Von Richtern, die in Kirchen gehen

Verquickung von Staat und Kirche in Griechenland

Während Deutschland sich über den Schiedsrichterskandal wundert (oder auch nicht), wird Griechenland von einem anderen Richterskandal erschüttert. Der deutsche Wettskandal wird in der griechischen Presse kaum erwähnt. Zu sehr haben sich die Griechen an seltsame Fußballergebnisse gewöhnt, zu oft haben zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen über Meisterschaft oder Abstieg entschieden.

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Die Griechen sind demnach nicht mehr leicht zu erschüttern. Trotzdem hat es der Journalist Makis Triantafyllopoulos geschafft, Griechenland in seinen Grundfesten zu erschüttern.

In seinen Sendereihen, die derzeit vom Privatsender ALTER gesendet werden, hat er eine intensive Verwicklung von Richtern, Staatsanwälten und kirchlichen Würdenträgern aufgedeckt.

Archimandrit Jakovos Gyosakis wird unter anderem vorgeworfen, seine guten Kontakte zu Justizkreisen zur vorzeitigen Haftentlassung von Drogendealern eingesetzt zu haben. Darüber hinaus soll er archäologische Fundstücke illegal ins Ausland geschafft haben. Dass dem Archimandriten darüber hinaus Veruntreuung von Kirchengeldern vorgeworfen wird, verwundert kaum.

In den Medien wird der Archimandrit mit dem Erzbischof von Athen und Griechenland Christodoulos in Verbindung gebracht. Daher fühlte sich das Oberhaupt der griechischen Kirche genötigt, in seiner gestrigen Predigt die Verfolgung durch Mächte des Bösen anzuprangern. Er beschwor die Selbstreinigungskräfte der Kirche. Weshalb diese Selbstreinigungskräfte trotz zahlreicher Indizien auch aus Kirchenkreisen im Fall Gyosakis versagt haben, blieb unbeantwortet.

Gyosakis hat am 31.1.2005 einen Termin beim Untersuchungsrichter wahrgenommen.

Die griechische Regierung hat jedenfalls bereits eine umfassende Reform des Gerichtswesens angekündigt. Mehrere Justizangehörige müssen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst fürchten.

Makis Triantafyllopoulos ist der bekannteste griechische investigative Journalist. Seine Methoden sind nicht unumstritten. Als moderner Philipp Marlowe nimmt er sich in seiner Sendung jeweils eine Berufsgruppe vor und outet schwarze Schaafe gnadenlos. Dabei setzt er versteckte Kameras, Telefonmitschnitte, elektronische Post und Kronzeugen ein. Seine Sendungen sind stets mit Studiogästen aus allen Bevolkerungsschichten besetzt. Triantafyllopoulos präsentiert sein Material und überläßt den Gästen die ausführliche Kommentierung.

Erzbischof Christodoulos von Athen wurde im April 1998 als Nachfolger des verstorbenen Serafeim gewählt. Er gilt als nationalreligiös und hat 2004 durch seine Haltung beinahe eine Abtrennung der griechischen Kirche vom ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel provoziert.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19376/1.html
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