Das abgespeckte Handy

Florian Rötzer 17.02.2005

In Japan kommt das ultraeinfache Handy ohne Display, mit dem man nur telefonieren kann, überraschend gut an

Der Trend scheint eindeutig zu technischen Geräten zu gehen, die immer komplexer werden, dafür aber auch kleiner und sogar billiger. Besonders ausgeprägt ist dies bei Handys, die über das Telefonieren hinaus immer mehr Funktionen haben. Wer mithalten will, muss sich solche prestigeträchtigen Gadgets kaufen, deren Funktionen allerdings oft gar nicht genutzt werden und zudem auch teilweise schwierig zu bedienen sind, was an der anschwellenden Bedienungsanleitung zu erkennen ist.

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Die schnelle Innovationsrate, die den Herstellern, den Telekoms und Diensteanbietern stets neue Einkünfte beschert oder bescheren soll, stößt allerdings nicht überall auf Gefallen. Gerade ältere Menschen, die sowieso oft mit der Bedienung von Computern, DVD-Recordern und anderen neuen Techniken überfordert sind, haben bei Handys noch größere Schwierigkeiten wegen der kleinen Tasten und dem kleinen Display. Die schicken, immer kleineren Hightech-Spielzeuge werden nicht gekauft oder in die Ecke gestellt.

Das "ultimativ einfache" Handy für die Senioren

Es war daher offenbar eine gute Idee des Herstellers Kyocera, ein billiges und abgespecktes Handy herzustellen, das seit Ende des letztes Jahres von Tu-Ka, das zum Telekomunternehmen KDDI gehört, in Japan für 35 Euro mit Vertrag angeboten wird. Das "Tu-Ka S"-Handy ist im Vergleich zu den schicken kleinen Gadgets eher ein vorsintflutlicher Klotz und hat nicht einmal einen Display. Ins Internet kann man auch nicht, ebenso wenig SMS schreiben oder empfangen.

Es gibt auch nicht die übliche Mehrfachbelegung der Tasten, die zudem ziemlich groß und daher auch für Menschen mit dicken, wenig beweglichen Fingern und schlechter Sicht zu bedienen sind. Das Handy wird nur in einer Farbe angeboten, es gibt auch nur einen Klingelton, kein Adressbuch - und die Lautstärke ist schon mal relativ hoch eingestellt. Gesichert ist es auch nicht, man kann es gerade mal an- und abschalten. Immerhin gibt es zwei LED-Anzeigen für die Verbindungsqualität und den Batteriestatus.

Das Handy, das selbst Idioten nutzen können, kommt offenbar gut an. Eines seiner wichtigsten Vorteile sei, so ein Sprecher von Tu-Ka, dass es nicht mit einer großen Bedienungsanleitung ausgestattet ist. Schon im Dezember hat Tu-Ka in Japan über 15.000 Kunden für das neue Einfach-Handy gewinnen können. Trotz Vorweihnachtszeit waren das bei Vodafone in Japan gerade einmal 900.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19483/1.html
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