Up, up and away

Jörg Prigge 11.11.2004

Milliarden schwerer "America's Space Prize" stellt "X-Prize" in Schatten - Fliegende Taxis gegen den Verkehrsinfarkt

Nachdem vor fünf Wochen das Team um Burt Rutan den mit 10 Millionen US-Dollar notierten Ansari-X-Prize ( vgl. Start ins Zeitalter des Weltraumtourismus?) gewonnen hat, geht der kommerzielle Wettlauf ins All in die nächste Runde. Multimillionär Robert Bigelow hat nun den so genannten "America's Space Prize" ins Leben gerufen. Diesmal winken dem Siegerteam 50 Millionen US-Dollar Preisgeld - dafür sind die Anforderungen auch weitaus höher.

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Laut Regelwerk müssen die interessierten Weltraumenthusiasten bis spätestens 10. Januar 2010 ein Raumgefährt basteln, das 400 Kilometer Richtung All düsen kann, also auf der Höhe, wo seit geraumer Zeit die ISS vor sich hindümpelt (vgl. Quo VadISS?). Zudem soll dieses neue Spaceship mindestens zweimal in dieser Höhe die Erde umkreisen. Und damit die Wiederholbarkeit dieses Unterfangens auch gewährleistet ist, muss diese Mission innerhalb von 60 Tagen nochmals über die Bühne gebracht werden, wobei sich beim zweiten Flug fünf Menschen mit an Bord befinden müssen.

Initiator und Hauptsponsor des "America's Space Prize" ist Robert Bigelow, der es mit einer Hotelkette zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht hat. Schon seit Längerem plant er den Bau der "Nautilus" (vgl. Konkurrenz im All), einer im All aufblasbaren Weltraumstation. Diese soll nach seinen Plänen bis 2008 als Testversion vorliegen und spätestens bis 2010 angeflogen werden können. Daher gilt als weitere Voraussetzung zur Teilnahme am "America's Space Prize" die Fähigkeit des Raumschiffs, sich an der "Nautilus" andocken zu können und sechs Monate in diesem Zustand im All zu verharren.

Geplante aufblasbare Weltraumstation "Nautilus"

Bigelow, der ähnlich wie sein Kollege Burt Rutan nicht gerade gut auf die staatlich finanzierte NASA zu sprechen ist, macht zur weiteren Bedingung, dass keine staatlichen Hilfen für den Bau des Raumgleiters erlaubt sind. Nur der Gebrauch von Testanlagen aus staatlicher Hand bildet dabei eine Ausnahme, um die Kosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten. Zudem dürfen an dem Wettbewerb nur in Amerika wohnhafte Interessenten teilnehmen.

Um das Ganze für die Weltraumfreaks noch etwas schmackhafter zu machen, stellt Bigelow weitere 200 Millionen US-Dollar für diejenigen schon mal in Aussicht, denen sechs Flüge in Folge ins All gelingen. Dabei muss es sich jedoch nicht zwingenderweise um das Siegergefährt handeln - es kann auch ein Modell sein, welches erst nach dem "America's Space Prize" fertig gestellt wurde. Doch damit nicht genug: 800 Millionen US-Dollar soll es optional für denjenigen geben, der 24 Flüge ins All innerhalb von fünf Jahren auf die Beine stellt. Bigelow schreibt diese extrem hohen Summen jedoch nicht als festes Preisgeld aus, da er die Möglichkeit nicht ausschließen mag, dass ihm die Regierungsbehörden die Starterlaubnis für das künftige Gefährt verweigern.

Ähnlich wie Virgin-Chef Richard Branson, der in Kooperation mit den Machern vom "SpaceShipOne" und seiner Weltraum-Reiseagentur "Virgin Galactic" (vgl. Ansturm auf galaktische Reiseagentur) kommerziellen All-Tourismus neue Einnahme-Quellen vermutet, sieht auch Bigelow die Zukunft in der privat finanzierten Raumfahrt. Für beide ist die Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush daher ein Glücksfall. Denn unter Bush stehen die Erkundung von Mond, Mars und alles, was dahinter kommt, im Vordergrund der Weltraum-Politik. Dies bietet für die kommerziellen Weltraumabenteurer erstmals die Chance, sich in einer Nische der einst übermächtigen NASA zu platzieren - dem Anflug und Ausbau von selbst gebauten Weltraumstationen im erdnahen Orbit.

Fliegende Taxis

In eine ähnlich exotische Nische will die Firma Avcen vorstoßen: Ebenfalls bis spätestens 2010 wollen die Londoner Entwickler ganz hoch hinaus. Zwar nicht gleich ins All, aber zumindest in eine Höhe von rund 200 Metern. Denn mit so genanten "Jetpods", fliegenden Taxis, soll für die Leid geplagten Berufspendler das unnötige Warten in Verkehrsstaus bald ein Ende haben. Mit rund 40 Kilometern Reichweite, einer Fluggeschwindigkeit von rund 560 Kilometer in der Stunde, soll das "Park&Fly"-System bis zu fünf Passagiere den Transport ermöglichen.

Park&Fly mit Luft-Taxis

Damit sich das Projekt auch in Städten verwirklichen lässt, muss den futuristischen Taxis eine Start- und Landebahn von nur 120 Metern Länge ausreichen. Dies soll durch spezielle Düsen verwirklicht werden, die den Antriebsschub durch die Flügel umleiten. Ein Trip ab 20 Kilometern Distanz wird nach den Kalkulationen der Entwickler dann etwa dem Preis eines normalen Taxis entsprechen. Ob die Londoner City-Maut auch für die Flug-Taxis gilt, ist zurzeit noch unbekannt.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18775/1.html
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