Die Angst der Couch Potatos

Thomas Pany 20.12.2004

Das Internet soll stärker überwacht werden und die Regierung weniger kritisiert: Eine neue amerikanische Studie zeigt, dass Christen und Fernsehnachrichtenzuschauer gegenüber Moslems besonders ängstlich und vorurteilsbeladen sind

Eine neue Studie der Universität Cornell, die der Frage nachgegangen ist, wie sehr sich die amerikanische Bevölkerung vor dem Terrorismus fürchtet und wie groß die Ängste der US-Bürger gegenüber den Moslems in ihrem Land sind, bestätigt einige Vorurteile und zeigt gleichzeitig, wie gespalten die amerikanische Nation ist.

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Etwa ein Monat lang, zwischen dem 25.Oktober und dem 23.November, führten Mitarbeiter der Media & Society Research Group der Universität 715 Telefon-Interviews in repräsentativen amerikanischen Haushalten durch. Die Befragten wurden mit Statements (z.B. "Die islamische Religion ermutigt wahrscheinlich mehr Gläubige zur Gewalt als andere Religionen") konfrontiert, denen sie mehr oder weniger zustimmten.

Die so genannten Key-Findings der Studie (im PDF-Format) zeigen einerseits, dass mit 44% der Befragten ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung denkt, dass Restriktionen von Bürgerrechten der muslimischen Amerikaner nötig wären. Anderseits deuten 48% der Befragten, die von solchen Beschränkungen nichts halten, darauf hin, dass liberalere Einstellungen nicht in der Minderheit sind.

Immerhin wären aber ungefähr ein Viertel (27%) der befragten Amerikaner dafür, dass alle muslimischen Amerikaner ihren Aufenthaltsort in den USA bei einer Bundesbehörde registrieren lassen; etwa der gleich große Anteil (26%) ist der Meinung, dass die Behörden Moscheen genauer beobachten sollten und für 29 % sollten die Agenten des FBI oder anderer Behörden noch mehr Wert auf Undercover-Tätigkeiten in muslimischen Organisationen legen. Etwas weniger als ein Viertel, 22%, ist sogar der Überzeugung, dass die staatlichen Behörden jeden, der moslemischen Glaubens ist oder aus dem Mittleren Osten stammt, als "potentielle Bedrohung" einordnen: die ideale Zielgruppe für Alarmisten wie etwa Daniel Pipes (vgl.Neue Aufgabe für den "führenden Islamophobiker").

Insgesamt scheint sich die amerikanische Bevölkerung, zumindest diejenigen, die sich am Telefon entsprechend äußerten, sicherer zu fühlen. Während bei einer ähnlichen Umfrage im November 2002 noch 90% (!) glaubten, in den nächsten 12 Monaten sei ein terroristischer Anschlag wahrscheinlich, glauben dies jetzt nur mehr 37%.

Besonders bedroht fühlen sich nicht nur Republikaner, deren Zustimmungswerte für Einschränkungen der Bürgerrechte im Durchschnitt beinahe doppelt so hoch lagen wie bei den Demokraten, sondern auch die Zuschauer von Fernsehnachrichten: 18% derjenigen, die TV-Nachrichten mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, fühlen sich "persönlich gefährdet".

Neben diesem bemerkenswerten Ergebnis der Studie hat man noch eine andere interessante Korrelation festgestellt: diejenigen, welche den Muslimen gegenüber die größten Verdachtsmomente hegen, schauen entweder viel fern, oder sie gehören einer christlichen Religionsgemeinschaft an.

Weit mehr als die Hälfte - 65% - der Christen mit einem "höheren Grad an Religiosität" sind der Meinung, dass der Islam mehr als andere Religionen zur Gewalt aufrufe (von den weniger Religiösen behaupten dies "nur" 42%). 64% der rechtgläubigen Christen halten die islamischen Länder für gewalttätig, 61 Prozent für "fanatisch" und 64 von Hundert für "gefährlich".

Das Internet übrigens auch. Während immerhin 47% (!) der befragten Amerikaner für mehr Beobachtung und Kontrolle des Internet durch die Regierung sind, sprachen sich 61% der Christen mit einem "höheren Grad an Religiosität" für eine stärkere staatliche Aufsicht des Internet aus. Beachtliche 44% dieser Christen waren der Meinung, dass die Medien in "Zeiten der Krise" nichts Kritisches über die Regierung berichten sollen.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19064/1.html
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