Kampfroboter für den Irak

Florian Rötzer 02.12.2004

Das Pentagon setzt neben den bewaffneten Drohnen nun auch die ersten fernsteuerbaren Bodenkampfroboter ein

Um die bis Ende Januar geplante Wahl im Irak angesichts zunehmender Kämpfe und Anschläge zu sichern, erhöht das Pentagon seine Truppen auf 150.000 Soldaten. Noch also müssen die Menschen in den Kampf ziehen, auch wenn unbemannte und fernsteuerbare Fahrzeuge und Flugzeuge bereits wichtige Dienste liefern. Neben Aufklärung tritt nun für Roboter auch stärker die Aufgabe, im Kampf eingesetzt werden, um das Leben der eigenen Soldaten zu schonen.

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Talon-Kampfroboter

Neben den Drohnen, vor allem den Predators, die auch mit Hellfire-Raketen bewaffnet werden können, sollen nun auch erstmals als "small mobile weapons systems" (SMWS) unbemannte Bodenkampffahrzeuge im Irak eingesetzt werden. Ab Frühjahr nächsten Jahres werden 18 Kampfroboter des Typs Talon im Irak in Gebiete vorgeschickt werden, die zu betreten für US-Soldaten zu gefährlich sein könnte. Getestet wurde ein Talon bereits Ende 2003 von einer Stryker-Brigade in Kuwait.

Unbewaffnete Talon-Roboter des Unternehmens Foster-Miller sind allerdings schon seit 2000, damals in Bosnien, im Einsatz. Mittlerweile sind über100 mit einem Greifarm und 7 Kameras ausgestattete Talon-Roboter in Afghanistan und im Irak, mit denen sich Bomben entschärfen lassen. Die Roboter haben den Vorteil, dass sie klein und mit 45 kg relativ leicht sind, von Hand getragen werden und fast auf jedem Gelände zu jeder Zeit eingesetzt werden können. Kleinere Roboter mit einem Gewicht von 27 kg sind zur Erkundung einsetzbar. Angeblich halten die Batterien vier Stunden Einsatz durch. Die Roboter können in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, max. fast sieben Stundenkilometer schnell fahren und Treppen steigen, über Stacheldrahtverhau hinweg fahren, in Schnee, Sand und Matsch sich bewegen und auch wieder selbst aufrichten, wenn sie umgefallen sind.

Wearable Control Unit von Foster-Miller

Auch die Kontrollstation, bei der man den Roboter mit einem Joystick steuert, passt in einen Koffer. Die Roboter können aber auch über wearable computing gesteuert werden. Die Talon-Plattform bietet die Möglichkeit, den Roboter für höchst unterschiedliche Aufgaben auszustatten. Sie kann eine zusätzliche Last bis zu 90 Kilogramm tragen.

Im Irak werden mit Maschinengewehren oder Granatwerfern ausgestattete Roboter eingesetzt. Sie sind mit vier Kameras und einem Nachtsichtgerät ausgestattet. Etwa einen Kilometer soll die Reichweite dieser Roboter oder "unmanned ground vehicles" (UGV) in urbanen Gebieten betragen.

Solche fernsteuerbaren Kampfroboter stellen sicherlich zunächst einen Vorteil für die Truppen dar, die sich zuerst mit Hightech ausrüsten können. Allerdings ist hier ähnlich wie bei den Drohnen zu erwarten, dass auch Aufständische, Bürgerkriegsparteien, Milizen, Terroristen oder auch Kriminelle in den Besitz dieser Kampfroboter gelangen werden und damit nicht nur auch die zunächst durch Fernkrieg geschützten Soldaten, sondern auch Menschen an jedem Ort bedrohen können. Die Hamas hatte erst vor kurzem demonstrativ die erste Drohne über israelischem Gebiet kreisen lassen (Wettrüsten in "asymmetrischen Konflikten").

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18934/1.html
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