Betrügt die Betrüger!

05.12.2004

Einige Gruppen versuchen der Online-Mafia, die im Internet Fake-Banken eröffnet, ein Schnippchen zu schlagen

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen eine Gründung einer Bank? Das fragt Mackie Messer in Bertold Brechts "Dreigroschenoper." Der moderne Internet-Kriminelle klaut keine Passwörter per Phishing-Mail (Online-Accounts sind stets nur so sicher wie die zugehörige E-Mail), sondern eröffnet gleich eine Online-Bank. Man nennt die zum Beispiel First European Asian Finance Bank oder "Trans Intercontinental Finance". Das klingt seriös. Auch eine Lotterie eignet sich für Betrüger: das British Lottery Headquarters will das Geld der Leute wie jede Lotterie, nur nicht für einen guten Zweck.

Ahnungslose Surfer sollen durch scheinbar seriöses Outfit der Website und angeblich günstigen Konditionen das Geld aus der Tasche gezogen werden. Die Methode scheint zu funktionieren: Laut FBI macht die Mafia der Fake-Banken 200 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr. Vor allem die Institutionen kleinerer Länder wie etwa die Malta Financial Services Authority oder die Jersey Financial Services Commission publizieren regelmäßig Listen, in denen vor betrügerischen "Banken" im Internet gewarnt wird.

Die Liste der aktuellen Banken zeigt, dass Kriminelle aus allen Ländern das Internet als Einnahmequelle entdeckt haben. Die Websites liegen nicht mehr nur in afrikanischen Staaten, sondern auch in den USA und in Europa. Die bekannte Nigeria-Connection wurde nach einem Paragrafen des nigerianischen Strafrechts benannt ("419").

Heutige Kriminelle im Internet haben jedoch dazugelernt. Die schwedische "Financial Supervisory Authority" warnt aktuell davor, mit der "VC Private Management" in Luxemburg und in der Schweiz zusammen zu zuarbeiten. Die Firma biete schwedische Versicherungen und Anlagen in Dänemark an. Es handelte sich nicht um ein seriöses Geldinstitut, sondern schlicht um Abzocker. Im Sommer wurde die "United Mercantile Credit & Investment Bank" (UMCIB) in London als kriminelle Organisation entlarvt. "THe Register" veröffentliche die gesamte E-Mail-Korrespondenz der Fake-Bank mit einem US-Bürger, der Geld überwiesen hatte, dieses aber nie wiedersah.

Ein Indiz für betrügerische Banken, deren Betreiber weniger professionell arbeiten, ist ein Eintrag in einer Whois-Datenbank, der auf Adressen etwa in Lagos hinweist. Oder deren Kontaktperson E-Mail-Adressen bei großen Freemailern angibt, wie zum Beispiel alandaleruud@yahoo.com bei der schon wieder abgeschalteten Ivory Bank. Professionelle Kriminelle vermeiden jedoch jeden Hinweis auf Nigeria. Die "Ivory Bank" hatte sich sogar ein Zertifikat von Thawte Server CA besorgt: Der IExplorer zeigte an, dass dieses gültig sei, andere Browser wie Opera warnten, das Zertifikat sei falsch.

Mehrere Initiativen haben der Online-Mafia jetzt den Kampf angesagt. Artists against 419, 4199Legal.org, Scanorama und das Chaos Projekt versuchen, die Fake-Banker mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Das Motto. Betrügt die Betrüger!

Eine effektive Methode, den kriminellen Websites zu schaden und sie zur Aufgabe zu zwingen, sind der Ladvampire und Fake Banker's Nightmare. Per Quellcode der Seite werden die Grafiken der Pseudo-Banken immer wieder geladen, und das Datenaufkommen zu erhöhen. Das Ziel ist es, einen error 509 zu produzieren: "Bandwidth Limit Reached". Wenn nur genügend andere Websites sich beteiligen, können die Billig-Websites schnell in die Knie gezwungen werden. "Artists against 419" ruft dazu auf: "Jeder ist ein Künstler!"

Just now you are baiting a 419 scammer! Every single pixel you see here comes from ugly 419 web sites! You are an artist! Using their network bandwidth while recyling 419 into art!

Die Website419Eater bietet einen hübschen Trophäenraum an: zahlreiche Freiwillige haben Kontakt zu der Online-Mafia, aber auch zu den klassischen nigerianischen Spammern aufgenommen. Sie geben sich als ernsthafte Interessenten aus, ihr Geld zu investieren, und versuchen, die Betrüger dazu zu bewegen, sich selbst zu fotografieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend und purer Nonsens. Wer sein Geld jedoch bei Fake-Banken schon verloren hat, dem wird kaum nach Lachen zumute sein.

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