Kaufhaus Afghanistan
Wie am Hindukusch Wiederaufbau und Tourismus eine Liaison der besonderen Art eingehen
Nach zwei Jahrzehnten der Isolation öffnet Afghanistan zu Beginn des 21. Jahrhunderts der westlichen Welt nach und nach wieder seine Tore. Das Land könnte heute dort anknüpfen, wo 1978 die Entwicklung abrupt abgebrochen wurde: bei der Modernisierung der Gesellschaft. Dabei wird im Zuge des Wiederaufbaus immer lautmalerischer auf den Tourismus gesetzt. Auch in diesem Bereich hörte die Entwicklung des Landes mit der Saur-Revolution auf. Und es ist dort, so argumentieren Beobachter der Szene, wo das größte Potenzial Afghanistans liegt.
![]() |
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Staudamm. Haushoch türmt sich links das Wasser, rechts erstreckt sich eine trocken gelegte Landschaft, die an das Death Valley bei Salt Lake City erinnert. Auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass es sich um einen Naturdamm handelt. Die haushohe Wand ist sprödes Gebirgsmassiv, das wie eine Schale überirdischen Ursprungs lapislazuliblaues Wasser umfasst. Ali, der Schwiegersohn des Propheten, soll für dieses Naturwunder verantwortlich zeichnen, das gemeinhin als die "Hängenden Seen" von Band-e Amir bekannt ist.
|
|
Als die Fotografen Roland und Sabrina Michaud diesen Anblick Anfang der 1970er mit ihrer Kamera fixierten, waren die Seen schon als Sehenswürdigkeit über die Grenzen von Afghanistan bekannt. Zu einer regelrechten Touristenattraktion scheinen sie jedoch erst heute avanciert zu sein. Jedenfalls ist dieser Tage hin und wieder davon zu hören, wie afghanische Mittelklassefamilien im blauen Wunder baden gehen - neben ihnen jedoch auch zahlreiche Mitarbeiter von NGOs, die in ihrer freien Zeit die zwei bis dreihundert Kilometer lange Fahrt von Kabul auf sich nehmen, um sich in 3.000 Meter Höhe vom Alltagsstress zu erholen. Danach geht es wieder zurück nach Kabul.
Entwicklungshelfer als Touristen
In Kabul ist die Chicken Street der Anlaufpunkt aller Besucher aus dem Westen. Eine Straße, in der man alles Nötige erstehen kann: Souvenirs, Teppiche, Schmuck, jedoch auch Gebrauchsgegenstände für den Alltag, sowie Esswaren, Briefmarken, etc. Die afghanische Botschaft beschreibt die Straße auf ihrer Homepage als das Kabuler Pendant zur Oxford Street, eine pulsierende Ader des Konsums, eine geschäftige Meile, in der alles Leben der afghanischen Hauptstadt zusammenläuft. Tatsächlich läuft das Geschäft in der Chicken Street jedoch eher mäßig. Und selbst das ist eine beschönigende Umschreibung. Die meisten Ausländer, die von den Ladenbesitzern sogleich als Touristen ausgemacht werden, sind auch hier die Mitarbeiter von NGOs, UN-Angestellte oder Blauhelme.
![]() |
|
| Kabul 1969 |
So bleiben die Geschäfte nicht selten geschlossen. An den Fassaden prangen hier und da Spuren aus einer anderen Zeit: Immer wieder berichten Besucher von vergilbten Postern des Tourismusministeriums. Und wenn die Geschäfte geöffnet sind, werden Post- und Landkarten aus einer ebenso vergangenen Ära feilgeboten: Ansichten von Afghanistan, Landschaftsaufnahmen, bebilderte Tourangebote und Routen für Trekking-Freunde - alles aus den 1970er Jahren.
Was andernorts als Vermarktung von Nostalgie wahrgenommen werden dürfte, ist hier ein aus der Not geborenes Angebot. Die Zeit ist tatsächlich stehen geblieben in Afghanistan. Seit den 1970er Jahren ist dort für den Tourismus-Sektor nichts neues publiziert worden. Selbst die neuesten Broschüren und Prospekte, die man vom Tourismus-Beauftragten von Herat ausgehändigt bekommt, sind 1977 geduckt worden.
