titel der zwölfseitigen (An)Klageschrift, in den Boden ramme, wo dieser neue Feind sich aufhalte und welches politische Programm er verfolge, bleibt dagegen weitgehend diffus. Zwar nennt eine von der Redaktion Texte zur Kunst eiligst dazu anberaumte, von Aram Lintzel und Clemens Kümmel moderierte Gesprächsrunde zur "neokonservativen Warenkunde", an der neben dem taz-Redakteur Tobias Rapp unter anderen auch die Kulturphilosophin Rahel Jaeggi und der ehemalige Beute-Herausgeber Andreas Fanizadeh teilnahmen, den "Neokon" und mit ihm den "Neokonservatismus" als politischen Feind (Die Neokons der Popkritik). Doch was der möglicherweise im Schilde führt, wie er operiert oder sich tarnt, wissen weder der Pop-Oldie noch die Debattierenden selbst so ganz genau.

Klar ist ihnen nur, dass die Neokons breit gefächert auftreten, "Waren und Wahrheiten offensiv" im öffentlichen Raum platzieren und keine "einheitliche Front mit einheitlichen Positionen" bilden. Zwischen reaktionären Leitartiklern der FAZ oder der Welt, denen die Emanzipation der Frau zu weit geht, die homosexuelle Eheschließungen für etwas Abartiges halten und die Rückkehr zu Tradition, Familie und Werten anmahnen auf der einen Seite und dem jungdynamischen und wendigen Neokon, der die kapitalistische Modernisierung begrüßt und des popkulturellen Genres mächtig ist auf der anderen Seite, eröffnet sich ein weites Feld.

Kultureller Rundumschlag

Einmal warm geredet, wird rasch klar, dass sich die Runde weniger von Rocco Buttiglione, Martin Hohmann oder bösen FAZlern bedroht fühlt, als vielmehr vom liberalen und aufgeklärten Neokon, der sich auf der Höhe der Zeit befindet, sich in popkulturellen Posen, Gesten und Zusammenhängen auskennt und zudem gelernt hat, sich in ihren Codes, Images und Symbolen Stil bewusst und Stil sicher zu bewegen. Statt an den schlimmen Verhältnissen zu leiden, will der Neokon genießen und sich selbst verwirklichen. Er findet nicht nur Indierock gut, er hört auch Morrissey und 2raumwohnung und weiß zweifelsohne auch, wie man sich zu popkulturellen Events kleidet, Papas Plattensammlung bedient oder Capuccino bestellt.

Beim folgenden Rumdumschlag bekommt so ziemlich alles sein Fett ab, was Rang und Namen hat. Beispielsweise solche Kulturarbeiter, die in den letzten Jahren irgendetwas Neues gewagt haben und am Markt damit popkulturell erfolgreich waren: Florian Illies und Ulf Poschardt etwa, die einst die "Berliner Seiten" der FAZ bzw. das SZ-Magazin betreut haben und dort Mainstream und Underground zu einem unerhörten, journalistisch aber höchst erfolgreichen Mix verrührt haben; oder die Kultur-Gang der SZ-Wochenendbeilage, die neue Eliten für das Land fordert, das Handy für ein quäkendes und überflüssiges Instrument hält, den "Tod von Techno" und ihres "afrikanischen Gestampfes" beklatscht und die Musik von Belle & Sebastian als "Wiedergeburt des abendländischen, männlichen und weißen Subjekts" feiert; aber auch das "popkulturelle Quintett", das die Familie rettet und alte Männerbilder konserviert, bzw. die Macher neuer Glanzzeitschriften wie Cicero, die (gut neoliberal) Trends, Style oder Style-Bewusstsein setzen und prägen oder Monopol, die (gut neokonservativ) die "Nähe zur Macht" und "großen Namen" suchen.

Aber auch Film und Malerei kommen nicht ungeschoren davon. Mäkeln einige am Erfolg, den eine Low-Budget Komödie wie "Muxmäuschenstill" eingespielt hat, herum, weil er für "Null-Toleranz" und Selbstjustiz plädiere und damit krypto-faschistisches Gedankengut transportiere, ereifern sich andere über "neopopulistische Formensprachen", die Männerstrukturen und Frauenklischees wiederholten, während die nächsten in der Anerkennung, die Maler wie Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Luc Tuymans international erfahren (Erfolgsstory deutsche Kunst), darin nur die Feier subjektiver Befindlichkeiten und ein Sich-Wegdrücken vor historischen Verantwortlichkeiten sehen wollen.

