Das Proletariat der Filmmonster

18.12.2004

Über Zombies, Pop und Filme. 1.Teil

Ein Cocktail heißt, wie sie heißen. Die Band the Cranberries haben einem bekannten Song nach ihnen benannt und eine Reihe weiterer Bands haben sie in ihre Namen oder Albumtitel aufgenommen. Michael Jackson lässt sie in seinem Thriller-Video als Staffage um sich tanzen. Und der Soziologe Ulrich Beck bezeichnet obsolete sozialwissenschaftliche Kategorien nach ihnen, die zwar nicht mehr zuträfen, aber in der gegenwärtigen Literatur weiterhin als Worthülsen ihr Unwesen trieben und nicht tot zu kriegen wären. Die Rede ist von Zombies - den lebenden Toten. Doch woher eigentlich kommen sie, die Zombies, und woher kennen wir sie?

Das Kabinett des Doktor Caligari

Das Wahrig Fremdwörterlexikon findet den Ursprung des Wortes in Westafrika im Wort Zumbi, das die Bedeutung eines "schönen Götzenbildes" hat. Heute wird das Wort wesentlich vielschichtiger und umgangssprachlicher verwendet. Das geht soweit, dass im New Oxford Dictionary das Verb to zombify seinen Eingang gefunden hat. In der Berichterstattung über Bildungsthemen liest man immer wieder von Zombie-Kids oder in anderen Meldungen von Patienten, die wie Zombies vor sich hin vegetieren. Im IT-Bereich lesen wir von Zombie-Computern, die durch versteckte Software erweckt und aus der Ferne kontrolliert werden können. Jeder scheint zu wissen, was Zombies sind und was es ist, das sie auszeichnet. Scheinbar kennt man Zombies vor allem aus Filmen, Musik, Printmedien und Computerspielen. Hier soll zunächst das Augenmerk auf unterschiedliche Gattungen lebender Toten im Film gerichtet werden.

Unvergütete Sklaven und Nazis

Den ersten Filmzombie bekommt man in dem deutschen Schwarz-Weiß Gruselfilm Das Kabinett des Doktor Caligari zu Gesicht, der 1919 von Robert Wiene gedreht wurde. Dort tauchte der ferngesteuerte Cesare auf, der unter dem hypnotischen Einfluß des Dr. Caligari dessen Befehle ausführte. Obwohl der ausgemergelte und blasse Cesare visuell die Qualitäten eines wandelnden Leichnams erfüllt, bezeichneten ihn die Produzenten des Films nicht als lebenden Toten, sondern als Somnabulisten, was den schlafwandlerischen Zustand dieses Wesens beschreiben sollte. Der auch heute noch sehenswerte Film gilt vor allem wegen seiner außergewöhnlich verzerrten und verstörenden Kulissen (die in den meisten Fällen gemalt sind) als ein Meilenstein des expressionistischen Films.

White Zombie

Die ersten Untoten in einem Spielfilm, die auch als Zombies bezeichnet wurden, finden sich 1932 in dem ebenfalls schwarzweißen Klassiker White Zombie von Victor Halperin. Hier stehen wandelnde Leichen unter dem Einfluß des Mühlenbesitzers 'Murder' Legendre (gespielt von dem bekannten Gruseldarsteller Bela Lugosi, dem das Image seiner Rollen als unheimliche Figur so stark anhaftete, dass er 1956 in seinem Dracula Cape begraben wurde). Für ihn haben sie unvergütete Sklavenarbeit in seinem Unternehmen zu verrichten. In diesem Film erwachen die Toten aufgrund magischer Essenzen und haitianischem Voodoozauber wieder zum Leben.

Die Zombies selbst sind hier verhältnismäßig friedliche Wesen, die unter dem Einfluss eines Meisters stehen, der über ihr Tun befehligt. Offensichtlich mußten diejenigen, die Heerscharen von Untoten zum Leben erweckten und über sie befehligten finstere, unheimliche oder einfach nur bösartige Gesellen sein. Daher ist es wenig verwunderlich, dass es um die Zeit des Zweiten Weltkriegs in einer Reihen von billigen B-Filmen die Nazis waren, die versuchten mit Hilfe von Zombiearmeen die Welt an sich zu reißen, wie etwa in Revenge of the Zombies von 1943. Propagandatechnisch hatte dies den Vorteil, dass die Soldaten der Wehrmacht mit willenlosen Untoten gleichgesetzt werden konnten, die von einem dunklen Regime geführt wurden, und nichts anderes als den wahren echten Tod verdienten.

