Eine andere Welt ist möglich
Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen könnte man die Atmosphäre des Mars erwärmen und den roten Planeten zu einer neuen Erde umwandeln - vielleicht und jedenfalls in weiter Ferne
Der Mars ist der nächste Planet, der von der Erde aus in greifbarer Nähe liegt. Aber er ist vermutlich eine leblose Wüste ohne Atmosphäre, auch wenn es auf ihm vielleicht einmal Leben gegeben haben mag. Ob in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich bemannte Missionen zum roten Planeten ausschwärmen, ist trotz mancher Versprechungen sehr unsicher. Gleichwohl ist der Mars auch immer wieder ein Ort der Utopie, auf den sich die Hoffnung von Manchen als neuer frontier, als neue Heimstatt der Menschen richten, die man allerdings nicht wie bislang nur erobern, sondern überhaupt erst einmal bewohnbar machen muss.
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| Endurance-Krater aufgenommen mit der Kamera von Opportunity. Bild |
Gerade erst ist das ehrgeizige Projekt, auf der Erde eine geschlossene Biosphäre zu konstruieren, endgültig gescheitert. Die wirklichen Interessen - und damit die Investitionen - liegen derzeit woanders, nicht in der Lösung der Frage, wie Menschen lange Zeit oder für immer den Raum bereisen oder in ihm oder auf Planeten leben könnten. Dazu müsste man die Erde in klein gewissermaßen mitnehmen, was aber auch hieße, dass man, in einer Miniaturerde eingeschlossen, tatsächlich radikal ökologisch leben müsste, um auch ganz kurzfristig die eigene Existenz zu sichern. Noch aber vertrauen die Menschen auf die Belastungsfähigkeit des Raumschiffs Erde als der einzigen Lebensgrundlage mit einem winzigen Außenposten im Weltall: der Internationalen Weltraumstation.
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Trotz der wenig utopischen gegenwärtigen Zeiten, denen die Zukunft über die Angst abhanden gekommen ist, lebt der Traum weiter, dass eine andere Welt möglich ist. Und wie in der Moderne seit den neuzeitlichen Utopien Usus, ist Zukunft verschränkt mit technologischem Fortschritt. Die Technik ist Wunschmaschine, nur dass wir heute nicht nur daran denken können, diese Welt, uns selbst etwa durch Gentechnik eingeschlossen, tiefgreifend zu verändern und zu humanisieren, in einen Garten zu verwandeln, sondern auch daran, womöglich eine neue materielle Welt (fast) von Grund auf aufzubauen, während wir virtuelle Welten mit virtuellen Wesen entwickeln, in die wir aber, dank unseres Körpers, der sich so auch als Ballast erweist, nicht ganz überwechseln können.
Mars is worth a lot of money. There are 144 trillion square meters of surface area, roughly the land area of the Earth, available for development. I'm not going to tell you how great all that land is for residential, commercial, and industrial use... go play Sim City.
Bislang sind die Menschen auch schon ausgezogen und haben sich in einer fremden Umwelt neue Lebenswelten geschaffen. Sie haben Pflanzen und Tiere sich angepasst und verändert, ganze Landschaften umgestaltet und künstliche Welten in Form von Häusern und Städten implantiert. Abgesehen von der ersten Kolonialisierung der Welt, als die Menschen sich aus Afrika verbreitet haben, wanderten Menschengruppen in aller Regel in schon bewohntes Land ein. Planeten und insbesondere der Mars bieten etwas Neues: die Schaffung einer bewohnbaren Welt, die nach dem Vorbild der Erde, aber wunschgemäß errichtet werden kann. Terraforming ist der Begriff, der auch die Intention enthält, langfristig, Schritt für Schritt, nicht ganz wie Gott in sieben Tagen, aber doch gottähnlich Prozesse einzuleiten, die einen Planeten wie den Mars aus einer Wüste in einen Garten verwandeln.
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| Der Mars, der eine Erde sein könnte. Bild |
Die Idee des Terraforming ist nicht gerade neu, aber womöglich hat sich gerade auf dem Hintergrund der drohenden Klimakatastrophe durch die zu große Abgabe von Treibhausgasen neue Aktualität gewonnen. Paradoxerweise ist, was auf der Erde eine Gefahr darstellt, auf dem kalten Mars die Chance, eine lebensfreundliche Umgebung zu schaffen: die Erwärmung. Statt Eis gäbe es dann Wasser, Voraussetzung für Leben und dessen Evolution, die wiederum den Planeten umgestaltet, indem beispielsweise Sauerstoff freigesetzt wird. Man müsste auf dem Mars nur genügend Treibhausgase, beispielsweise in Form des in Eis gebundenen Kohlendioxid abgeben, um den Planeten aufzuwärmen. Was allerdings auch schon schwierig wäre, weil das Kohlendioxid sich nicht in der nicht vorhandenen Atmosphäre anreichert, sondern in den Weltraum entweichen würde.