Bilder des Stillstands
Manch einen wird angesichts dessen Wehmut überkommen. Ein sentimentaler Blick zurück in die 1970er, wie ihn zum Beispiel die 80-minütige Dokumentation "Afghanistan: Ein Traum von Kabul" wagt. Die afghanische Hauptstadt erscheint dort in den Schilderungen von Timothy Leary, Julie Driscoll und Donovan als Mekka der westlichen Hippies. Auch Bommi Baumann kommt zu Wort, der damals wegen seinen linksradikalen Aktivitäten in Deutschland gesucht wurde und in Kabul für gut 10 Jahre untergetaucht war. "1972 herrschte dort das Highlife des Hippietums", wie Baumann 1987 in "Hi Ho: Wer nicht weggeht, kommt nicht wieder" (Fröhlich & Kaufmann) geschrieben hatte. Die Stadt sei voll von Dope rauchenden Langhaarigen gewesen. Sie hätten sich in der Chicken Street konzentriert, schnell sei drum herum ein richtiges Hippie-Viertel in Kabul entstanden: "drei, vier Straßenzüge, wo nur Hippies auf den Strassen waren."
Kabul stand damit an der Sperrspitze einer Entwicklung, die sich auch andernorts abzeichnete: Goa, Ibiza, Ko Samui, Essaouira, etc., alles Hochburgen einer Aussteiger-Kultur, die in den späten 1960er Jahren geboren wurde, Anfang der darauf folgenden Dekade ihre ersten fotokopierten Reiseführer produzierte und im Zuge dessen immer offiziellere und größere Dimensionen annahm. "Die Hippies haben alles verändert", quittierte Baumann trocken die folgenreichen Veränderungen. Die eben genannten Orte verwandelten sich in touristische Zentren, die heute manch einem Besucher deformiert erscheinen werden - Entwicklungen, die im Dienste der Touristikbranche stehen, hinterlassen nicht nur Narben im Lokalkolorit, sondern fördern nicht selten auch Missgeburten zu Tage. Und auch Kabul machte bis in die späten 1970er diese Entwicklung mit. 1978 wurde der Prozess jedoch bis auf Weiteres unterbrochen.
Unterbrochene Entwicklung
Die 1970er waren nicht nur für den Tourismus in Afghanistan ein goldenes Zeitalter. Auch in anderen Bereichen blühte das Land in jener Dekade auf. Nach dem zehn Jahre zuvor die Front des Kalten Krieges an der Durand-Linie Gestalt angenommen hatte und Pakistan zum Protektorat der USA avancierte, sollte Afghanistan in das Bündnissystem der Sowjetunion eingegliedert werden. Obgleich Afghanistan es immer wieder verstand, sich der alles vereinnahmenden Umklammerung zu entziehen, nahm es die wohlwollende Unterstützung des großen Bruders bereitwillig entgegen. Neben militärischer und politischer Unterstützung flossen Gelder aus der Sowjetunion in soziale Einrichtungen und Infrastruktur. Staudämme, Universitäten, Flughäfen und Straßensysteme entstanden - gebaute Zeichen einer forcierten Modernisierung, die selbst heute noch nach zwei, drei Dekaden Krieg im Wesentlichen die Infrastruktur des Landes darstellen.
![]() |
|
| Made in USSR |
Seitdem 1964 eine neue Verfassung in Kraft getreten war, zeichneten sich auch auf politischer Ebene einige Veränderungen ab. Frauen durften wählen und studieren, politische Parteien konnten sich bilden. Im Zuge dessen formierte sich nicht zuletzt die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA), deren Mitglieder sich auch aus der Kabuler Universität rekrutierten. Sie lasen Marx, wurden von ausländischen Dozenten unterrichtet und gingen sogar ins Ausland um dort das Studium fortzusetzen. Diese Horizonterweiterung sollte nicht folgenlos bleiben. Zwar hatten sich die Sitten im Lande gelockert - das Tragen des Schleiers war nicht mehr obligatorisch, der Minirock wurde zugelassen, ebenso wie Bars und Selbstbedienung -, doch mutete der Staat in vielerlei Hinsicht noch mittelalterlich an. Die Entscheidungen, die beispielsweise die Regierung traf, widersprachen nicht selten dem demokratischen Code der neuen Verfassung.