Revenge of the Zombies

Etliche Monster- und Gruselfilme später schuf der 1940 in New York geborene George Andrew Romero 1968 einen der einflußreichsten Klassiker des Genres. Romero studierte Kunst, Theater und Design am Carnegie Mellon Institute in Pittsburgh. Bevor er sich in seinen Filmen mit den lebenden Toten beschäftigte drehte er vor allem Acht Millimeter Kurzfilme und fabrizierte im Rahmen seiner Latent Image Company vor allem industrielle und kommerzielle Filmarbeiten.

Wahre Liebe stärker als der Tod

Waren in White Zombie die lebenden Toten noch Artefakte und Ergebnis menschlichen Handelns, die aus ihrem "Zustand" erweckt werden konnten (hier wird eine moralische Komponente sichtbar, die wir bis ins gegenwärtige Filmschaffen beobachten können: gute, wahre Liebe ist stärker als alles, selbst stärker als der Tod. Siehe zum Beispiel die Wiederbelebung des verstorbenden Neo durch die Liebe seiner Gefährtin Trinity im ersten Teil der Matrix Triologie) gestalten sich die untoten Wesen in Romeros Filmen wesentlich pessimistischer als entmenschlichte, unkontrollierbare und verlorene Kreaturen - als feindlich, nicht integrierbar und außerhalb jeglicher Gesellschaft stehend. Sie können weder durch Magie, Wissenschaft, Technik oder Medizin wieder zu dem werden, was sie einst waren.

Night of the Living Dead

Im immer noch schwarzweißen Schocker Night of the Living Dead erheben sich die Toten nicht mehr aufgrund von Magie und Zauberei aus den Gräbern. Bislang unbekannte Strahlung aus dem Weltraum wird hier zur Ursache einer sich rasch ausbreitenden Untoten-Epidemie. Die auf der Suche nach Menschenfleisch umherstreifenden Horden der Untoten treiben eine kleine Gruppe von Protagonisten in ein abgelegenes Farmhaus, wo sie versuchen sich ihrer Haut zu erwehren. Mit jedem zusätzlichen Gebissenen erweitert sich die Armee der untoten Fleischfresser. Gegenseitig attackieren sich Zombies jedoch seltsamerweise nicht. Sie streifen auf der Suche nach den immer spärlicher werdenden menschlichen Opfern umher, die in den Attacken umkommen, durch die mysteriöse Strahlung oder durch die Bißwunden aber wieder ihrerseits als blutrünstige untote Kannibalen ins Leben zurückgeholt werden.

Dieses Grundmuster findet sich später in fast allem Zombiefilmen wieder. Mit schmalem Budget und verhältnismäßig einfachen Mittel unter dem gekonnten Einsatz von Schatten und Licht und effektvoller Filmmusik haben Romero und seine Helfer eine atmosphärisch dichte Stimmung und ein wahrlich furchteinflößendes Werk geschaffen. In Kommentaren und Kritiken dieses Klassikers wird immer wieder angemerkt, dass es zur Zeit der Entstehung dieses Films immer noch außergewöhnlich war, dass der Hauptakteur ein Schwarzer ist.

Zombiefilme und Vietnamkrieg

Weiterhin wird oft interpretiert, dass sich in diesem Film die pessimistische Stimmung von Vernichtung und Gegenvernichtung zur Zeit des Vietnam-Kriegs widerspiegelt, etwa wenn die Behörden im Film die Lösung des Problems in der totalen Vernichtung aller Untoten sehen. Am Ende wird der dunkelhäutige Hautdarsteller als einziger Überlebender durch die vermeintlichen Befreier getötet und mit den erlegten Untoten verbrannt.

Zehn Jahre später drehte Romero einen weiteren Klassiker des Genres. Im 1978 erschienenen Dawn of Dead geht es nicht mehr in erster Linie um Spannungserzeugung, wohliges Gruseln und Gänsehaut. Mittlerweile in Farbe geht es im zweiten Teil von Romeros Untoten-Triologie um eine neue Explizitheit, um eine ausdrückliche Schilderung und Darstellung von Schrecken, Gewalt und Grausamkeit. In diesem Zusammenhang ist vielleicht nicht uninteressant, dass Tom Savini, mit dem Romero zusammenarbeitete und der unter anderem für die mitunter recht (kunst)blutigen Effekte zuständig war, zuvor Kriegsfotograf in Vietnam war.

