Energiesparen leicht gemacht

27.12.2004

Von Einsparkraftwerken und Negawatt - es lohnt sich, Energie zu sparen - Teil II

Wie wir im letzten Beitrag gesehen haben (Effizienz - die größte Energiequelle), kann sich eine Investition in Energiesparmaßnahmen richtig lohnen. Aber wo lohnt es sich am meisten, und wie macht man das, wenn die Mittel knapp sind? Unter Energie-Contracting (auch "Einspar-Contracting" genannt) versteht man ein System, in dem Investoren die Mittel für neue, effiziente Geräte wie Heizungen, Isolierung, usw. bereitstellen und eine Rendite aus den gesparten Energiekosten des Gebäudes erhalten. Und für mehr Transparenz bei Energiekosten wurde auch gesorgt.

Ein Paradebeispiel dafür ist das Freiburger Projekt an der Staudinger Gesamtschule. Hier wurden rund 282.000 Euro (550.000 DM) in die Erneuerung der Beleuchtunganlagen, Heizungsanlagen, und Wasserleitungen investiert. Man hoffte anfangs auf 20% Ersparnisse für Strom, 30% für Wärme, und 36% für Wasser. Herausgekommen sind jedoch rund 30% bei Strom und Wärme und 70% beim Wasser. Das Programm wirft 6% Rendite für die Investoren - mehrheitlich Lehrer, Eltern und Bürger - jährlich ab, und der Rest der Ersparnisse (d.h. alles, was über 6% hinausgeht) geht an die Schule bzw. die Stadt zurück. Projektleiter Dieter Seifried von der Ecowatt GmbH schätzt, dass die Stadt Freiburg bis zu einer Million Euro einsparen wird, wenn alle Einspareinrichtungen wie angenommen 18 Jahre ihren Dienst tun.

In den ersten 5 Jahren hat das Staudinger Projekt mehr als 400.000 Euro an Strom-, Heiz-, und Wasserkosten eingespart. Man ist also auf dem besten Wege, das ganze Kapital innerhalb von 8 Jahren plus 6% Zinsen p.a. an die Investoren zurückzuzahlen. Und weil Schüler und Lehrer für ihr energiebewusstes Verhalten belohnt werden sollen, überweist Eco-Watt jedes Jahr rund 10.000 Euro an die Staudinger Gesamtschule zur freien Verfügung.

Wenn es um die "Energie-Intensität" (= Energiekonsum im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) geht, schneiden die USA nicht schlecht ab. Obwohl dort unverhältnismäßig viel Energie verbraucht wird (etwa doppelt so viel pro Kopf als in Deutschland), holen die Amerikaner relativ viel Mehrwert aus Energieträgern heraus, zumindest im Vergleich zu vielen "Entwicklungsländern" wie Indien und China. Die alte Sowjetunion entpuppt sich hier sogar als Schlusslicht in Sachen Effizienz. Wer also das Geld hat, um in Effizienz zu investieren, spart dort am meisten. Diese Länder fehlt es aber an den nötigen Mitteln, aber Energie-Contracting kann Abhilfe schaffen und für einen Transfer von sparsamen Geräten sorgen.

Und was in europäischen Schulen funktioniert, kann auch grenzübergreifend klappen: Investoren aus dem Westen/Norden können in die Erneuerung von Energiesystemen in Entwicklungsländern Geld anlegen. Westliche Investoren liefern sparsame Geräte und bekommen die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Verbrauch zurück.

Negawatt statt Megawatt

Seifried und Hennicke prägten schon vor Jahren den Begriff Einsparkraftwerk, quasi als Eindeutschung des Begriffs Negawatt, der vom US-Energieexperten Amory Lovins stammt. Hinter dieser Idee steckt least-cost planning: Was kostet weniger: der Bau eines neuen Kraftwerks oder eine Investition in Spartechniken?

Seit Mitte der 90er ist die Idee von Schulen als Einsparkraftwerke ein Selbstläufer in vielen Ländern der EU. In Nordrhein-Westfalen läuft das Projekt EnergieSchule NRW, in Heidelberg das Projekt E-Team, in Hamburg das Projekt fifty-fifty usw. Der Name der Hamburger Projekts ist Programm: Die Hälfte der Ersparnisse fließen an die Schule zurück. In vielen Fällen deckt das Projekt alles von Strom-, Wärme- und Wassersparen bis hin zur Vermeidung von Abfall.

In Großbritannien läuft seit 1994 landesweit das Projekt Eco Schools, was Teil eines mittlerweile internationalen Projektes ist. In Deutschland nehmen zur Zeit rund 600 Schulen an dem Projekt teil.

Schulen sind aus mehreren Gründen besonders interessante Orte für solche Projekte. Erstens haben sie wenig Geld. Zweitens - und noch interessanter: Man erreicht in Schulen junge Menschen, die für neue Ideen offen sind und gerne besser Bescheid wissen als Erwachsene. Dabei fungieren Schüler als Multiplikatoren, indem sie zu Hause ihre Eltern nerven, weil diese überhaupt nicht Bescheid wissen, wie man Energie und Ressourcen spart. Eine ganze Generation wird dabei zum Umhandeln erzogen.