Als sich die Saur-Revolution 1978 ereignete, strömten jährlich 100.000 Touristen ins Land und Ariana Afghan Airlines hatte den Höhepunkt ihres Erfolges erreicht. Die afghanische Fluggesellschaft, die als Joint Venture von Pan American Airways und dem afghanischen Staat betrieben wurde, flog zwei Mal in der Woche nach Istanbul, Frankfurt, London, Paris und Amsterdam, sowie drei Mal in der Woche nach Neu Delhi, Lahore und Amritsar. Darüber hinaus diente Ariana als Brücke für eine große Anzahl von muslimischen Afghanen, die jährlich ihre Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi Arabien antraten.
Wahrlich, eine goldene Zeit, doch sollten fortan Machtkämpfe das Land für die nächsten zwei Jahre spalten: Nach der Revolution folgte die Konter-Revolution, daraufhin eine Restauration des revolutionären Regimes und dann standen auch schon die Sowjets mit über 100.000 Soldaten im Land. Afghanistan versank immer tiefer im Chaos. Krieg herrschte bis 1988. Als 1992 die Sowjetunion zerfiel, kappte auch die letzte Finanzleitung an die afghanische Machtspitze. Ein Bürgerkrieg entfesselte sich, der von den Taliban zwischen 1996 und 2001 für fünf Jahre auf Eis gelegt werden konnte - wie auch die Beziehungen des Landes mit der Außenwelt. Die Chicken Street, auch damals ein verlässlicher Gradmesser für den Fremdenverkehr, blieb in jener Zeit wie ausgestorben. Ein Reisender beschrieb sie als einen "sad and dour place".
![]() |
|
| Ariana Afghan Airlines |
Neue Öffnung
Nachdem das Taliban-Regime Oktober 2001 von den USA unter Beschuss genommen und kurz darauf entmachtet wurde, zeichnete sich eine neue Öffnung des Landes ab. Schlagzeilen wie "Afghan Tourism limps back to life" machten die Runde und selbst ein The Nation-Artikel im dem Umfeld der diesjährigen Wahlen konnte straflos mit "Postcard from Kabul" betitelt werden. Das Afghanistan der 1970er schien als Speicher für Wunschenergien noch lange nicht erschöpft zu sein, selbst in Zeiten der Post-Conflict-Ausschreitungen schien das nunmehr wieder geöffnete Land eine faszinierende Aura auszustrahlen.
Der Kugelhagel am Hindukusch sollte das Erlebnis Afghanistan jedenfalls nicht trüben, einige Besucher legten davon in ihren Reiseberichten ein eloquentes Zeugnis ab. Der CNN-Jounalist Peter Bergen etwa, der auf seiner Suche nach Osama Bin Laden Afghanistan durchquerte, zeigte sich gefesselt. Der Anblick des Landes ließ ihn immer wieder von Neuem erschauern.
In Bergens Vorstellung war Afghanistan seit jeher wie ein Schauplatz aus Tolkiens "Herr der Ringe" gewesen. Ein Land, das unergründliche Geheimnisse verhieß, eine Reise durch die Zeit zurück zu mittelalterlichem Rittertum und mittelalterlicher Grausamkeit, völlig unberührt von der modernen Welt. Dies sei aufregend und verstörend zugleich. Die atemberaubende Landschaft versetze den Geist jedenfalls in kontemplative Stimmung. Das Licht sei von kristalliner Reinheit, lasse Entfernungen schrumpfen und tauche alles in ein urtümliches Leuchten. Kein Foto könne hier misslingen. "Das Land ist im Krieg", so Bergen ferner, "und dennoch ist es eine Gegend, in der man eine innere Ruhe finden kann, wie man sie im Westen nur selten erfährt."
Auch Robert Young Pelton sammelte ähnliche Eindrücke auf seinen zahlreichen Afghanistan-Reisen während des Kriegs (Der Houdini des 21. Jahrhunderts). In seiner Autobiographie schreibt er:
Gentle green hills are patchworked with different colors. The only clue that we have entered a war zone is when we stop for the commander to explain the various front lines that have traded hands over the last few months.
