Tierische Cyborgs

Florian Rötzer 26.02.2005

Fernsteuerbare Ratten, Polizeihunde mit Videokameras und Militärhunde mit Schussweste

Man muss ja nicht gleich unbemannte und ferngesteuerte Drohnen oder andere Fahrzeuge oder auch mehr oder weniger autonome Roboter einsetzen, um sein Leben zu schonen und aus der sicheren Ferne einen Einblick in Orte zu erhalten, in denen sich Feinde aufhalten können. Schon vor Jahren gab es Versuche, beispielsweise fernsteuerbare Küchenschaben mit winzigen Kameras auszustatten, um heimlich etwas ausspionieren zu können (Cyborg-Insekten). Der Einsatz fernsteuerbarer Tiere würde die Kosten drücken und womöglich für manche Hinsichten die Effizienz steigern. Und geforscht wird auch, wie andere tierische Cyborgs, beispielsweise Bienen oder Ratten, für militärische Zwecke oder solche der Aufklärung funktionsfähig gemacht werden können (Minen-Bienen und Rettungs-Ratten).

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Die im Auftrag der Darpa "entwickelten" fernsteuerbaren Ratten können nämlich Erstaunliches leisten, wozu die mit einem mechanischen Körper ausgestatteten Roboter nicht in der Lage sind (Ratbots). Auch sehr unwegsames Gelände ist für sie keine Schwierigkeit. Elektroden in ihrem somatosensorischen Kortex können durch Signale stimuliert werden, die von einem Rechner aus über eine Funkverbindung zu einer auf der Ratte angebrachten Antenne gesendet werden. Umgewandelt in elektrische Impulse, wie sie die Ratten sonst von ihren Schnurrhaaren erhalten, können diese so auch durch kompliziertes Gelände gesteuert werden, nachdem sie - konditioniert mittels Stimulation des Belohnungszentrums - trainiert wurden. Ausgestattet mit einer Kamera könnten so die Ratten, die durch Stimulation eines anderen Gehirnareals angetrieben werden, für Menschen unzugängliches oder gefährliches Areal erkunden. Denkbar wäre überdies, sie als eine Art Selbstmordattentäter mit Fernzündung einzusetzen, wobei die Wirkung allerdings gering bleiben dürfte.

Auf ganz ähnliche Weise konnten beispielsweise Affen umgekehrt lernen (Mit neuronalen Signalen direkt einen Roboterarm steuern), durch Abnahme der neuronalen Impulse von motorischen Arealen und dem Thalamus einen Roboterarm zu steuern, der natürlich auch weit entfernt sein kann. Und so könnte auch behinderten Menschen, denen entsprechende Chips implantiert werden, einmal wieder über eine neuronale Schnittstelle etwa nach einer Querschnittslähmung die Bewegung der Beine oder die Bedienung von Systemen ermöglicht werden. Allerdings wäre natürlich auch hier denkbar, Affen oder letztlich auch Menschen umgekehrt zu fernsteuerbaren Cyborgs zu machen (erste Versuche dieser Art, die von Jose Delgado durchgeführt wurden, gab es schon in den 60er Jahren). Der australische Techno-Künstler Stelarc hat auf primitive Weise schon einmal demonstriert, wie sich über die via Internet erfolgende Stimulation von Muskeln sein Körper (fremd)steuern lässt (Der vernetzte Körper). Das aber sind noch Science-Fiction-Albträume, wobei allerdings zur Steuerung von Menschen bis hin zur Aufgabe ihres Lebens nicht unbedingt Technik in Form von implantierten Chips erforderlich ist, wie die Geschichte lehrt.

Der Irak ist Testfeld für viele neue Techniken. Auch Hunde kommen hier zum Einsatz, die gefährdet sind, wenn sie etwa Verdächtige stellen sollen, die mit ihren Waffen schießen können. Das Marine Corps testet eine speziell für Hunde entworfene Schussweste aus einem Kevlar-Gewebe. Sie soll diese vor Schuss- und Stichverletzungen schützen und kostet um die 1000 US-Dollar. Das Marine Corps gibt den Wert eines ausgebildeten Hundes mit 60.000 Dollar an, so dass sich die Investition in die Sicherheit lohnen würde.

Allerdings wiegt die Weste 3,5 kg und schränkt so die Beweglichkeit der Hunde ein. Als Vorteil wird erwähnt, dass unter der Weste auch Kühlelemente angebracht werden können, wodurch sie bei Hitze länger einsatzfähig sind. Überdies könnten sie mit der Weste auch an einem Fallschirm befestigt werden. Die so geschützten Hunde könnten freilich, ausgestattet mit weiteren Geräten, noch interessanter gemacht werden, wie dies in Großbritannien gerade von der Polizei getestet wird.

Haben kleine Tiere wie die oben erwähnten fernsteuerbaren Ratten den Vorteil, eher unerkannt bleiben und eben auch kleinere Öffnungen und Wege nutzen zu können, so ist ihre Kapazität beschränkt, was das Mitführen von Techniken oder gar Waffen betrifft. Ein Schritt in diese Richtung ist die Ausstattung von Hunden mit Kameras und Mikrofonen, um Erkundungen durchzuführen.

Die Polizei von Northumbria hat einige ihrer gut ausgebildeten Hunde mit einem solchen relativ leichten Kamerasystem versehen, das diese auf ihren Köpfen angeschnallt tragen. So können die Hunde ein Gelände oder ein Haus inspizieren und die Polizisten aus sicherer Entfernung erst einmal telepräsent beobachten, was oder wer sich dort befindet. Das geht selbst bei Dunkelheit, da die Kameras auch mit Infrarotlicht arbeiten. Angeblich haben sich die Hunde so an das System gewöhnt, dass es sie nicht mehr stört.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19542/1.html
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