Deshalb wird das Display-Projekt von Energie-Cités, das eigentlich auf alle städtischen Gebäude abzielt, gerade auf Schulen ausgedehnt. In diesem Projekt wird ein einfaches Plakat ausgehängt, das zeigt, wie sparsam man in dem Gebäude mit Ressourcen umgeht. Oft wissen Erwachsene nämlich gar nicht, wie viel sie verbrauchen. Das Display-Projekt sorgt in öffentlichen Gebäuden für Transparenz.

Erwachsenenbildung durch Transparenz

Während junge Leute noch Ideale haben, erreicht man Erwachsene mit bloßen Appellen an die Moral weniger. Erwachsene verstehen dagegen Kosten viel besser.

Da setzt die dezem GmbH an. Die Anfang 2003 gegründete Firma möchte den Wunsch nach mehr Energietransparenz, der gerade seit Einführung der Ökosteuer stärker wird, erfüllen. Genau wie das Display-Projekt versucht dezem, das Kostenbewusstsein von Verbrauchern zu schärfen. Allerdings tut dezem dies nicht über statische Plakate, sondern zeitnah am PC-Bildschirm via Internet.

"Meistens werden die Stromkosten einer Abteilung pauschal nach Quadratmetern Bürofläche oder ähnlichen Schlüsseln in den Gemeinkosten abgerechnet", erklärt Dr. Georg Riegel, Geschäftführer bei der dezem GmbH. Damit besteht für die einzelne Abteilung bzw. Kostenstelle kein Anreiz zum Energiesparen. Deshalb hat er ein Paket aus Hardware und Software entwickelt, das alle Mitarbeiter plastisch nachvollziehen lässt, wie viel sie verbrauchen und was Verhaltensänderungen bewirken. "Sobald Stromkosten einer überschaubaren Gruppe von Personen zugeordnet werden können, entsteht Kostenbewusstsein, und Mitarbeiter beginnen, daran zu denken, dass man den Bildschirm vor der Mittagspause ganz ausschalten kann, statt durchgehend einen stromfressenden Bildschirmschoner laufen zu lassen." Und wenn sich diese Einstellung erst durchgesetzt hat, sind richtige Stromsparmaßnahmen leichter einzuführen.

Ein Screenshot der Software von dezem, die es Firmen erlaubt, den Stromverbrauch pro Steckdose zu messen. Erst mit einer solchen Transparenz kann der Erfolg von Sparmaßnahmen pro Mitarbeiter gemessen werden.

Riegel schätzt, dass Firmen ihre Stromrechnung mit seinem Sparpaket, das natürlich nicht nur bei den kleinen, sondern auch den großen Verbräuchen Transparenz schafft, um gut 20% senken können. Die Amortisationszeiten sind damit oft sehr gering..

Energiesparen als Priorität

Was macht man aber bei den Leuten, die bei "3-Liter-Autos" an Hubraum statt an Spritverbrauch denken? Nun, von heute auf morgen bewirkt man hier wenig, aber eine neue Einstellung setzt voraus, dass man zumindest über den eigenen Energiekonsum Bescheid weiß, damit man ihn senken kann. Transparenz ist der erste Schritt zum Umdenken; höhere Preise sind ein Schritt zum Umhandeln.

Der große Nachteil an dieser Vorgehensweise: Höhere Preise lassen sich schlecht verkaufen. Oft wird dabei der Vorwurf laut, die Ökofuzzis wollten, dass wir alle wie Höhlenmenschen leben. Darum kann es natürlich nicht gehen. Wer seinen Wein aus Südafrika oder Argentinien haben will oder unbedingt einen Geländewagen auf deutschen Strassen fahren will - bitte sehr, jeder ist seines Glückes Schmied. Bekanntlich reisen Grüne besonders gerne, was sich schlecht mit ihrem aufklärerischen Appell: "Sie stehen nicht im Stau, Sie sind der Stau!" vereinbaren lässt.

Andererseits wissen viele heute gar nicht, wie viel Strom eine 1000W-Elektroheizung verbraucht, wenn man sie eine Stunde laufen lässt, geschweige denn was diese Kilowattstunde kostet. Man weiß ja nur, dass man so-und-so-viel im Monat für Strom zahlt. Niemand möchte, dass alle auf alles verzichten, aber es würde nicht schaden (frei nach dem Motto: Man gönnt sich ja sonst nichts), wenn man bewusster konsumieren würde.

Außerdem würde es helfen, wenn sich die Einsicht durchsetzen würde, dass höhere Preise nicht zwangsläufig mit höheren Kosten einhergehen. Es ist eben durchaus möglich, dass höhere Preise zu einem Undenken und Umhandeln führen können. Die Menschen könnten oft bei gleichbleibendem Komfort ein bisschen Geld investieren, um noch mehr zu sparen. Die Kosten können damit schneller sinken, als die Preise steigen.

Wann dies möglich ist, wäre von Fall zu Fall zu bestimmen. Es wäre jedoch ein großer Fortschritt, wenn wir anfangen würden, solche Überlegungen anzustellen.

Craig Morris übersetzt in den Bereichen Energien, Finanzen, und Technik.

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