Schnappi das Musikkrokodil im Winterloch

Wolf-Dieter Roth 11.01.2005

Das böse böse Internet beißt die Musikindustrie wieder mal in den Allerwertesten

Schnappi? War das nicht dieser ausgebüchste Alligator, der im Sommerloch aus einem ebensolchen Teich entwischt war und sich dann stattdessen in den Zeitungen breit machte? Nein, Schnappi ist ein Krokodil, das nach drei Jahren mitten im Hochwinter aus dem Netz entwischt ist und sich nun in den Charts breit macht

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Wir wissen es ja langsam: Das Internet und die Raubkopierer sind der Tod der Plattenbranche, die Umsätze sind gewaltig zurückgegangen und erreichen bald ernsthaft das Niveau des allgemeinen Konjunktureinbruchs. Und dank Abspiel-, Verzeihung, Kopierschutz habe auch ich inzwischen resigniert und den CD-Kauf aufgegeben. Nein, der Kunde stört im Plattenladen doch blo

Doch da stürmt plötzlich ein Kinderlied die Hitparade: "Schnipp-Schnapp-Schnappi", das singende Krokodil. Nein, eigentlich singt die siebenjährige Joy, die Nichte von Iris Gruttmann, die den Text bereits vor drei Jahren geschrieben hat. Seitdem geistert das Krokodil als böses MP3 durchs Internet. Ohne Kopierschutz.

Iris Gruttman hat auch schon über 100 andere Kinderlieder für die "Sendung mit der Maus" und den "Hasen Felix" geschrieben. Diese haben sich eher weniger als MP3 verbreitet, dafür allerdings die vom Südwestrundfunk fabrizierten Maus-Parodien.

"Schnappi", das dagegen seit drei Jahren und auch jetzt noch kostenlos im Netz zu finden ist, entwickelte sich dagegen ähnlich wie das Lied der Schlümpfe oder der Ententanz nicht nur in Kinderzimmern, sondern auch in Diskotheken zum Hit.

Schließlich war die Universal gezwungen, das Lied am Nikolaustag 2004 als CD herauszubringen. Und nun kannten die Fans keine Gnade und kauften die Scheibe so massiv, dass das Krokodil auf Platz 1 der Hitparade geriet, auf MTV und Viva ernsthaft der Klingeltonwerbung Konkurrenz macht und heute abend auch noch bei Stefan Raab antreten muss. Das hätte natürlich niemals passieren dürfen, denn was sogar bereits vor Veröffentlichung als MP3 im Netz ist, verkauft sich doch als CD nicht mehr.

Und wie steht sie nun da, die IFPI, für die das Internet die Wurzel alles Bösen und der Feind aller CD-Verkäufe ist? Von einem kleinen singenden Krokodil bloßgestellt, so steht sie da. Schnipp-Schnapp-Schnappi.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19209/1.html
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