Jobdumping im Internet

Peter Nowak 01.12.2004

Auf der Aktionswebseite kriegt der einen Job, der am wenigsten verlangt

Im Zeitalter von Hartz IV sind Niedriglöhne in aller Munde. Da kommt eine Internetseite unter dem Namen Job Dumping gerade Recht. Das Konzept basiert auf drei Optionen: Eine Jobofferte wird zum maximalen Preis, die ein Anbieter zahlen will, angeboten. Jobsucher können den Preis nur nach unten korrigieren. Derjenige, der sich am Ende der Aktion am billigsten verkauft, erhält den Job.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Umgekehrt ist es bei der Arbeitskraftofferte. Derjenige, der seine Arbeitskraft verkaufen will, gibt einen Minimalbetrag an, die nur nach oben korrigiert werden können. Arbeitgeber können über diese Internetseite auch Jobs offerieren und erhalten eine Liste von Bewerbern, die dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden können. Bei den ersten beiden Optionen werden bei Erfolg Provisionen fällig, bei der Bewerbung ist eine feste Gebühr zu entrichten.

Die Idee hatten Oliver Heim und der Münsteraner Student der Sozialarbeit Fabian Löw. Mehr als ein Jahr haben sie an dem Angebot gearbeitet. Seit zwei Monaten ist die Seite online und hat nach Angaben der Betreiber bisher große Resonanz gefunden.

Schnee schippen? Hecke schneiden? Druckaufträge vergeben? Handwerker bestellen? Homepage gestalten? Für Dienstleistungen aller Art werden Arbeitskräfte gesucht. Tausende Zugriffe gibt es täglich. In den Medien hingegen wird job.dumping.de eher unter dem Stichwort "Geiz ist geil" oder Kommen wir wieder zurück zu den Tagelöhnern? verbucht.

Die Internetbetreiber sehen eine Schieflage der Debatte durch die Hartz-Gesetze, die sie nicht in allen Nuancen unterstützen . Vielfach werde nicht berücksichtigt, dass auch Qualifikationen mit den Angeboten verbunden sind. Die Nutzer würden auch immer wieder ihre Zufriedenheit über die Angebote ausdrücken. So konnte eine ältere Frau für 25 Euro ihre Dienste beim Pulloverstricken anbieten. Ein anderer Nutzer eines Angebots bekam zwar für das Entrümpeln einer Wohnung nur einen geringen Stundenlohn, konnte aber einen Schrank, den er dabei geschenkt bekam für 50 Euro weiter verkaufen und kam dadurch doch auf ein erträgliches Salär.

Im Telepolis-Gespräch bekannte Fabian Löw sich aber auch als ganz klarer Anhänger der Wirtschaftstheorien des Präsidenten des IFO-Instituts. Hanns-Werner Sinn. sieht in einem zu hohen Lohnniveau in Deutschland den Hauptgrund für die schlechte Wirtschaftsentwicklung (Mehrarbeit für weniger Arbeit). Die Löhne müssen sinken, ist für die Internetbetreiber ein unumstößliches Credo. Andere Wirtschaftstheorien, die Sinn widersprechen, werden von Löw nicht akzeptiert. Die Gewerkschaften haben nach Meinung von Löw früher ihre Verdienste gehabt, würden heute aber vielfach ein Hindernis für die Wirtschaftsentwicklung darstellen.

Wir haben erkannt, dass die Ich-AGs, Unternehmen, Selbständigen, Private und Haushalte nur dann Jobs anbieten können, wenn sie es sich leisten können. Wir haben erkannt, dass wir alle mehr arbeiten müssen, auch für weniger Geld, damit wir unseren Lebensstandard erhalten können. Damit wir unsere private Altersvorsorge finanzieren können. Wir stärken Ich-AGs, Unternehmen und Selbständige.

Der eher negativen konnotierten Begriff Lohndumping wurde bewusst gewählt. "Wir sind wenigstens ehrlich", meint Löw. Anders als viele Politiker. So kritisierte Bundeskanzler Schröder vor Monaten eine Mitnahmementalität in der Bevölkerung. Dabei hätte er nach Meinung von Löw die "Verteilungsmentalität" der Politik anprangern müssen.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18929/1.html
Kommentare lesen (213 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS