Vorsicht vor großzügigen Großeltern

Ernst Corinth 09.12.2004

Was man bei der Bundesagentur für Arbeit alles erleben kann

Hartz IV macht's möglich: Nach einer vorläufigen Übersicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) werden im nächsten Jahr beim Arbeitslosengeld II sechs Prozent der Antragsteller leer ausgehen. Von den bis Ende vergangener Woche versandten 1,25 Millionen Bescheiden haben nach Angaben des BA-Vorstandsmitglieds Heinrich Alt rund 70.000 oder 5,6 Prozent aus Ablehnungen bestanden. Als Ablehnungsgründe nannte Alt, dass die Betroffenen ein zu großes Vermögen hätten oder mit einem gut verdienenden Partner verheiratet seien.

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Aber es gibt noch einen Grund: großzügige Großeltern, die für ihre Enkelkinder Sparverträge abgeschlossen haben. Diese Erfahrung machte M., ein 46-jähriger arbeitsloser Fachverkäufer, dessen Antrag abgelehnt wurde, weil seine beiden Kinder insgesamt 8.100 Euro zuviel auf ihrem Sparbuch haben. Das Geld stammt von den Großeltern, die den Kindern damit später den Start in das Berufsleben erleichtern wollten. Ja, wollten, denn nun muss entweder die Familie selbst von dem Ersparten der Kinder leben oder das Geld schleunigst ausgeben.

Dies wurde M. jedenfalls in einer BA-Niederlassung gesagt. Was er dort erlebt hat, hat er in einem Gedächtnisprotokoll festgehalten:

Nach einer Stunde Wartezeit kam eine circa 25 Jahre junge Frau, der ich den Ablehnungsbescheid zeigen konnte. "Sie müssen mir helfen", sagte ich, "ich weiß gar nicht, warum ich keine Leistungen mehr bekomme." Die junge Frau konnte nichts über ihren Rechner einsehen. Sie musste den Raum verlassen, weil sie alle Akten erst holen musste. Danach blätterte sie immer wieder in der Akte. Dann sagte sie, dass die Kinder zuviel Geld haben

genau 8.100 Euro zuviel. Seit 1990 zahlen die Schwiegereltern, meine Mutter und mein Vater monatlich jeweils 50 Euro. Vorsorgesparen, nennt sich das. Da liegt nun das Problem

Und die Moral von der Geschicht'. Früher hieß es, wir versaufen unser Oma ihr klein' Häuschen. Heute heißt es dagegen, wir versaufen lieber die Sparbücher unserer Kinder. Hartz IV macht eben vieles möglich.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18973/1.html
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