Der gefallene Engel Amerikas

22.01.2005

Film, Frauen, Fliegen - Mythos und Wahrheit im Leben des Howard Hughes

Mit 18 war er Vollwaise und Millionär, mit 23 gewann er einen Oscar, mit 33 umrundete er im Flugzeug die Welt schneller als je ein Mensch vor ihm, mit 41 stürzte ein von ihm gesteuertes Flugzeug in den Villen von Beverly Hills ab, und er überlebte trotz 70 Prozent verbrannter Haut, mit 48 wurde er zum letzten Mal fotografiert, mit 53 gab er sein letztes Interview, mit 71 starb er in selbstgewählter Zurückgezogenheit - Howard Hughes (1905-1976), einer der interessantesten, ungewöhnlichsten Menschen des 20.Jahrhunderts: Multimillionär, Exzentriker und Filmproduzent, Rekordflieger, Womanizer und Paranoiker. Jetzt hat Martin Scorsese einen Film über Howard Hughes gedreht: "The Aviator" mit Superstar Leonardo DiCarpio in der Titelrolle. In weiteren Rollen spielen unter anderem Cate Blanchet, Kate Beckinsale und Jude Law - eine komplexe Variation des american dream, mehr ein Scorsese-Film als eine glatte amerikanische Heldengeschichte.

"Listen Son!" Q U A R … - es ist ein eigenes bizarres Alphabet, das der kleine Junge kennenlernt, eine eigene Welt, die sich zusammensetzt aus Krankheiten und der unerfüllbaren Sehnsucht nach absoluter Reinheit, aus den Negerquartieren nebenan, wo der Typhus umgeht, und Seife, aus Quarantäne und Angst. Von Blut ist diesmal zwar nicht die Rede, trotzdem erinnert dieser Beginn von "Aviator" an den von Martin Scorseses letztem Film, an "Gangs of New York". Auch hier eine quasi-mythische Urszene, auch hier ein Kind, das auf einen Elternteil, seine Mutter diesmal, früh fixiert ist, und diese Person und das Fixiertsein auf sie auch dann mit sich herumtragen wird, wenn sie längst gestorben ist.

Es folgt ein harter Schnitt, und wir befinden uns mitten im Hollywood der 20er. Es herrscht High Life, ein junger Mann, der es offenbar gewohnt ist zu befehlen, dreht Filme, und Geld spielt keine Rolle. Manchmal hat man den Eindruck, dass alles, was hier geschieht, nur deswegen passiert, damit man Grund hat, eine weitere Party zu feiern oder das neueste, hübscheste Starlet abzukriegen, doch dafür nimmt der junge Mann alles ein wenig zu ernst, tritt ein bisschen arg perfektionistisch auf und alles, was er tut, tut er mindestens eine Nummer größer, als der ganze übrige Rest der Welt. Wenn er zum Beispiel eine fremde Frau ansprechen und zum Golf einladen möchte, kann es passieren, dass er eben mal mit dem Flugzeug zu ihren Füßen landet - wenn es sich dabei freilich um die Schauspielerin Katherine Hepburn handelt, musste sich selbst ein Multimillionär schon Mitte der 30er Jahre ein bisschen mehr Mühe geben. Auch wenn "The Aviator" für nichts sonst gut wäre, lohnten bereits solche, allesamt verbürgte Szenen unbedingt einen Besuch - und zwar möglichst den der Originalversion, denn Kate Blanchet als Katherine Hepburn oder später Kate Beckinsale als Ava Gardner muss man schon im Original hören, um den Auftritt wirklich zu genießen; der Klang der Stimme ist hier schon die halbe Miete, und die Synchronfassung lässt nichts vom affektierten Gehabe der Hepburn, das sich Blanchet in langen Übungen angeeignet hatte.

Macht & Wahn: Wer war Howard Hughes?