Durchgedrehte Plünderer

Dawn of the Dead spielt einige Tage nach dem Ausbruch der Zombie-Epidemie in Philadelphia. Eine Gruppe Überlebender verschanzt sich in einer für die damalige Zeit innovativen Neuerung, in der es alles was es zur Selbsterhaltung bedarf zu holen gibt: einer suburbanen Shopping-Mall. Dort müssen sie sich zum einen mit den blutdurstigen Horden von Untoten, sowie mit durchgedrehten Plünderern herumschlagen, die wie manch andere in dem Film den Verlust der Ordnung zum Ausleben von Gewaltexzessen und anderen vermeintlichen neuen Freiheiten nutzen. Die Hautdarsteller fragen sich, warum es die Zombies scharenweise ausgerechnet ins Einkaufszentrum zieht und kommen zu dem Schluß, dass dies wohl ein Ort ist, der eine besondere Rolle in ihrem vorherigen Leben gespielt haben muss.

Dawn of the Dead

Zudem entsteht eine angespannte Dynamik in der zusammengewürfelten Gruppe der Überlebenden, die überlegtes Handeln und koordiniertes Vorgehen behindert. Nicht fehlen darf auch die Sequenz, die für unzählige Zombiefilme charakteristisch werden wird: Die Spannung ob ein gebissener oder infizierter Freund oder Bekannter nun zu einem todbringenden Monster werden wird oder vielleicht doch irgendwie behandelt oder gerettet werden kann. Die Kommunikation mit der Außenwelt ist abgebrochen, nur das Notfall-Sendesystem erteilt noch gelegentlich Hinweise, dass das Chaos im ganzen Land, vielleicht gar auf der ganzen Welt ausgebrochen ist. Eine wissenschaftliche Erklärung oder gar ein Gegenmittel gibt es nicht. Der dunkelhäutige Hautdarsteller hat eine Erklärung zur Hand, die er von seinem Großvater gelernt hat, der seiner Zeit Voodoo-Priester gewesen ist:

When there's no more room in hell, the dead will walk the earth.

Im Vergleich zum ersten Teil der Triologie, die gekonnt gruselig inszeniert ist und Filmmusik in Hitchcock-Manier bedrohlich und zur Spannungserzeugung einsetzt, wirkt Dawn of the Dead durch die Untermalung mit Siebziger Jahre-Synthesizer-Musik, den schwerfälligen blau-grünen Untoten und überzogenen Gewalteffekten, die gelegentlich beinahe in die Slapstick-Abteilung fallen könnten, fast wie ein Parodie oder Persiflage des ersten Teils.

Komplemtärereignis zur Pornographie

Die ausführliche und detaillierte Darstellung von Gewaltszenen, Blut, Organen und anderen zerstörten Körperteilen hat dazu geführt, dass Dawn of the Dead auch als Meilenstein des sogenannten Splatter- und Gore-Genres gilt, das nicht allein auf Zombiefilme beschränkt ist. Diese Art Gewalt in aller Ausdrücklichkeit darzustellen kann auch als ein Komplemtärereignis zur seit längerem entstandenen filmischen Pornographie gesehen werden. In beiden steht die menschliche Körperlichkeit im Vordergrund. In beiden Fällen hält die Kamera gnadenlos drauf, wenn es ernst wird. In dem einen Fall geht es um die Begierde, Lust und die sexuelle Empfindsamkeit des Körpers, im anderen Fall um den menschlichen Körper der gleichzeitig Werkzeug, Ort und Ziel von Gewalt ist. In beiden Fällen geht es um anatomische Details, Organe und Körperflüssigkeiten, deren Detailaufnahmen im einen Fall zur Luststeigerung und Erregung dienen, im anderen als Mittel zur Erzeugung von Ablehnung, Ekel und Entsetzen gebraucht werden und vielleicht auch in beiden Fällen eine gewisse Sensationslust hervorrufen.

Außergewöhnliche Konsum- und Materialismuskritik

Nichtsdestotrotz beschreiben unzählige Kommentare und Kritiker Dawn of the Dead zudem als eine außergewöhnliche Konsum- und Materialismuskritik, in der die hemmungslose Schilderung von Gewalt als instrumentelle, d. h. als stilistisches Mittel gebraucht wird, um die Konsequenzen und das Entsetzen des Filmemachers gegenüber einer aus allen Fugen geratenen Konsumkultur zu illustrieren. In der Tat kann man sich auch heute noch beim Besuch vorstädtischer Einkaufszentren oder in den Hallen der Flughäfen dieser Welt an die Bilder der Überwachungskamera in Romeros Werk erinnert fühlen, in denen man geistlose und apathische Wesen ziellos auf der Suche nach ihrer verlorenen Identität durch die Hallen und über die Rollentreppen der Shopping Mall schlurfen und stolpern sieht.

