"Befreit die Musik"

06.02.2005

Das französische Wochenmagazin Le Nouvel Observateur hat ein Manifest gegen die "absurde juristische Verfolgung" derer veröffentlicht, die Musik im Internet tauschen

"Bald wird Dutzenden Internetnutzern der Prozess gemacht, weil sie Musik über P2P-Programme heruntergeladen haben. Wir verurteilen aufs Schärfste diese überzogene und repressive Politik, die an einzelnen ein Exempel statuieren will", heißt es in dem Manifest. Zu den Erstunterzeichnern gehören bekannte Musiker wie Manu Chao oder Khaled, der Globalisierungsgegner Jose Bové, sowie etliche Politiker, Künstler, Universitätsprofessoren und bekannte Persönlichkeiten.

Inzwischen haben 20.000 Personen das Dokument unterzeichnet und bekennen sich somit dazu, selbst schon einmal Musik aus dem Internet heruntergeladen zu haben. "P2P - Wir sind alle Piraten" ist die Unterschriftenliste überschrieben. "Wie acht Millionen andere Menschen in Frankreich haben auch wir schon Musik aus dem Internet heruntergeladen und sind demnach potentielle Verbrecher. Wir verlangen die sofortige Einstellung dieser absurden juristischen Verfolgung", verlangen die Unterzeichner.

Statt Repression fordern sie eine "öffentliche Debatte" in der die "Künstler, die Regierung und der Musikindustrie" einbezogen werden, um gemeinsam "bestmögliche Antworten auf die Problematik des Urheberschutzes, aber auch auf die des Verbraucherschutzes zu finden, die der heutigen Zeit entsprechen".

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Das Manifest antwortet damit auf die erste Verurteilung eines Franzosen, der Musik aus dem Internet heruntergeladen hat. Der 28jährige Lehrer Alain Oddoz war am Mittwoch von einem Strafgericht in Pontoise zu 3.000 Euro Strafe und einer Entschädigung von 10.000 Euro verurteilt worden, die er an die Autorenverbände SACEM und SCCP zu zahlen hat. Die beiden Verbände hatten 40.000 Euro gefordert.

Die Strafe muss der Lehrer allerdings nur bezahlen, wenn er "rückfällig" wird. Erst dann werde die Strafe auch im Strafregister vermerkt. Das Gericht erkannte als strafmildernd an, dass es sich bisher um die erste Verurteilung dieser Art gehandelt hat. Trotzdem ist der SACEM-Präsident erfreut über das Urteil: "Das Gericht hat anerkannt, dass mit dem Herunterladen den Autoren ein Schaden entsteht", erklärte Bernard Miyet.

Die Klage richtete sich, ähnlich wie bei den ersten Verfahren in Deutschland, gegen einen eifrigen P2P-Nutzer. Etwa 10.000 Musikstücke soll Oddoz aus dem Netz geladen haben. So war dieses Verfahren wohl nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe, denn auch in Frankreich sollen etwa 500 weitere Klagen wegen Musiktausch anhängig sein. Gegen eine solche breit angelegte Kriminalisierung derer, die nicht aus kommerziellen Gründen Musik tauschen, richtet sich das Manifest.

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