Blindes Vertrauen in Suchmaschinen

24.01.2005

Nach einer Umfrage unter amerikanischen Internetbenutzern vertrauen diese überwiegend den Ergebnissen der Suchmaschinen, über 60 Prozent aber können nicht einmal zwischen bezahlten und unbezahlten Suchergebnissen unterscheiden

Für das Internet sind Suchmaschinen unverzichtbare Mittel, um gewünschte Informationen zu finden. Suchmaschinen sind wichtige, wenn nicht die wichtigsten Zentralen, die Verkehrsflüsse organisieren und regeln, was es gibt und was im Verborgenen bleibt, auch wenn sie nur einen Bruchteil der Zig-Milliarden Seiten überhaupt indexieren. Die Macht der Suchmaschinenbetreiber ist mithin groß, was die Verantwortung gleichermaßen betrifft. Erschreckend aber ist auch die Gutgläubigkeit oder die mangelnde Aufmerksamkeit der Benutzer, die offenbar meist bezahlte Links nicht von der Ausgabe der normalen Suchergebnisse unterscheiden können.

Eine Umfrage des Pew Internet and American Life Project, die vor dem Börsengang Googles im Mai und Juni letzten Jahres durchgeführt worden ist, macht die Bedeutung der Suchmaschinen für die Internetnutzung noch einmal deutlich. Erstaunlich ist zwar, dass "nur" 84 Prozent der befragten Internetnutzer sagten, sie hätten schon eine Suchmaschine benutzt. Von den 68 Millionen Amerikanern, die täglich online sind, benutzen 38 Millionen täglich eine Suchmaschine, viele natürlich auch mehrmals. Insgesamt ist die Benutzung von Suchmaschinen nach der Email die zweithäufigste Aktivität im Internet, wobei es aber Unterschiede gibt: So benutzen mehr Männer als Frauen und mehr junge als alte Menschen die Suchmaschinen.

Eine Auswertung der Benutzung von 25 Suchmaschinen im Juni ergab, dass die Amerikaner 3,9 Milliarden Suchanfragen machten, etwa zu gleichen Teilen von Zuhause aus und vom Arbeitsplatz aus. Durchschnittlich führte der amerikanische Internetnutzer im Juni 33 Anfragen aus und verbrachte 41 Minuten bei Suchmaschinen. Wie schon lange bekannt, verlässt sich der Benutzer darauf, dass die Ergebnisse "richtig" geordnet sind, denn er scrollt bei einer normalen Suche gerade einmal durch 1,8 der ausgegebenen Seiten. Dabei sagen 44 Prozent derjenigen, die Suchmaschinen benutzen, dass sie diese verwenden, um für sie absolut wichtige Informationen zu finden. Dabei liegt Google ganz vorne, gefolgt von Yahoo. 44 Prozent der Sucher erklären, sie würden nur eine Suchmaschine nehmen, 48 Prozent benutzen zwei oder drei.

Offenbar scheinen über alle Unterschiede der Suchmaschinen hinweg die Benutzer mit den Ergebnissen zufrieden zu sein. So sagten erstaunliche 87 Prozent der Befragten, sie würde meist das finden, was sie gesucht haben. 20 Prozent meinten sogar, sie seien immer erfolgreich, was sich möglicherweise den einfachen Sucheingaben oder den bescheidenen Ansprüchen verdankt. 68 Prozent sind davon überzeugt, dass Suchmaschinen eine objektive und faire Informationsquelle sind, was das große Vertrauen in diese bestätigt. Schließlich kommt es nicht nur auf die Reihenfolge der Ausgabe an, sondern es werden manche mögliche Fundstellen auch nicht angezeigt - und zudem werden große Anstrengungen unternommen, die Suchmaschinen auszutricksen. Zu dem naiven Vertrauen passt, dass die Internetnutzer den Eindruck haben, sie könnten diese gut bedienen. So sind 92 Prozent von ihren Fähigkeiten bei der Suche überzeugt, die Hälfte sogar sehr überzeugt. Da kann oder vielmehr: da darf dann auch nichts mehr schiefgehen.

Dabei gibt es allerdings seltsame Ambivalenzen. Über 90 Prozent gaben jeweils an, dass es wichtig oder sehr wichtig sei, dass die Suchmaschinen die erforderten Ergebnisse bringen bzw. genau sind, aber gleichzeitig meinten nur 66 Prozent, dass die Suchmaschinen dies auch einlösen. Und für 85 Prozent ist es wichtig, dass von den Suchmaschinen gesammelte Informationen nicht weiter gegeben werden, aber nur 55 Prozent glauben hier den Suchmaschinenbetreibern. Hier schleicht sich also ein Realismus ein, der aber gleichzeitig auch geleugnet wird.

Erstaunlich naiv sind die Benutzer bei der Unterscheidung zwischen Werbung oder bezahlten Links und normalen Suchausgaben. Das hängt möglicherweise daran, dass Suchmaschinen nicht als Medien gelten, sondern nur als Werkzeug. So würden zwar die meisten Menschen zwischen Werbung und Sendungen im Fernsehen oder zwischen Anzeigen und Artikeln in Zeitungen unterscheiden können, aber auf diese Differenz bei den Suchmaschinen nicht achten. Nur einer von sechs Befragten könne zwischen der Ausgabe von bezahlten und unbezahlten Suchergebnissen unterscheiden, obwohl mit 45% fast die Hälfte sagt, sie würden mit der Benutzung einer Suchmaschine aufhören, wenn die bezahlten Links nicht deutlich unterschieden angegeben werden. Prinzipiell gegen bezahlte Links haben die meisten nichts einzuwenden.

Nur 38% aber sagen, dass sie zwischen bezahlten und unbezahlten Suchergebnissen unterscheiden können, die Hälfte davon ist sich immer sicher, diese auseinander halten zu können. Für erstaunliche 62% ist diese Unterscheidung aber nicht möglich oder sie achten einfach nicht darauf. Das heißt, nur insgesamt 18% können die Unterscheidung immer treffen oder glauben, dies zu können. Für Deborah Fallows, die die Studie durchgeführt hat, ist dieses "blinde Vertrauen" auch überraschend gewesen, aber sie denkt, dass dies vielleicht daher rührt, dass das Internet noch ziemlich neu ist: "Die Menschen sind noch darüber froh, dass sie dorthin gehen, nach etwas fragen und eine Antwort erhalten können, so dass sie nichts besonders genau darauf ausgerichtet sind zu fragen, was im Hintergrund geschieht."

Bei Google, Yahoo! oder MSN, den meistbenutzten Suchmaschinen, stehen die als Anzeigen gekennzeichneten bezahlten Links oberhalb der anderen Suchergebnisse in einem (sehr leicht) anders gefärbten Kasten und auf der rechten Seite durch einen Strich von den normalen Suchergebnissen getrennt. Manchmal gibt es auch noch einen Kasten mit Anzeigen oder "gesponsorten Seiten" unterhalb der normalen Suchergebnisse. Altavista.com verwischt den Unterschied weitestgehend, Lycos.com oder Alltheweb.com drängen den Benutzern auch die nicht auf den ersten Blick zu unterscheidenden bezahlten Links als erste auf, ohne eine andere Farbe zu hinterlegen. Metacrawler.com vermischt in der Ausgabeliste bezahlte und normale Links bis zur Unkenntlichkeit.

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