Palästinenser bereiten sich auf Beerdigung Arafats vor
Über neue Führung soll abgestimmt werden
Die für die hiesige Bevölkerung nervenaufreibende Verwirrung um den Zustand ihres Präsidenten Jassir Arafat ist endlich gelöst. "Er ist nicht tot", erklärte Außenminister Nabil Schaath hat am Dienstagabend, "aber die Ärzte können auch nichts mehr für ihn tun." Jetzt ist zumindest ausgesprochen, dass Arafat seinen Vorsitz in der PLO, der Autonomiebehörde und der Fatah-Bewegung nicht mehr ausfüllt und mit seinem baldigen Ableben gerechnet werden muss. Die Reorganisation der Führungsstrukturen aller drei Organisationen kann nun mit voller Kraft geregelt werden.
"Wir werden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abhalten", so Minister und Fatah-Mitglied Qadura Fares nach dem Treffen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) am Mittwoch in Ramallah. Und in Bezug auf die vielfältigen Meldungen zur Beerdigung Arafats: "Die Trauerzeremonie wird in Kairo veranstaltet. Präsident Arafat wird danach nach Ramallah überführt und auf dem Gelände seines hiesigen Hauptquartiers bestattet."
Auch der Streit mit der Ehefrau Arafats, Suha, scheint beigelegt. Sie beschuldigte den PLO-Vize Mahmud Abbas und den Ministerpräsidenten Ahmad Kurei zunächst der Verschwörung. Ihr Mann solle "lebendig begraben" werden, um eine Nachfolge zu ermöglichen. Palästinensern ist jedoch klar, dass Suha Arafat ihr Informationsmonopol in Bezug auf die Lage des Präsidenten zur Erpressung von mehr Geld nutzte. Frauenorganisationen demonstrierten gegen ihre Einmischung in Angelegenheiten, die sie sonst nie interessierten.
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Große Teile der Bevölkerung haben den Tod Arafats bereits akzeptiert. Zwar sind auch viele seiner Gegner betroffen, schließlich hat der Präsident das Leben der meisten durchgängig begleitet. Die Menschen drücken aber auch ihre Abscheu vor der Unklarheit aus, in der sie von der Führung gelassen werden. Am Mittwochabend überwiegt in Ramallah jedenfalls die Vorfreude auf die Feiertage am Ende des Ramadan am kommenden Wochenende. Alle decken sich mit Süßigkeiten und Geschenken ein. Das Leben geht weiter.
Seit den Gesprächen von Premier Kurei mit den Oppositionsgruppen ist die Gefahr eines Bürgerkriegs ausgeschlossen. Gruppen wie die Hamas fordern zwar den Aufbau einer "Vereinten Nationalen Führung", gaben sich aber vorerst mit weniger zufrieden. Sie sollen künftig nur zu Beratungsgesprächen herangezogen werden. Die Führungsrolle von Jassir Arafats Fatah, dominierende Bewegung in PLO und PA, ist damit anerkannt. Alles andere würde derzeit zu Chaos führen. "Die Führung (der PA) muss aus der Fatah kommen", meint der parteilose Analyst Ejad Sarradsch aus Gaza. "Dazu muss die Bewegung zuerst interne Wahlen abhalten und danach für Unterstützung durch die Bevölkerung werben." Sarradsch nimmt an, dass es innerhalb der Fatah zu Konflikten kommen wird. "Aber das wird friedlich verlaufen. Einige Leute werden zurücktreten müssen, weil ihre Macht nur auf Jassir Arafat beruhte und sie nicht beliebt sind."
Entgegen einigen Befürchtungen geht von Muhammad Dahlan im Gazastreifen und Dschibril Radschub im Westjordanland keine Gefahr aus. Beide Männer verfügen über großen Einfluss bei den Polizeitruppen. "Sie verhalten sich wie Angestellte und nicht wie politische Führer", erklärt Mahdi Abdelhadi, Analyst aus Jerusalem. Und damit das auch so bleibt, wurde am Dienstagabend ein Restaurant in Ramallah beschossen, in dem Dahlan speiste.
Abdelhadi, sonst als Kritiker der palästinensischen Führung bekannt, lobte die besonnene Vorgehensweise von Mahmud Abbas und Ahmad Kurei. "Abbas weiß, dass er nicht sehr beliebt ist in der Bevölkerung, und hält sich deshalb zurück." Die beiden verhielten sich so, wie man es von ihnen erwartete. "Die palästinensischen Organisationen werden jetzt als zwei verschiedene Einheiten behandelt. Abbas leitet die PLO und wird sie neu ausrichten. Und Kurei ist für die PA zuständig." Damit erhält der Premier nun die Kompetenzen, die ihm Arafat immer beschnitten hat: die Aufsicht über die Finanzen und den Sicherheitsbereich. "Problematisch ist, dass Arafat von seinem Krankenbett aus niemanden mit einem Arbeitsauftrag versehen und damit legitimiert hat. Die palästinensische Führung steht sozusagen `nackt da."
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18777/1.html- Fortsetzung der Mafia Geschäfte von Rezzo Schlau am 6.5.05 (9.5.2005 11:11)
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