Letzten Endes sollte es aber jedem selbst überlassen bleiben, ob er oder sie Romeros Dawn of the Dead als ein Artefakt anspruchsvoller Sozialkritik oder einfach als einen etwas schrägen B-Movie ansieht. Sicher jedoch ist, dass es dieser Film mittlerweile unter einer treuen Fan-Gemeinde zu Kultstatus gebracht hat und wie bereits der erste Teil Eingang in unzählige Film-Enzyklopädien gefunden hat.

Day of the Dead

Romero beendete 1985 die Triologie mit Day of the Dead. Die Band Gorillaz haben dem Film auf einem ihrer Alben bereits ein Denkmal gesetzt, in dem sie die Anfangssequenz des Films sampeln, in der die Überlebenden ihren sicheren Helikopter verlassen und mit Hilfe eines Megaphons nach weiteren Überlebenden suchen. In ihm ist die Erde bereits komplett von den Untoten überrannt. In einem unterirdischen Bunker irgendwo in Florida hat sich eine Gruppe von Wissenschaftlern und Militärangehörigen verschanzt, um an den Untoten zu experimentieren und mehr über ihr Erscheinen und ihr Dasein zu erfahren. Einer der Wissenschaftler arbeitet dabei mit kruden Methoden an der Domestizierung der fleischfressenden Untoten.

Der "gesunde Menschenverstand" in der Krise

In diesem Film geht es vor allem um die kontroversen Beziehungen und Sichtweisen von Wissenschaft, Militär und den "gesunden Menschenverstand" in der Krise. Interessant ist hierbei, dass Romero in einem Interview geäußert hat, dass er sich am ehesten als Satiriker sieht, der seine Empfindungen in den Kontext der Allegorie von Horror-Stories stellt. Gäbe es einen vierten Teil, so Romero in dem Interview, wäre sein Thema die Ignorierung von bestehenden Problemen, was er als ein hervorstechendes Charakteristikum der Gegenwart sieht. Seine Zombies wären dann vergleichbar mit den Aidskranken, die von der Gesellschaft ignoriert würden. Eine spezielle Polizeieinheit würde dann einen "normalen Tagesablauf"gewährleisten, während sich die Bevölkerung in "sicheren" Einrichtungen weiterhin amüsiert als wäre nichts gewesen, so Romero weiter.

Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie Romero die gegenwärtige Lage hinsichtlich einer angeblich allgegenwärtigen Terrorismusgefahr beurteilt und welche Rolle die Metapher des fleischfressenden Zombies darin spielen könnte. Auf dem Höhepunkt der Medienberichterstattung und des Entsetzens über Terrorakte konnte man sich manchmal des Eindrucks kaum erwehren, dass in jedem vermeintlich friedlichen Mitbürger ein potentieller Terroristen-Schläfer stecken könnte, der Tod und Verderben über's Land bringt. Genauso steckt in Romeros Filmen in jeden Menschen wohl das Potential, zum mordenden Zombie zu werden, der ohne Rücksicht auf Verluste animalisch Menschen zerfleischt.

Beachtenswert ist, daß in allen drei Filmen von Romero unterschwellig die Wissenschaft präsent ist und die Massenmedien, vor allem Radio und das Fernsehen eine wichtige Rollen als narratives Element spielen. In Night of the living Dead sind immer wieder Nachrichtenschnippel zu sehen und zu hören, in denen Wissenschaftler und Ärzte ihre Erkenntnisse über das Geschehen mitteilen.

Letzten Endes ist die Raumfahrt an allem Schuld, denn eine ins All geschossene Sonde bringt die verheerende Strahlung zurück auf die Erde. Romeros Wissenschaft- und Technikskepsis ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sich die Raumfahrt zur Zeit der Entstehung des Film gerade zu ihrer Blüte entwickelte. Die Wissenschaftler, Militärs und andere Experten haben aber keine Erklärung und erst recht keine Lösung für das, was sie mit ihrem Treiben angerichtet haben.

Das Ende der Zivilisation

Im übrigen findet man beim genaueren Hinsehen auch einen Hauch 68er Revolte und sexueller Befreiung, wenn beispielsweise in Gestalt einiger wandelnder Untoter die eine oder andere gutaussehende nackte Dame ins Bild geschmuggelt wird. Auch in Dawn of the Dead spielen die Medien, oder genauer das Fernsehen, eine wichtige Rolle. Der Film beginnt in einem Fernsehstudio und Fernsehansprachen werden den halben Film über präsent sein, bis schließlich nicht mehr gesendet wird. Das Ausbleiben der Fernsehsendungen und -ansprachen markiert die Isolation und absolute Abgeschnittenheit der Protagonisten, das Ende der Zivilisation.