Er vereinte das Aussehen eines Künstlers mit der Schüchternheit eines Schuljungen: Die einmalige Lebensgeschichte Howard Hughes klingt wie ein Roman, ein Roman aus Abenteuer, Action und Sex. Er handelt von einem der reichsten Männer Amerikas, einem berühmten Flieger, geistreichen Erfinder und legendären Frauenhelden. Zugleich ist sie das berührende Drama eines Mannes, für den jeder Wunsch in Erfüllung zu gehen schien, in dem Genie und Macht verschmolzen, und der doch zunehmend ein Getriebener wurde und schließlich einsam und krank, besessen von Wahnvorstellungen starb - Howard Hughes (1905-1976) war eine Jahrhundertfigur, einer der bekanntesten und zugleich mysteriösesten Menschen seiner Zeit.

Kaum zu glauben, dass bisher niemand dieses einmalige, an spannenden Ereignissen und unzähligen Anekdoten so reiche wie bizarre Leben verfilmt hat. Jetzt wagt sich Martin Scorsese, der immer wieder aus "normalen" Stoffen Filmmythen schmiedet, an das Leben dieses Mannes, der schon in jungen Jahren selbst zum Mythos geworden war. Gemeinsam mit seinem Drehbuchautor John Logan, der zuvor das Script zu "Gladiator" und "Last Samurai" schrieb, geht es in "The Aviator" vor allem um Hughes' Glanzzeit, die Jahre zwischen 1923 und 1947. Vom späten Hughes, der vielleicht durch übermäßige Schmerzmittel drogensüchtig und möglicherweise psychisch krank, zurückgezogen fast nur noch in Hotels lebte, sein Imperium per Telefon dirigierte und sich angeblich vor allem von Eis und Dosensuppe ernährte, erfährt man kaum etwas.

Der reichste Teenager Amerikas

Wer war überhaupt der "echte" Howard Hughes? So ganz hinter das Geheimnis dieses Lebens kommt man auch dann nicht, wenn man sich dessen Geschichte vergegenwärtigt: Alles begann am 10. August 1909. Da meldete der Ingenieur Howard Robard Hughes bei den Behörden in Texas seine neueste Erfindung an: den "Hughes Rock Eater". Dieser "Felsenfresser" war eine diamantbesetzte, sich selbst schärfende Bohrmaschine, die sogar Granit durchdringen konnte und bis heute in Gebrauch ist. Binnen weniger Jahre revolutionierte er die Bohrindustrie, legte den Grundstein für den Ölboom in Texas und machte seinen Erfinder zu einem steinreichen Mann.

Am 24. Dezember 1905 war in Houston, Texas sein einziger Sohn Howard Robard Jr. zur Welt gekommen, den alle nur "Sonny" riefen. Schon früh zeigte Sonny, so hieß es jedenfalls später, erhebliche technische Begabung: Nachdem ihm sein Vater eine Werkstatt geschenkt hatte, liebte er zu basteln, konstruierte ein eigenes Funkgerät und ein Motorrad. Ansonsten war er schüchtern, zurückgezogen, hatte wenig Interessen und wenig Neigung, sich den Wünschen seiner Umgebung anzupassen. Aus einer Nobelschule nach der anderen flog er raus, und vielleicht wäre aus Howard Hughes nur ein x-beliebiger Taugenichts geworden - da starben binnen einem Jahr seine beiden Eltern. Im Januar 1924 mit gerade 18 Jahren war Hughes der reichste Teenager Amerikas.

Anstatt, wie jeder erwartete, das Geld einfach faul zu verprassen, zeigte Hughes erheblichen Tatendrang. Als erstes kaufte er seiner Verwandtschaft alle verbliebenen Firmenanteile ab, damit ihm von nun an keiner mehr dreinreden konnte. Dann nahm er sich eine Frau aus der Texaner Society und zog mit ihr nach Hollywood. Denn schon mit 12 Jahren hatte Hughes, dessen Onkel ein seinerzeit bekannter Filmautor war, erklärt, er habe drei Ziele im Leben: "Ich will der weltbeste Golfer werden, der weltbeste Flieger und der weltbeste Filmproduzent."

