Europäer sind fruchtbarer
Isländische Wissenschaftler haben eine sehr alte Genmutation gefunden, die manche Menschen fruchtbarer macht und möglicherweise auch länger leben lässt als andere
Hreinn Stefansson und Kollegen von DeCode Genetics in Reykjavik, der biopharmazeutischen Firma, die durch eine von der isländischen Regierung gekaufte Lizenz zwölf Jahre lang exklusiv und kommerziell alle medizinischen Daten, sowie die genealogischen und genetischen Informationen der gesamten Bevölkerung Islands auswerten darf (Gendatenbank für eine ganze Nation), veröffentlichen in der Februarausgabe des wissenschaftlichen Fachjournals Nature Genetics ihren Bericht über die Entdeckung der außergewöhnlichen Genmutation.
Auf dem langen Arm von Chromosom 17 findet sich bei vielen Menschen eine Veränderung im Erbgut in Form einer Inversion. Ein Abschnitt von 900.000 Nukleotiden ist verdreht und sitzt bei den Betroffenen dann in umgekehrter Richtung auf dem Chromosom (vgl. Chromosomenmutationen). Der Unterschied zwischen der Originalsequenz, die H1 genannt wird, und der Mutation namens H2 sind sehr groß. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die sprunghafte Veränderung vor sehr langer Zeit stattgefunden haben muss, mindestens vor drei Millionen Jahren. Das war lange vor der Entstehung des heutigen Menschen, des Homo sapiens, der vor ungefähr 150.000 Jahren begann, die Erde zu bevölkern.
Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Europas und des Nahen Ostens verfügen über die Abweichung H2, unter den Afrikanern und Asiaten sind es nur ungefähr zehn Prozent. Das erwies sich durch den Abgleich mit Daten aus den Coriell Cell Repositories; HapMap Project Database und der Alfred-Datenbank. H1 zeigt eine Vielzahl von Variationen, H2 nur wenige. Beide Argumente sprechen nach Meinung des Teams um Stefansson für das hohe Alter der Genmutation.
Fruchtbarkeit und Langlebigkeit
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Basis der Gendatenbank von DeCode sind alle Isländer, eine relativ geschlossene Inselpopulation. Für die aktuelle Studie wurden Genotypen und genealogische Daten von 30.000 Isländern analysiert, eine sehr breite Grundlage. Es erwies sich, dass die Personen, deren Chromosomabschnitt die Inversion H2 aufweist, durchschnittlich eine leicht erhöhte Zahl von Kindern zur Welt bringen. Statistisch handelt es um 3,5 Prozent mehr Kinder. Das ist eine kleine Zahl, aber über einen sehr langen evolutionären Zeitraum könnte sie eine erhebliche Wirkung entfaltet haben und noch weiter entfalten. Ein möglicher Faktor für die Erhöhung ist Rekombination, die Neuordnung von Erbmaterial bei der Bildung von Eiern und Spermien.
Hreinn Stefansson erläuterte noch einen Aspekt, der im Artikel in Nature Genetics nicht erwähnt wird. Die Genforscher fanden neben der erhöhten Fruchtbarkeit in der isländischen Bevölkerung auch Hinweise, dass H2 zudem mit einer längeren Lebensdauer verbunden ist. Sie fanden die Mutation wesentlich häufiger bei Frauen im Alter über 95 Jahre und Männern über 90 Jahre als im Durchschnitt der Bevölkerung. "Es [die Inversion H2] scheint Leuten die Fähigkeit zu verleihen, ein extrem hohes Alter zu erreichen", kommentierte Stefansson.
Es gab vorher schon in der isländischen Datenbank entdeckte Anzeichen, dass genetische Varianten auf Chromosom 17 eine wesentliche Rolle für die biologisch programmierte Lebenspanne von Menschen spielen könnten.
Natürliche Selektion in Echtzeit
Eine Erklärung für die geografisch verschiedene Verteilung der H2-Mutation lautet, dass sie sich ursprünglich im Genpool eines menschlichen Vorfahren wie des Homo heidelbergensis oder Homo erectus ereignet haben könnte. Diese Spezies lebten noch eine ganze Weile parallel mit dem frühen Homo sapiens und die heutigen H2-Träger könnten eine genetische Spur ihrer Vereinigung mit dem modernen Menschen in sich tragen.
Was auch immer die Ursache sein mag, Fakt ist, dass es den isländischen Forschern zum ersten Mal gelungen ist, eine spezifische genetische Variante nachweislich mit der Anzahl der Nachkommen in Verbindung zu bringen. Natürliche Selektion kann in diesem Fall in Echtzeit in der menschlichen Bevölkerung beobachtet werden.
http://www.heise.de/tp/artikel/19/19280/1.html- Re: (22.1.2005 13:54)
- Leider tauchen solche statistiken immer wieder auf (22.1.2005 11:07)
- Re: Langlebigkeit und Primzahlen... (22.1.2005 1:39)
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