Potemkinsche Dörfer

In vielerlei Hinsicht erinnert das Gedöns an jenen legendären Windmühlenkampf, den Cervantes seine beiden Helden stellvertretend gegen die neue Zeit führen ließ. Dass die Popkultur Rebellentum und Subversion bedeute, ist eine schlichte Erfindung linker Popkulturalisten. Das hat weder bei Mick Jagger gestimmt, als dieser den "Street Fighting Man" mimte, noch beim Punk, wie man bei Vivian Westwood oder bei Malcolm McLaren, dem Manager der Sex Pistols, studieren kann. Während jene bereits erfolgreich den Geldadel einkleidet hatte, verpasste dieser seinen Jungs einst das Gütesiegel der drei "s": subversiv, sexy und stilvoll, um damit im Vereinigten Königreich erfolgreich "Anarchy in the UK" zu feiern. Das Erschrecken darüber, dass Neonazis, die über eine Dekade später Asylantenheime anzündeten, dieselbe Musik hörten wie der linke Popveteran, war ein hausgemachtes Problem, das Diedrich Diederichsen sich selbst und seinen Epigonen verpasst hatte.

Gleiches lässt sich über den "Theoriebackground" sagen, der angeblich das linke, popkulturelle Projekt unterfüttert und Subversion und Dissidenz zu seinem Markenzeichen machte. Dass dieser sich auf Dekonstruktion, Mikropolitik und Systemsoziologie stützen konnte, ist nur durch die Entwendung und bewusste Verdrehung von Tatsachen und Ideen erklärbar. Weder Niklas Luhmann und Friedrich Kittler noch Michel Foucault und Jacques Derrida waren jemals Linke im politischen oder gar popkulturellen Sinn. Den Ideen von 68 konnten weder die einen noch die anderen irgendwelche Fortschritte abgewinnen.

Systemsoziologie, Diskursanalyse und Strukturalismus sind von Haus aus dezidiert Anti-68er-Programme, die sich vehement gegen den Pseudo-Humanismus und Pseudo-Moralismus der politischen Linken gestemmt haben. Als diese den Straßenkampf suchte, Barrikaden baute und den Humanismus auf die Straße trug, saßen Derrida und Foucault ungerührt davon an ihren Schreibtischen in Paris und dachten bereits über das "Ende dieses Menschen" nach. Sie als Väter oder Promoter des linken Popkulturalismus zu vereinnahmen, ist nur um den Preis der Geschichtsklitterung zu haben. Über den Umweg Amerika und den von dort nach Europa importierten Cultural Studies, über "Affirmative Action" und andere Minderheitenpolitiken, mag es da zwar gewisse Beziehungen geben, direkte Filiationslinien gibt es jedenfalls nicht.

Gucken wir uns schließlich auch noch das breite politische Engagement an, das US-Künstler für den Kandidaten John Kerry gezeigt haben, dann wirkt die Behauptung, dass Rebellentum, Dissidenz und Distanz vom Mainstream Leitlinien des popkulturellen Handelns seien und den Chor der Vielen daher zu meiden hätten, höchst befremdlich und unglaubwürdig. Gerade am Bush-Bashing, das hierzulande längst hysterische und paranoide Formen und Ausmaße angenommen hat, zeigt sich, dass der Mainstream weder Konkurrent noch Widerpart oder Gegenmodell von Pop und seiner Kultur ist.

Breiter Fundus

So wenig wie diese Ableitungen, Herkünfte und theoretische Bezüge stimmen, so sehr hat die Geschichte solche Links-Rechts-Kodierungen überrannt, wie sie die Runde nochmals errichten und zementieren will. Rückwärtsgewandt sind weniger die Umbaumaßnahmen der Bundesregierung und der Hedonismus des Neokon, sondern vielmehr die Lamenti der zusammengetrommelten Poplinken.

Seitdem Lebensstile, Lebensformen und Geschmäcker sich angleichen und die Unterschiede verschwimmen; und seitdem alle Gruppen und Individuen sich aus demselben Fundus der Pop- und Massenkultur bedienen, funktionieren die alten Etikettierungen, Schubladen und Vorurteile nicht mehr. Sich anhand bestimmter Symbole, Images und Codes politisch zu orientieren oder zu verorten, ist unsinnig und nur um den Preis der Realitätsverleugnung zu haben.