In Kalifornien angekommen, investierte Hughes in das nächstbeste Filmprojekt. "Swell Hogan" (1926) wurde zwar ein peinlicher Flop, aber Hughes hatte gelernt, worauf es ankam. Bereits sein nächster Film machte Gewinn, sein vierter, "Two Arabian Nights", gewann 1927 den Oscar als beste Komödie. In den nächsten 20 Jahren war Hughes einer der wichtigsten, aber auch schillerndsten Produzenten Hollywoods, verantwortlich für Klassiker wie Howard Hawks' "Scarface", aber auch für Skandalfilme, wie den Western "The Outlaw", der wegen allzu freizügiger Szenen der Hauptdarstellerin Jane Russell 1946 erst nach langem Rechtsstreit ins Kino kam. Ein typischer Hughes-Film, so sein Biograph James Steele, "ist reiche Unterhaltung, flache Message, und voll mit Sex und Action."

"Er ist im Bett wie ein Kind"

Nicht weniger bekannt wurde Hughes durch seine Affairen. Viele der berühmtesten Schauspielerinnen der Zeit teilten zumindest irgendwann einmal das Bett mit dem großzügigen und charmanten Milliardär: Mit Stummfilmstar Billie Dove - dem Scheidungsgrund seiner ersten Ehe - begann es. Ihr folgten unter anderem Carole Lombard, Jean Harlow, Katherine Hepburn, Bette Davis, Hedy Lamarr, Ava Gardner, Jane Russell, Ginger Rogers, Rita Hayworth und Lana Turner. Nicht mitgerechnet hunderte unbekannter Starlets, denen er für eine Liebesnacht die große Filmkarriere versprach. Neben Geld, Macht und Großzügigkeit war wohl auch Hughes' Schüchternheit attraktiv, die so ganz im Gegensatz zum männlichen Machoideal jener Jahre stand, und offenbar bei manchem Star, der im Bett nur herrische Kerle kannte, mütterliche Instinkte weckte. "Er ist im Bett wie ein Kind", sagte bereits Billie Dove über ihn.

Zugleich ranken sich viele er unerfreuliche Anekdoten um das Liebesleben des Milliardärs. Etwa im Fall der seinerzeit bekannten Schauspielerin Jane Greer. 1942 hatte er sie auf dem Titelbild des "Live-Magazine" entdeckt. Postwendend bot er ihr einen persönlichen Vertrag. Nachdem beide kurz darauf eine Affaire begonnen hatten, hielt er Greer in seinem Gästehaus in Hollywood als Quasi-Gefangene. Regelmäßig besuchte er sie durch einen unterirdischen Gang, nach dem Sex zog er sich aus Angst vor Ansteckung schleunigst in seine Privatgemächer zurück, um sich von Kopf bis Fuß zu reinigen. Für Greer war der Zugang verboten. Als sie nach einigen Monaten die Beziehung abbrach, und in eine Ehe mit ihrem Kollegen Rudy Vallee floh, antwortete Hughes mit massivem Psychoterror. Nach sechs Monaten war die Ehe am Ende, und Jane Greer - "Er war von mir besessen" - wieder zurück bei ihrem besitzergreifenden Liebhaber.

Höhenflüge & Abstürze

Die exzentrische, bizarre Seite von Hughes verstärkte sich nach einem Flugunfall im Jahr 1946, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Schon seit Anfang der 30er Jahre war die Fliegerei - neben Film und Frauen - die dritte Leidenschaft im Leben des Howard Hughes. Wie bei allem galt auch hier: Was Hughes auch anpackte, das tat er tausendprozentig und ohne irgendeine Grenze zu akzeptieren. Er machte seinen Flugschein, und arbeitete zwei Monate lang unter falschem Namen als Co-Pilot bei "American Airlines". Dann glaubte er genug über das Geschäft zu wissen und gründete seine eigene Firma. 1937 kaufte er die marode Fluggesellschaft TWA, die er 27 Jahre später für 546 Millionen Dollar wieder verkaufte. Binnen weniger Jahre wurde Hughes auch selbst zu einem der besten Flieger seiner Zeit. Zwischen 1935 und 1938 stellte er mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf, so umrundete er 1938 in "nur" 91 Stunden die Erde. Zugleich konstruierte Hughes eigene Flugzeuge. Bei dieser Arbeit erfand er unter anderem das einklappbare Fahrgestell. Mit dem Wasserflugzeug "Sproose Goose", das 750 Passagiere fasst, baute er das bis heute größte Transportflugzeug der Welt. Hughes war auch ein begabter Tüftler, der neben mehreren Flugzeugen auch aus Flugzeugteilen einen metallenen BH konstruierte, angeblich, um die umfangreiche Oberweite der Schauspielerin Jane Russell vor Verletzungen zu schützen.