Während wir auf der Erde mehr oder weniger berechtigte Ängste vor der globalen Erwärmung entwickeln, die von Menschen in Gang gesetzt wurde, die aber nicht entschlossen genug zu sein scheinen, sie wirklich zu bekämpfen, wäre die ebenfalls von Menschen initiierte globale Erwärmung auf dem Mars also Grundvoraussetzung für Leben. Margarita Marinova und ihre Kollegen haben nun in einem Artikel, der in der Februarausgabe des Journal of Geophysical Research-Planets veröffentlicht wurde, vorgeschlagen, dass man eben das Wissen, das man über die Erwärmung des irdischen Klimas erlangt hat, verwenden könnte, um den Mars zu einem Planet des Lebens umzubauen.
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| Eiskappe am Südpol im Marssommer, aufgenommen vom Mars Global Surveyoram 27 April 2000. Bild |
Allerdings sollte man, wie Marinova, schon seit Jahren mit Möglichkeiten zum Terraforming des Mars beschäftigt, vorschlägt, zur Erwärmung des Mars nicht Kohlendioxid freisetzen, sondern künstlich hergestellte Gase, die zehntausend Male wirksamer und gleichzeitig weniger schädlich für Organismen und die Ozonschicht seien. Mit einer Simulation der Marsatmosphäre berechneten die Wissenschaftler die Treibhauseffizienz einiger Gase, die auf Fluor basieren, Wärme absorbieren und auf dem Mars vorhanden seien. Am besten geeignet sei nach den Simulationen das Perfluorpropan C3F8 das in Kombination mit anderen Gasen noch besser geeignet sei.
Man müsste 300 ppm der Verbindung in die Marsatmosphäre einbringen, um die Erwärmung in Gang zu setzen, so dass die Polareiskappen abtauen und zusätzlich gefrorenes Kohlendioxid freisetzen, was wiederum die Erwärmung beschleunigen würde, wenn denn gleichzeitig ein größerer atmosphärischer Druck entstünde, so dass die Atmosphäre dichter würde. Aber natürlich ist die Marserwärmung bestenfalls Science Fiction, auch wenn die Wissenschaftler ihre Methode als die geeignetste betrachten. Tatsächlich wäre das Anbringen von Riesenspiegeln in einer Umlaufbahn oder das Ausstreuen von gewaltigen Mengen an Staubpartikeln an den Polen noch viel verwegener.
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| Valles Marineris, aufgenommen vom Mars Express am 30. August 2004. Bild |
Andere Vorschläge zielen darauf, Bakterien die Arbeit tun zu lassen. Beispielsweise wurden dafür extremophile Cyanobakterien wie Chroococcidiopsis sp. oder Matteia sp. vorgeschlagen, die unter extremen Bedingungen überleben, oder auch Deinococcus radiodurans, das auch starke UV-Strahlung aushält. Da es auf dem Mars nur Staub und Steine gibt, müssten die Bakterien erst einmal die Grundlage für weiteres Leben schaffen. Aber auch wenn durch Gentechnologie Bakterien so zurecht geschneidert werden, dass sie sich tatsächlich auf dem Mars ansiedeln und extrem schnell wachsen könnten, dürfte es lange dauern, was die Geschichte der Erde nahelegt, bis die Bedingungen für höheres irdisches Leben entstehen können.
Vielleicht ein wenig schneller würde es gehen, wenn durch industriell in großem Maßstab produzierte Treibhausgase den Mars umnebeln würden. Marinova hat schon früher optimistisch ausgerechnet, dass hundert Fabriken mit der Energie eines Atomkraftwerks 100 Jahre die Gase abgeben müssten, um die Atmosphäre des Mars, sofern die Gase nicht gleich im Weltall verschwinden, um sechs bis acht Grad aufzuwärmen. Geht man von 55 Grad Celsius unter Null aus, so wären 800 Jahr notwendig, um den Mars erdförmig zu machen. Es würde aber schneller gehen, meint Marinova, weil mit der Erwärmung das freigesetzte Kohlendioxid den Prozess beschleunigen würde. Und man könnte ja auch noch bessere Gase herstellen. Die Anreicherung mit Sauerstoff würde aber auch noch lange dauern. Und wie es mit dem Wasser steht, ist auch nicht gelöst, auch wenn manche daran denken, Kometen auf den Mars zu lenken. Aber man kann sich auch schon fragen, wie man die 100 Fabriken auf dem Mars erstellen will - oder ob es nicht vielleicht doch besser wäre, erst einmal alle Energien daran zu setzen, die Erderwärmung zu reduzieren?
http://www.heise.de/tp/artikel/19/19399/1.html- bitte ? (3.5.2005 12:17)
- Mars ohne Atmosphäre? (10.2.2005 18:18)
- Da hat jemand (9.2.2005 9:35)
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