Pelton beschreibt vorbeiblitzende Kugeln als Insekten im Sumpfgebiet und das Artillerie-Gewitter als die afghanische Version von Feuerwerk - kurz, die Macht der Landschaft überschattet die kriegerischen Ausschreitungen, sie scheinen ihrer Macht jedenfalls untergeordnet worden zu sein. Touristische Erlebnisse bekommen im Zuge dessen eine neue Qualität. Neue Sehenswürdigkeiten entstehen, während herkömmliche Sehenswürdigkeiten in einen neuen Kontext gestellt werden.
Abenteuer Afghanistan
Neuankömmlinge, die sich Afghanistan auf dem Landweg nähern, kommen bereits bei der Einreise nicht aus dem Staunen heraus. An der iranisch-afghanischen Grenze tummeln sich mobile Menschenmassen: Teppiche auf den Schultern, Plastiktüten in der Hand, tagelange Anstrengungen im Gesicht. Afghanische Flüchtlinge, oder, wie Jochen Becker sie nennt, "umgekehrte Rucksacktouristen", die ihr Heimatland verlassen und darauf hoffen in der iranischen Bauindustrie eine Anstellung zu finden. Nach Schnappschüssen von der Völkerwanderung, geht es weiter nach Herat. Der Reiseveranstalter Geoff Hahn (Orient-Express für alle) schreibt zu diesem Streckenabschnitt:
This drive into Afghanistan will fascinate you as we go past villages, ancient wind mills, people, and, as you near the city, vast refugee camps.
Hahn, der Afghanistan in den 1970ern häufig bereist hat, bietet in London Pauschaltouren an. Entgegen den Richtlinien seiner Regierung, die rät von Reisen nach Afghanistan abzulassen, füllt er mehrmalls im Jahr einen 22 Personen fassenden Mercedes Midibus mit Touristen, um auf der von den Soviets hinterlassenen Straße vom Westen in den Osten und sogar in den Nordosten des Landes zu fahren. Die größte Gefahr, die sich bei dieser Tour stelle, sei die Straße selbst, die mittlerweile streckenweise zerbombt und mit Militärmüll besät ist. Ähnliches wissen auch Touristik-Anbieter aus den USA zu berichten. Nicht Terroristen, sondern die Infrastruktur sei die größte Herausforderung in Afghanistan.
Gary Wintz aus Kalifornien, der neulich eine Gruppe von im Schnitt 74-jährigen Urlaubern bei einer Tour durch Afghanistan betreute, nahm darüber hinaus Klagen über mysteriös gestrichene Hotelreservierungen und chaotische Flughäfen entgegen. Die gewalttätigen Ausschreitungen sollten den US-Senioren geringere Probleme bereiten. In Herat hallten zum Beispiel bei ihrer Ankunft noch die Nachwirkungen eines Kampfes zwischen dem dortigen Gouverneur und einem rivalisierenden Warlord nach. Unbeirrt hätten sie sich jedoch ihren Weg in die Stadt gebahnt, um die Blaue Moschee, den überfüllten Basar und den Gouverneur höchstpersönlich zu besuchen, wie sie kürzlich The Guardian zu Protokoll gaben.
Als Motivation dafür, diese beschwerliche Reise auf sich zu nehmen, gaben die Touristen unterschiedliche Gründe an. Einerseits wollten sie ein anderes Bild von Amerika in die Welt hinaus tragen. Andererseits wollten sie Afghanistan auf eine alternative Weise unterstützen, als es die Blauhelme und NGOs tun. Nicht zuletzt hieß es jedoch auch:
We want to see Afghanistan before they start putting up Hiltons and McDonalds.
Touristen als Entwicklungshelfer
Diese Worte hätten auch von den Hippies in den 1970er Jahren ausgesprochen werden können. Sie verstanden sich als Pioniere und sie wollten im Windschatten des Massentourismus Orte vor der Vereinnahmung durch die zweitgrößte Branche der Welt erleben. Die meisten von ihnen ahnten nicht, dass sie nur die Vorhut des Massentourismus waren und unberührte Gegenden für den vermeintlichen Feind erschlossen. Im Zuge ihres Aufenthaltes, und davon sind die eingangs zitierten Worte von Bommi Baumann nur ein Beleg unter vielen, entstanden die ersten Strukturen: Eine erste Modernisierung und Urbanisierung ländlicher Territorien fand statt, eine erste Infrastruktur entstand. Was heute an vielen Stellen Ausmaße angenommen hat, die jenseits des Verträglichen scheinen - Goa galt bereits in den 1980er Jahren als über-urbanisiert und erscheint heute als Bühne einer Freakshow sondergleichen - und was deshalb zu einer entschiedenen Kritik am Hippie-Tourismus geführt hat, könnte in Afghanistan eine neue Qualität gewinnen.