Darauf hat seinerzeit schon Francis Ford Coppola hingewiesen, als er zu den Klängen der Doors US-Hubschrauberpiloten auf Vietcongs feuern ließ. Auch Bill Clinton, dessen Berater sie auf Geheiß Brzezinskis sogar als ideologische Waffe entdeckt und eingesetzt haben, und John Kerry, der bei seiner Kandidatenkür U2s "Beautiful Day" intonieren ließ, haben sich ihrer gerne bedient. Mag Ulf Poschardt nach seinem Rauswurf beim SZ-Magazin auch bei Springer anheuert haben, vom kulturellen Antimodernismus, den CDU-Obere in Nordhessen pflegen, ist er gewiss ebenso meilenweit entfernt wie Christoph Schlingensief oder Frank Schirrmacher. Und mag der Schriftsteller Michel Houellebecq in seinen Romanen auch gegen die Ideale der Achtundsechziger polemisieren, ein Anhänger und Verfechter der alten Rollenverteilung wird er dadurch noch lange nicht.

Um da eine politische Feindschaft auszumachen und sich vom neokonservativen Mainstream ästhetisch und sozial zu distanzieren, muss man schon, wie die Kuturphilosophin Jaeggi, tief in die Mottenkiste greifen und dem Neokon einen Affekt gegen die Achtundsechziger oder eine "bestimmte 'linke' Idee von Gleichheit" andichten. Abgesehen davon, dass unklar bleibt, was die Tochter des Achtundsechzigersoziologen Jaeggi unter "linker Idee" eigentlich versteht, ob sie damit Chancengleichheit oder Kompensatorik, Gleichstellungsbeauftragte oder gerechte Lastenverteilung meint, hält schon die erste Anwendung dieser Behauptung dem empirischen Belastungstest nicht stand.

Adriano Sack etwa, Kulturressortleiter der "wams", wäre dem Profilbild nach ein Neokon. Nun hat ausgerechnet dieser soeben (Familie als Versuchslabor) ein Loblied auf die Erziehung der 68er publiziert. Statt diese zu verteufeln, feiert er nachgerade deren Offenheit und Toleranz. In dem oben genannten Aufsatz, aber auch in seinem Buch "Elternabend" bekennt er freimütig, nicht das geworden zu sein, wenn er nicht ständig palavernde und mit der Bewältigung des Alltags überforderte Eltern gehabt hätte.

Klare Vorstellung und Gesinnung

Wie begrenzt, ideologisch verbohrt und mental verquast muss eigentlich der Horizont derer sein, die sich die zeitgenössische Kultur nach längst überholten Deutungsmustern und Klassifizierungen noch einmal zurecht biegen wollen? Nicht die Neokons, sondern die Poplinken verengen den Zeitgeist. Anders als der im Mainstream schwimmende neokonservative Fisch, der die Postmoderne akzeptiert, haben die linken Kulturalisten nach wie vor Probleme mit der technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Modernisierung. Und anders als dieser haben sie offenbar auch eine klare Vorstellung davon, was links und rechts, gut und schlecht, wahr oder falsch, klug oder dumm ist.

Dass links dabei mit gut, richtig und klug konnotiert ist, rechts dagegen mit schlecht, falsch und dumm, versteht sich von selbst: Links ist, für Klasse, Herkunft und Geschlecht zu kämpfen, sich nicht von Mode, Design und Retro-Klängen vereinnahmen zu lassen und nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten, rechts ist, sich nicht um die schlimmen Verhältnisse, um gerechte Löhne und den Erhalt von Arbeitsplätzen zu scheren, das subjektive Erleben in den Mittelpunkt zu rücken und sich an den schönen Dingen der Welt zu erfreuen; richtig ist, Multikulturalismus und Schwulsein gut zu finden, falsch ist, seiner "Schwanzsteuerung" zu folgen und den "heimlichen Nazi" in sich freien Lauf zu lassen; gut ist der Underground, weil er subversiv ist, gegen das Althergebrachte opponiert und das Establishment herausfordert, böse ist der Mainstream, weil er zu Anpassung zwingt, Ordnung und Sicherheit verlangt und Möglichkeiten beschneidet; wahr ist, was Hardt/Negri zur neuen Weltordnung sagen, falsch ist, was etwa Sam Huntington dazu vorbringt; dumm ist, was Michael Moore gegen Bush und die Neocons vorbringt; klug ist, was Spex, die Beute oder de:bug zu politkulturellen Events oder Phänomenen der Gegenwart zu sagen haben.

Für Nuancen, Differenzierungen und Einwände bleibt da wahrlich kein Platz. Wie bei dem von Poplinken so verhassten George W. Bush gibt es nur ein Für uns oder Gegen uns.

