Gründe für die Keuschheit vor der Ehe

Florian Rötzer 05.12.2004

Fast eine Milliarde Dollar hat die Bush-Regierung in Programme gesteckt, die mitunter mit seltsamen Gründen für die Enthaltsamkeit vor der Ehe werben

Die Bush-Regierung (Der Gottesstaat im Westen) hat schon in der nun zu Ende laufenden Amtszeit dem moralischen Programm der großen religiösen Wählerschaft verpflichtet. Man kämpft um das Schulgebet, gegen Abtreibung und Homosexualität. Man ist für die traditionelle Familie und gegen Sex vor der Ehe. In das Programm zur Programmierung der Keuschheit wurden schon Zig-Millionen Dollar investiert, in diesem Haushaltsjahr sollen es wieder 170 Millionen sein. Der Kongress hat die von Bush vorgeschlagenen 270 Millionen um 100 Millionen gekürzt In fünf Jahren wurden für die Abstinenz-Programme 900 Millionen Dollar ausgegeben. Mitunter werden hier auch allerlei seltsame Thesen vertreten.

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Henry Waxman, kalifornischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus für die Demokraten, ist rührig und hat schon für manche Ungemach bei den Republikanern gesorgt. Er hat beispielsweise mitgeholfen, den Halliburton-Skandal mit aufzudecken, die Lügen der Bush-Regierung über den Irak-Krieg vor Augen geführt, den Geldern für den Wiederaufbau im Irak nachgefragt, die Schwindeleien beim Terrorismus-Bericht des Außenministeriums entlarvt oder auf die Manipulation der Forschungsergebnisse durch die Bush-Regierung hingewiesen.

Jetzt hat Waxman sich wieder ein schönes Thema gesucht. Er hat einige der durch Steuergelder finanzierten Lehrpläne im Rahmen des Abstinenz-Programms untersuchen lassen. Mit dem veröffentlichten Bericht kamen ganz erstaunliche Erkenntnisse zu Tage. Die meisten der überprüften "Aufklärungs"-Materialien wie "Sex Can Wait", "Why kNOw" oder "Choosing the Best Life" enthalten falsche Informationen über die Wirksamkeit von empfängnisverhütenden Mitteln und über die Risiken von Abtreibungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden falsch dargestellt, Religion und Wissenschaft vermischt, Stereotypen der Geschlechterrollen verbreitet.

Es sei grundsätzlich falsch, wenn man Kindern und Jugendlichen falsche medizinische Informationen übermittelt und das mit Steuergeldern bezahlt wird, kritisiert Waxman. Jugendliche, die sich verpflichtet haben, enthaltsam zu sein, würde, so eine neue Studie, weniger beim Sex aufpassen. Und sie hätten nicht zu einem Rückgang der Schwangerschaften bei Mädchen und von Geschlechtskrankheiten beigetragen.

So konnte man lesen, dass Kondome mit einer Wahrscheinlichkeit von 31 Prozent nicht die Infektion mit HIV verhindern können, dass die Verhinderung der Übertragung von Geschlechtskrankheiten durch Benutzung von Kondomen "nicht von Daten" unterstützt sei oder dass sie in einem von sieben Fällen zur Schwangerschaft führen. Das sind alles als wissenschaftliche Erkenntnisse ausgegebene Schwindeleien. Um zu demonstrieren, dass Kondome für Erreger durchlässig sein, wird etwa so argumentiert:

Think on a microscopic level. Sperm cells, STI organisms, and HIV cannot be seen with the naked eye - you need a microscope. Any imperfections in the contraceptive not visible to the eye, could allow sperm, STI, or HIV to pass through. . . . The size difference between a sperm cell and the HIV virus can be roughly related to the difference between the size of a football field and a football.

Dazu kommen aber noch weitere. Beispielsweise wird gesagt, dass Aids auch über Schweiß oder Tränen weiter gegeben werden kann. Bei Abtreibung scheint sich der Ton zu steigern. So heißt es, dass ein 43 Tage alter Fötus eine "denkende Person" sei. 5-10 Prozent der Frauen, die abtreiben lassen, würden steril werden, eine vorzeitige Geburt würde wahrscheinlicher werden.

In einem Lehrplan wird gesagt, dass Frauen "finanzielle Unterstützung" benötigen, Männer brauchen "Bewunderung", Frauen finden ihr Glück in Beziehungen, Männer in ihren Leistungen. Sexuelle Enthaltsamkeit, so wird versprochen, löse die meisten psychischen Probleme von Einsamkeit über Depressionen und Drogenabhängigkeit bis hin zur Eifersucht. Und umgekehrt schafft sexuelle Aktivität vor der Ehe entsprechende Probleme.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18940/1.html
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