Neues von der satanistischen Weltverschwörung

Benedikt Köhler 20.02.2005

Ist es gar nicht die religiöse Rechte, die in Washington die Fäden zieht, sondern der neueste globale Übernahmeversuch durch den Herrn der Fliegen?

Seit dem Amtsantritt von US-President George W. Bush am 20. Januar 2001 ist es vielen politisch interessierten Beobachtern zur lieben Gewohnheit geworden, hinter allen politischen Entscheidungen und Stellenvergaben im Weißen Haus den Einfluss des christlichen Fundamentalismus zu suchen. Ob es um die alldurchdringende "God-Bless-America"-nisierung der politischen Äußerungen geht, um das manichäische Weltbild, das die gesamte Welt einer Rice oder eines Rumsfelds in Licht und Dunkel, Gut und Böse einteilt, oder um die rituellen Selbstölungen des John Ashcroft bei jedem neuen Amtsantritt -- die religiöse Rechte ist unbestreitbar zu einem der beliebtesten Deutungsmuster der liberalen Öffentlichkeit geworden, um die amerikanische Politik zu verstehen. Besonders stark gilt dies für die entzauberten und säkularen europäischen Anti-Kopftuch-Demokratien wie Deutschland oder Frankreich.

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Doch nun tritt in den USA eine Gruppe auf die Bühne, die scharfe Kritik an der angeblichen Religiosität der amerikanischen Regierung äußert und versucht, diese von einem noch christlicheren, noch rechteren Standpunkt aus in Verruf zu bringen: Die Organisation The Resistance For Christ, die mit einem furiosen Manifest die amerikanische Regierung als einen Haufen Satanisten auf dem Weg zur Weltherrschaft enttarnt.

Satanisches Pentagramm in Washington mit dem Weißem Haus im Mittelpunkt

Das Schlüsselwerk dieser Kämpfer für das wirkliche Gute, "The Resistance Manifesto" von John Conner, dem Gründer der "Resistance" wird zwar erst im März auf den Markt kommen und ist nach eigenen Angaben

... a shocking analysis of the Satanic influences and practices in every facet of society from the main stream media, to the private practices of the American elite.

Auf der Website des Manifests sind jedoch schon jetzt die wichtigsten Enthüllungen zusammengefasst. So wird dieses Buch unter anderem darstellen,

dass eine große Zahl der politischen Führer weltweit und der globalen Unternehmenselite zu einem System satanischer Geheimgesellschaften gehören,

dass die Anordnung der Straßen Washingtons ein satanisches Pentagramm darstellen mit dem Weißen Haus im Mittelpunkt,

dass in Elberton in Georgia ein Granitmonument die zehn satanischen Gebote repräsentiert,

dass die politische Elite des Landes in Kalifornien Menschenopfer nachspielt,

dass der implantierbare VeriChip eine Neuauflage des Zeichens des Bösen darstellt und

dass schließlich die Ankunft des leibhaftigen Antichristen bevorsteht und uns alle durch "hybride Nerveninterfaces" zu seelenlosen und ferngesteuerten Geschöpfen verwandelt.

US-Präsident macht bei seinem Amtsantritt ein "satanisches" Zeichen

Gegen diese Entwicklungen der neuen Weltordnung kämpft die Bewegung "Resistance for Christ", die nach eigenen Angaben ohne zentrale Führung, ohne offizielle Führung und in anonymer Verborgenheit agiert. Die Schlachtrufe dieser neuen antisatanistischen "Multitude" klingen in der jüngsten Pressemitteilung wie folgt:

We must Resist! Resist the propaganda perpetuating ideologies!
Resist the hegemony of lies that keep you spiritually enslaved!
Resist the Satanic forces that rule this world!
Power to the Resistance!
Fight the New World Order!

Ist dies die Botschaft eines einzelnen religiösen Eiferers, wie sie im amerikanischen Fernsehen von Sendung zu Sendung gereicht werden? So weist sarah im "Reaching For The Lord"-Forum, dem Ort, an dem die "Resistance" ihre Pressemitteilung gepostet hat, darauf hin, dass der Gründer John Conner in der Alan Colmes Show auf Fox zu Gast war und wohl ein "ziemlich kluger Kopf" sei.

Oder ist das Ganze nur die Satire eines Studenten? Die offizielle Email-Adresse der "Resistance" führt zu einem Account an der kalifornischen San Marcos-Universität. Und von diesem Mailkonto wurde die Pressemitteilung der Antisatanisten an die Mailingliste nettime-l geschickt. Zudem kann man "Conner" wörtlich übersetzen als "Schwindler" und der ganze Name weckt Assoziationen an den braven "John Connor", der in den Terminator-Filmen dazu auserwählt war, die Menschheit im letzten Kampf gegen die Maschinenherrschaft zum Sieg zu führen.

Keine Frage, vor zehn Jahren wäre ein Manifest dieser Art sofort als unglaubwürdiger Täuschungsversuch abgetan worden. Dass jedoch im Jahr 2005 eine solche Verlautbarung nicht sofort als Hoax oder Scherz offensichtlich wird, sondern durchaus für möglich gehalten wird -- zumal in den USA --, spricht jedoch deutlich für eine wahrhaft teuflische Wirkung der letzten vier Jahr Bush.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19466/1.html
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