Beschissenes Leben

So nimmt es nicht wunder, dass die Klage über das Ressentiment gegen die Macht des rechten Mainstreams alsbald zur Selbstinspektion und linken Nabelschau gerät. Eigentlich neidet die Runde den Neokons ihre popkulturelle Unbefangenheit. Auch sie würde gern dem Pursuit of Happiness folgen, Stilbewusstsein zeigen, auf Teufel komm raus konsumieren oder mal wie Ulf Poschardt einen Ferrari oder Maserati steuern; auch sie würde sich gern mal am Gesang von Stanley Patrick Morrissey, Paul Weller und Inga Humpe erfreuen oder verführen lassen, ausgelassen zu den Riffs und Beats der Strokes, der Hives oder Franz Ferdinand tanzen und all die schönen Kleider und Anzüge von Gaultier und Hedi Slimane tragen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Weil Ideologie, rechte Gesinnung und Haltung ihnen das aber untersagen, hören sie bei der Stimme von Morrissey nur "gefakte Vergangenheit" und den "altkonservativen Dandy", der ein "britisches Upperclass-Modell mit rechten Versatzstücken" liefert. Sie müssen Indierock und Hamburger Schule verteufeln, die Bilder von Gerhard Richter und Sigmar Polke hassen und so komische Musik wie vonSpar oder Outcast, der Mediengruppe Telekommander oder Rocko Schamoni wegen deren Ghettoherkunft oder deren linksradikalen Texten gut finden. Gelegentlich erinnert mich das an alte Fachschaftszeiten, als verbohrte SHBler und DKPler mich zum Kauf einer DDR-Zweitakt-Rennmaschine verleiten oder zum Hören von Franz-Josef Degenhart oder Ton, Steine, Scherben bewegen wollten.

Als Poplinker hat man es auch nicht leicht. Wo man auch hingeht, überall lugt der Warenfetisch hervor, dauernd fühlt man sich im "Kulturkampf-Irrsinn" oder hat man es mit Verdinglichungsattitüden zu tun. Um jederzeit moralisch und politisch korrekt zu erscheinen, muss man ständig die Schere im Kopf ansetzen. Und um etwa Momente der Intensität auch wirklich genießen zu können, muss man sich erst im entsprechenden gesellschaftlichen Umfeld bewegen. Erlebt man diese woanders, in der Südkurve, beim Anblick einer schönen Frau oder bei einer Arie der Netrebko, oder sind sie einfach falsch codiert, in Konserve, Coverversion oder Retro-Design verpackt, muss man diese sogleich unterdrücken.

Abgehalfert und abwirtschaftet

So gesehen führt der Popstalinist wirklich ein beschissenes Leben. Der quengelige, selbstgerechte und stets nörgelnde Ton, mit dem die Runde den "Mainstream des Zeitgeistes" benennt und beklagt, ist daher verständlich. Augenscheinlich hat sie abgewirtschaftet und kann ihr Unwichtig- und Überflüssigwerden nicht verkraften. Seien wir ehrlich: Der linke Popkulturalist ist nicht nur angeknockt, seine Tage sind auch gezählt; seine Avantagardefunktion ist nicht bloß aufgezehrt, seine kulturelle Hegemonie hat er auch längst verloren. Es ist bezeichnend, dass man sich einerseits auf die Seite John Kerrys schlagen, also im Mainstream mitschwimmen muss, um öffentlich überhaupt wahr genommen zu werden, andererseits aber das Feindbild Bush, Rumsfeld und Wolfowitz bzw. den popkulturell bewanderten Neokon braucht, um sich über diese Abgrenzung und Distinktion selbst zu gewinnen.

Sich anno 2004 noch auf so abgeschmackte und durch die Realität längst korrigierte Ideen wie die von 68 zu berufen, die man gegen den rechten Mainstream verteidigen will, spricht Bände. Allein das zeigt, dass das linke Popkulturherz über keine Deutungsmuster und gesellschaftspolitische Alternativen mehr verfügt. Stattdessen muss es sich in die Arme linker Propheten und Schwätzer vom Schlage Michael Hardt und Toni Negri (Eine andere Welt ist möglich) flüchten, bei denen vielleicht noch die Analyse des globalen Empires einigermaßen überzeugt, der Gegenentwurf dazu aber nur noch Kopfschütteln und Fassungslosigkeit hervorrufen muss. Sich der Multitude anzuschließen und auf das große Wunder der Befreiung (Der böse Lehrer) zu hoffen oder zu warten, kann man so wenig empfehlen wie die Musik, die Kunst und die Mode, die die Poplinke hört, goutiert oder trägt. Da bin ich dann doch lieber, wie mir mein treuer Bochumer Freund Tloen im Telepolis-Forum jüngst vorgeworfen hat, auch ein Neokonservativer.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18706/1.html
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