Aufmerksamkeit

Tote dringend gesucht!

Ernst Corinth 04.11.2004

Britischer Sender will den Verwesungsprozess menschlicher Leichname im Fernsehen übertragen

Einmal ein TV-Star zu sein, davon träumen viele. Und leider bekommen viel zu viele dann sogar auch eine Chance in meist trashigen Reality-Shows, wo sie sich öffentlich zum Affen machen. Doch wer es zu Lebzeiten einfach nicht geschafft hat, im Fernsehen aufzutreten, weil er beispielsweise bereits beim Big-Brother-Casting durchgefallen ist oder bei "Deutschland sucht den Superstar" nur falsche Töne hervorgebracht hat, hat jetzt eine fürwahr finale Chance.

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Nach einem Bericht im britischen Telegraph sucht der britische TV-Sender Channel 4 nämlich Freiwillige, die gerade im Sterben liegen oder zumindest bald mit ihrem Ableben rechnen müssen. Diese sollen dann nach ihrem Tod im Mittelpunkt einer Fernseh-Dokumentation mit dem sinnigen Titel "Dust to Dust" stehen, in dem der Verwesungsprozess menschlicher Leichname gezeigt wird. Das klingt ziemlich schockierend. Allerdings versichert der Sender, dass das Projekt einen rein wissenschaftlichen Charakter habe.

Gefilmt, heißt es, werde nur mit Zustimmung der Angehörigen und an einem geheimen und sicheren Ort. Und als Ergebnis verspreche man sich neue Erkenntnisse über den Zerfallsprozess menschlicher Körper, die dann beispielsweise der Gerichtsmedizin zugute kommen sollen. Außerdem seien bisher vergleichbare Versuche in Großbritannien nur an toten Schweinen möglich gewesen.

So weit, so seriös. Dennoch fragt man sich natürlich, warum der Verwesungsprozess menschlicher Leichname unbedingt im Fernsehen übertragen werden soll. Doch auch das macht Sinn und ist aus Sicht des Senders nur konsequent. Zuvor lief bei ihm nämlich bereits eine recht umstrittene Sendung mit dem originellen Titel "Anatomy for Beginners", die Gunther von Hagens bei der Arbeit zeigte, also beim Sezieren von Leichen. Channel 4 will die britische Regierung um finanzielle Unterstützung bitten, um nicht "kommerzieller" werden zu müssen, berichtet der Telegraph.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18730/1.html
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