Viele Beobachter der Szene, die das Land auch aus seiner vermeintlich goldenen Zeit kennen, sehen seit 2001 großes Potenzial im Tourismus. Besucher aus dem Westen könnten das Land aus der jahrzehntelangen Isolation führen. Kontakte mit den Bauern auf dem Land und den Bewohnern der afghanischen Städte würden für eine kulturelle Annäherung sorgen. Damit würde ein Prozess wieder in Gang gebracht werden, der 1978 unterbrochen worden ist. Die Touristen ließen darüber hinaus Geld im Lande, das zum Aufbau, beziehungsweise Wiederaufbau von Infrastrukturen verwendet werden könnte - Strukturen, die das Volk auch für die eigene Existenz benötigt. Als Musterbeispiele werden Libanon und Kambodscha angeführt - Länder, die nach langen Kriegsphasen im Schulterschluss mit dem Tourismus zur Normalität zurückgefunden haben sollen. Prophetisch klingt in diesem Zusammenhang das Echo eines Slogans, der 1967 im "Jahr des Tourismus" geprägt worden ist: "Tourism - Passport to Peace". Doch ob dieses Motto tatsächlich die erwünschten Erfolge zeitigen wird, sei dahingestellt.
Obgleich im September 2003 eine britische NGO mit gutem Beispiel voranging und während einer Trekking-Tour durch den Hindukusch aktives Fundraising für den Wiederaufbau betrieb, setzt die Vorstellung, eine Gesellschaft, ja, ein Staat würde unter den Vorzeichen des Tourismus rekonstruiert werden, nicht nur positive Zukunftsbilder frei. Würde nicht unweigerlich ein Kaufhaus Afghanistan entstehen? Ein gigantisches Areal, das, auf den Trümmern von mehr als 20 Jahren Krieg erbaut, einzig den Wünschen des reisenden Kunden unterstellt ist?
Statt jedoch über die Zukunft zu spekulieren, sollte man nicht vergessen diesen utopischen Diskurs um den Schulterschluss von Wiederaufbau und Tourismus auf seine Profiteure hin zu beleuchten. Wem nützt es etwas, wenn NGO-Mitarbeiter als Touristen bezeichnet werden und das Terrain eines low-intensity conflict als touristisches Ziel gehandelt wird? Tourismus in Afghanistan ist ein immer wieder kehrendes Stichwort in Nachrichtenagenturmeldungen, subjektiver Kriegsberichterstattung, sowie in den Prognosen der Touristikbranche. Damit entsteht ein Bild von Afghanistan, das erstaunlich viele Akteure gleichzeitig bedient: Nostalgiker, Krisenherd-Touristen, Kapitalisten und Widerstandskämpfer profitieren gleichermaßen davon.
Afghanistan als touristisches Objekt stillt Sehnsüchte, weckt Fantasien, kleidet die Interessen der globalen Wirtschaft in positive Farben und bringt obendrein Orte hervor, die zum symbolischen Ziel anti-westlichen Protests hervorragend geeignet sind. Ein trauriges Beispiel für Letzteres ist ein Selbstmord-Attentat, das in der Chicken Street im Umfeld der ersten Wahlen in Afghanistan stattfand. Die Attacke legte einige Läden in Schutt und Asche, sie kostete aber auch drei "Touristen" das Leben: Blauhelme, die in der Geschäftsstraße patrouillierten. Was die afghanische Bevölkerung von all dem hat, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18747/1.html- Warlords (15.11.2004 12:06)
- OT: du hast ihn ja schon gelesen ;-) (15.11.2004 11:40)
- Die Warlords Fluch und Hoffnung (15.11.2004 11:20)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.




