Spanien verliert bei Internetnutzung weiter an Boden

15.01.2005

Für Kritiker sind am Rückgang der Internetnutzung die fehlende Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen und die hohen Preise verantwortlich

Eine Studie der "Vereinigung zur Untersuchung der Kommunikationsmedien" (AIMC) hat es ans Licht gebracht. Erstmals seit 1996 ist die Zahl der Internetnutzer in Spanien wieder gesunken. Wurden in der umfassendsten Medienstudie des Landes (EGM) im letzten Messzeitraum noch über 12 Millionen Internetbenutzer (33,1% der Bevölkerung) registriert, waren es im Vergleich in der neuesten Erhebung nur noch knapp 12 Millionen (32,9% der Bevölkerung). Verglichen wurde der Zeitraum Oktober/November 2004 mit dem April/Mai 2004. Die höchste Rate von Internetnutzern weist die Provinz Madrid auf. Hier nutzen 40,3% das Internet, knapp dahinter folgen das Baskenland mit 39,4% und Katalonien mit 36,5%.

Die Vereinigung der Netizen macht vor allem die schlechte Verfügbarkeit von DSL-Verbindungen für die Stagnation verantwortlich. Dass monatlich nur etwa 75.000 Breitbandanschlüsse geschaffen würden, reiche nicht aus. Der Markt sei "unfähig", ein vernünftiges Angebot zu machen, damit Spanien sich dem europäischen Durchschnitt nähern könnte.

Statistik

Tatsächlich werden die Angaben über eine neuere Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen/Netratings belegt. Demnach sei die Zahl der Breitbandanschlüsse in Europa in einem Jahr um 60 Prozent auf 54,2 Millionen gestiegen. Während mehr als die Hälfte aller Internetnutzer in Europa schon über eine schnelle Verbindung verfügen, sind es Spanien nur 30 %.

Geht diese Schere auseinander, dann verliert Spanien weiter an Boden. Schon jetzt liegt das Land nur an 17. Platz in der EU. Mit 24 % in Portugal und 28 % in Griechenland ist Spanien unter den Hinterbänkler unter den alten 15 EU-Staaten. Schon jetzt nutzen in vier der zehn neuen EU-Mitgliedsstaaten prozentual mehr Menschen das Internet als in Spanien. An der Spitze der neuen zehn Mitglieder befinden sich Slowenien (49,7 %), Estland (46%) und Tschechien (34,6%), auch die Slowakei liegt mit 33,3 noch vor Spanien.

Ein Problem ist nach Angaben der Vereinigung der Netizen, dass vor allem in die Hauptstadt Madrid und in der zweitgrößten Stadt Barcelona investiert werde. Dort könnten in vielen Stadtteilen die Nutzer zwischen diversen Angeboten, wie DSL, Wi-Fi oder Kabelverbindung, wählen. Gleichzeitig müssten vier Millionen Telefonanschlüsse auch weiterhin mit einer langsamen Modemverbindung auskommen.

Verantwortlich für diese Politik ist vor allem die Telefonica als ehemaliger Staatsmonopolist - und damit auch die Regierung, die den Konzern weitgehend kontrolliert. Andere Unternehmen haben es schwer, mit der Telefonica zu konkurrieren. Sie konzentrieren sich deshalb auf die bevölkerungsreichen Zentren und treten meist nur als Wiederverkäufer von Telefonica-Verbindungen auf. So sind hohe Preise für schlechte Leistung der Telefonica garantiert. Dass die Telefonica 2,5 Millionen DSL-Anschlüsse vergeben hat, alle Konkurrenten zusammen nur etwa 100.000, spricht eine klare Sprache. So verwundert auch nicht, wenn die Firma in den ersten neun Monaten 2004 ihren Gewinn um 5,1 Prozent auf über zwei Milliarden Euro steigern konnte.

Von den DSL-Verbindungen. die nicht von der Telefonica abhängen, entfallen mehr als 70.000 auf den baskischen Konkurrenten Euskaltel, der nur in den drei baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa auftritt. Euskaltel wird von der baskischen Regionalregierung gefördert, die seit Jahren auch gezielt die Nutzung des Internet (Baskische Internetoffensive) und eines eigenen Kabelnetzes vorantreibt. Dass in diesen drei Provinzen die Internetznutzung gemäß der letzten Studien von 29,1 auf 39,4 % gestiegen ist, zeigt unter anderem den Erfolg.

Neben der fehlenden Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen seien aber auch die hohen Preise für die Situation verantwortlich. In Spanien müssten im Durchschnitt 45 Euro monatlich gezahlt werden, während in England (45% Nutzer) 29 Euro oder im benachbarten Frankreich (45% Nutzer) sogar nur 25 Euro gezahlt würden, sagen die Netizen.

Spontan werden derweil im Netz Unterschriften gesammelt, um von der neuen sozialistischen Regierung Abhilfe zu fordern. Anstatt Gesetze der konservativen Vorgänger zu streichen, die etliche Webseiten ins Exil getrieben haben (Umstrittenes spanisches Internetgesetz in Kraft), führt sie deren Politik fort, die sie als Opposition noch kritisiert hat. Zudem werden weiter Gebühren für Rechte erhoben, die praktisch nicht mehr existieren (Weihnachtszeit - Zeit zur Bescherung), statt die Nutzung neuer Technologien effektiv voranzutreiben. Die Petition spricht von "Abzockerpreisen", zudem seien die sogenannten "Hochgeschwindigkeitsverbindungen von 256 oder 512k im europäischen Vergleich lächerlich".

Man habe in Spanien schon die "industrielle Revolution verschlafen" und könne sich nicht den Luxus leisten auch im Internet den Anschluss zu verlieren. "Falls Sie nicht auf der Höhe der Zeit sind, wir sind es", schließt das Dokument. Fast 23.000 Netizen haben die Petition schon unterzeichnet-

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