Nach seinem Unfall 1946 nahm Hughes für den Rest seines Lebens schwere Schmerzmittel. Offenbar wurde er auch codeinabhängig. Mehr und mehr zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Das letzte Foto von ihm stammt aus dem Jahr 1953. Danach lebte er nahezu ohne Kontakt zur Außenwelt in Hotelzimmern hinter verdunkelten Fensterscheiben - nur sporadisch gab er Pressekonferenzen per Telefon. Immer wieder wurde er wahlweise für tot, wahnsinnig oder für todkrank erklärt. 1957 heiratete er die Hollywoodschauspielerin Jean Peters, 1971 wurde die Ehe wieder geschieden - Peters, offenbar eine der wenigen Personen, denen der paranoide Hughes noch traute, äußerte sich trotz lukrativer Angebote nicht ein einziges Mal über ihre Ehe. Hughes war ein wichtiger Rüstungsfabrikant, er kaufte aber auch einen TV-Sender und viele Immobilien. 1953 gründete Hughes das "Howard Hughes Medical Institute", das heute mit einem Vermögen von ca. 11 Milliarden Dollar zu den wichtigsten Forschungsinstituten der Welt zählt.

Auch sein Imperium regierte Hughes per Telefon, betreut wurde er von wenigen Vertrauten. Angeblich verwahrloste Hughes zusehends, ernährte sich vor allem von Eiskrem und Hühnersuppe, litt unter Verfolgungswahn - zugleich pflegte er enge Beziehungen zur CIA. Angeblich war Hughes in seinen letzten Jahren einer der größten versteckten Financiers der republikanischen Partei. So soll eine illegale 100 000-Dollar-Spende von Hughes sogar der eigentliche Grund des Watergate-Einbruch gewesen sein, der schließlich zum Sturz Richard Nixons führte.

Am 5. April 1976 starb Hughes auf dem Flug von Acapulco nach Houston an Nierenversagen. Neben einem Vermögen von über 2 Milliarden Dollar hinterließ er umfangreiche Steuerverfahren und eine der größten Erbrechtsstreitigkeiten der US-Rechtsgeschichte. Weil sein Leichnam keinerlei Ähnlichkeit mit früheren Fotos aufwies, wurde Hughes' Identität erst zweifelsfrei durch Überprüfung der Fingerabdrücke festgestellt.

"He will be staying in the US for quite a time to come."

Eine filmerzählerische Super Constellation, wie geschaffen für Martin Scorsese. Und tatsächlich glückt ihm ein spannendes Biopic. Das einzige wirkliche Problem dieses Films ist, dass er nie so faszinierend und spektakulär sein kann, wie das wirkliche Leben des Howard Hughes. Trotzdem "The Aviator" drei Stunden dauert, beschränkt sich Scorsese auf wenige Schlaglichter, einzelne, prägnante Episoden, die Seiten von Hughes deutlich machen. Es endet mit dem erfolgreichen Flug der "Hercules" 1947. "He will be staying in the US for quite a time to come", sagt der Radiosprecher, weil Hughes im Falle eines Misserfolgs angekündigt hatte, die USA zu verlassen. Im Film, der um alles Spätere weiß, ein bitterer Kommentar.

Scorsese fängt die Besessenheit, das völlig Übertriebene, aber auch die Romantik von Hughes' over-the-top-Existenz glänzend ein. Immer unruhig, immer hektisch ist dieser Hughes, eigentlich asozial von Anfang an. Seine spätere Verrücktheit deutet der Film früh an. In der zweiten Hälfte finden sich Vorgriffe auf Hughes spätere Zurückgezogenheit. Trotzdem würde man gerne ein Sequel des Films über Hughes letzte Jahre sehen, für das David Cronenberg nach "Spider" der ideale Regisseur wäre.