In den Fernsehansprachen kommt in einer längeren Sequenz ein bärtiger Wissenschaftler mit Augenklappe zu Wort, der erklärt, dass es sich bei den Kreaturen nicht um Kannibalen handeln könne, denn diese würden sich von der eigenen Art nähren. Dies impliziert, einmal mehr, dass die Zombies kein Teil der menschlichen Gesellschaft sind; sie sind anderes und außerhalb, wie wilde Tiere oder Krankheiten ein Teil feindlicher Natur, die es zu bekämpfen gilt. Die Kreaturen im Film würden nur lebende Menschen angreifen sich gegenseitig aber in Ruhe lassen. Auf jeden Fall müßten sie bei ihrem Auftreten sofort vernichtet werden. Noch hemmungsloser sind die Wissenschaftler in Day of the Dead.

Sie halten sich in den unterirdischen Bunkern lebende Tote, die sie für Versuche einfangen und verbrauchen. Einer der Wissenschaftler hält sich einen domestizierten Zombie, den er "Bub" nennt, als Haustier und Versuchsobjekt und geht davon aus, dass sich alle Zombies zähmen lassen. Um seinen untoten Probanden zu ernähren und um ihn ruhig zu stellen, verfüttert er ihm allerdings die Leichen gefaller Soldaten, was ihm wiederum den tödlichen Zorn der Militärs einbringt. Eine besondere Abneigung scheint Romero gegenüber südstaatlerischen Waffennarren an den Tag zu legen. Sie werden in Dawn of the Dead als ungepflegte bärtige Bande von Bierdosen saufenden Rowdies porträtiert, die sich fast darüber zu freuen scheinen, dass sie nun ihre Gewehre aus den Schränken holen und sich zur lustigen und sadistischen Untotenjagd zusammenrotten dürfen.

Konflikte von Pubertierenden

Den Schrecken den die Zombies in Filmen verbreiten, rührt vor allem von ihrem massenhaften Auftreten. Mit einem einzelnen und einer Handvoll wandelnder Untoten könnte man noch fertig werden. Die Tatsache aber, dass es meistens bereits viele sind und zu allem Überfluß auch immer mehr werden, macht sie auf lange Sicht beinahe unbesiegbar. Hinter dem Terror, den die Zombies verbreiten, mag sich vielleicht nichts anderes als die Angst vor der Masse und der Befürchtung, wie sie zu werden, verbergen. Vielleicht sind Zombiefilme gerade deshalb bei Zuschauern im Teenageralter so beliebt, weil die Protagonisten oft in einen Konflikt stecken, den die meisten Pubertierenden gut kennen.

Draußen ist die fremde, merkwürdige Welt der Erwachsenen, die aus der Sicht der Jugendlichen nichts anderes tun, als geistlos zur Arbeit zu wandeln, fern zu sehen und zu konsumieren. Sie verstehen die Musik, Witze und Lebenswelt der Jungen oft nicht, und allgemein ist es für sie schwer bis unmöglich, mit ihnen sinnvoll zu kommunizieren. Wie im Zombiefilm wissen die meisten intuitiv, dass es auf kurz oder lang wohl keinen Weg gibt, dem Schicksal der Assimilation und Anpassung zu entgehen; einer von "ihnen" zu werden.

Im Vergleich zu anderen Filmmonstern stellen die Zombies keine unbesiegbaren Überwesen dar. Sie sind durch und durch körperlich und es ist möglich, ihnen mit physischer Gewalt beizukommen. Weitaus abgehobener und entfernter vom Zuschauer sind dagegen andere Wesen aus der Geschichte der Horror- und Gruselfilme; Jahrtausende alte Dämonen, Mumien aus dem aristokratischen Geschlecht der Pharaonen, gräfliche Vampire oder verrückte Wissenschaftler, durchgedrehte Ärzte und andere irre Akademiker, die sich entweder in Monster verwandeln, in Pakte mit dem Teufel einlassen oder grauenhafte Wesen erschaffen. Die Masse der wandelnden Toten bildet im Vergleich dazu das Proletariat der Filmmonster.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Kommentare lesen (43 Beiträge) mehr...
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

Machteliten

Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.