Historisch trifft es allerdings nicht zu, dass Hughes bereits 1947 in Hotelzimmer lebte, ihm Haare und Fingernägel lang wuchsen, und auch die Szene, in der ihn dann Ava Gardner aus der selbstgeschaffenen Höhle befreit, ihn wäscht und rasiert ist wohl nur ein süßer Männertraum - aber eben auch ein repräsentatives Bild für das Verhältnis der beiden.

Die historischen Ereignisse sind im Einzelnen sonst korrekt recherchiert, im Großen aber jedenfalls ähnlich frei und von grundsätzlichem Wohlwollen gegenüber der Hauptfigur geprägt, wie jüngst erst Oliver Stones "Alexander" - mit einem, entscheidenden Unterschied: Der Kamera. Scorsese arbeitet diesmal nicht mit Michael Ballhaus zusammen, sondern eben mit Stones Stammkameramann Robert Richardson, der wiederum Stone sichtbar gefehlt hatte, und letztlich besser, moderner ist, als Ballhaus. Schon "Casino" hatte er jenes entscheidende flirrende Element gegeben, das den Film zu einem Meisterwerk macht, während es nicht zuletzt Ballhaus' Schwerfälligkeit ist, die die Grenzen von "Gangs of New York" markiert.

So sieht man eine Liebeserklärung an eine verlorene Ära, eine Beschwörung des frühen Hollywood-Glamours. "The Aviator" ist stilistisch perfekt, sieht man von dem etwas zu deutlichen Einsatz digitaler Tricks, vor allem in den Flugszenen ab. Doch der Film hat genau das Tempo und die visuelle Spannung, jene Wildheit und entscheidenden zehn Prozent "over the top", die ein solcher Film braucht, um emotionale Abgründe aufzureißen, und den Zuschauer zu fesseln. Es sind diese zehn Prozent, die einen Film zum Meisterwerk machen - und zumindest in ihrem Kampf um letzte Perfektion darf man wohl eine Wahlverwandtschaft zwischen dem Filmmaniac Scorsese und dem "Spinner" Hughes vermuten.

Ein Getriebener…

Es mag nahe liegend sein, "The Aviator" jetzt dazu zu nutzen, um wieder einmal ein paar billige Wahrheiten über "amerikanische Heldenverehrung" zu verkünden. "Nur allzu oft liefern solche "biopics" eine Verklärung der Vergangenheit, in der die Geschichte zur Bestätigung der amerikanischen Auserwähltheit zurechtgestutzt wird", schreibt der "Stern", und da gehören solche Schlichtheiten auch hin. Und ja, schon recht: "Gerade in einer Ära, in der die Vereinigten Staaten drauf und dran sind, ein neues Empire zu gründen, liegt es nahe, solche Erzählungen zu aktivieren: Denn die Empire-Ambitionen müssen, anders als im Vor-CNN-Zeitalter, vor der Welt legitimiert werden - mit dem Heilsversprechen, die ganze Welt zu einem "home of the brave" zu machen." Und so weiter. Man muss das kurz erwähnen, weil dann der "Niedergang von Howard Hughes" zum Argument für das Scheitern des amerikanischen Traums wird, und zum Argument gegen den Film, der diese Zeit angeblich verschweigt. Nun ist die Frage, warum man Hughes' Leben und ein Leben überhaupt eigentlich immer nur durch die dunkle Brille des Wissens um sein späteres Schicksal betrachten muss. Es ist ein schaler linksliberaler Moralismus, der in solchen Bildern mitschwingt: Kapitalismus und Glamour muss wohl krank machen.

Tatsächlich hat Hughes der Glamour vielleicht für einige Zeit gerettet. Und tatsächlich tut der Film nichts anderes, als Glamour und Krankheit, Geld und Obsession enger zu verbinden, als es Hughes zweigeteilte Biographie nahe legt. In Scorseses hoch unterhaltsamer, sehr intelligenter Version dieses merkwürdigen, komplexen amerikanischen Helden steckt von Anfang an auch etwas von den Boxern und Mafiagangstern, die er in früheren Filmen portraitiert hat, von den Getriebenen, Besessenen… Dieser "Aviator" ist auch ein "Taxi Driver".

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