Videoüberwachung reduziert Kriminalität nicht

25.02.2005

Eine vom britischen Innenministerium in Auftrag gegebene Studie bestätigt erneut die geringe Effizienz von Überwachungskameras

Technische Mittel wie Überwachungskameras gelten als gute Möglichkeit, Straftaten zu verhindern. Daher greifen Politiker auch gerne darauf zurück, um Handlungsentschlossenheit zu demonstrieren (Wie eine Seuche). Überwachungskameras haben den Vorteil, den Raum permanent zu beobachten und Bilder speichern zu können, um Täter identifizieren zu können. Sie sind billiger als die Präsenz von Polizisten, vor allem aber muss mit dem technischen Heilmittel nichts verändert werden, um einen Ort sicherer zu machen. Dass diese Annahme, mit der Überwachungskameras überall angebracht werden, weitgehend eine Illusion ist, ist schon seit Jahren bekannt und wurde jetzt wieder von einer neuen Studie bestätigt.

Mit Angst und dem Versprechen, für mehr Sicherheit zu sorgen, kann, was besonders die Zeit nach dem 11.9. gezeigt hat, eine Menge an Kontroll- und Überwachungstechnologien praktisch ohne Widerstand mit der parallel einhergehenden Erosion von Bürgerrechten, Privatsphäre und Datenschutz durchgesetzt werden. Jede dieser Techniken führt zu gesellschaftlichen Veränderungen, zumindest zu Veränderungen des Verhaltens, keineswegs jedoch unbedingt zu höherer Sicherheit. Aber auch wenn bestätigt wurde, dass Sicherheitstechniken kaum eine Wirkung zeigen, werden sie weiterhin wie eine Art Zauber, der in der Neuzeit von den technischen Verheißungen ausgeht, angepriesen und eingeführt.

Großbritannien ist bekanntlich das Pionierland der Videoüberwachung. Hier findet sich die größte Dichte von Überwachungskameras. Die Folge müsste eigentlich sein, dass die Kriminalität vornehmlich in den Städten, in denen sich die meisten Kameras befinden, drastisch zurück gegangen sein müsste. Das aber ist nicht der Fall.

Nach einer neuen, im Auftrag des britischen Innenministeriums vom Institut für Kriminologie der University of Leicester durchgeführten Studie führt Videoüberwachung weder zu einem Rückgang der Kriminalität, noch schafft sie bei den Menschen ein höheres Gefühl der Sicherheit. Nach Anbringung der Überwachungskameras nimmt deren Befürwortung bei den Menschen sogar eher ab, weil sie merken, dass diese keine spürbaren Folgen haben. Das Eindringen in die Privatsphäre scheint jedoch dabei keine Rolle zu spielen. Die Befürchtungen, die Menschen äußerten, bevor die Überwachung realisiert wurde, nahmen nach der Installation spürbar ab. Die Mehrheit steht weiter hinter der Anbringung der Kameras, auch wenn deswegen die Benutzung der überwachten Orte nicht zunimmt.

There is thus little evidence that CCTV reduces any of the relevant individual types of crime, at least judging by police data.

Für die Studie wurden 14 unterschiedliche Systeme in Stadtzentren, Wohngegenden, Parkhäusern und Krankenhäusern untersucht. Nur bei einem hat sich ein leichter Rückgang der Kriminalität feststellen lassen, für den die Einführung der Überwachungskameras verantwortlich war. Das betraf die Fälle von Autodiebstahl auf überwachten Parkplätzen, also von vorsätzlichen Straftaten. Vor allem bei impulsiven Handlungen, beispielsweise Gewalt gegenüber anderen Menschen, ließ sich keine Veränderung feststellen. Allerdings zeigte sich, dass die Kriminalität sich manchmal verschoben hat und dann häufiger an nicht überwachten Orten oder an den Bereichen stattfand, den die Kameras nicht erfassen. Mit der Überwachung erhöht sich im Allgemeinen die Zahl der Straftaten, die die Polizei zur Kenntnis nimmt. Die Dichte der angebrachten Kameras scheint jedoch keinen Einfluss auf die Zahl der Straftaten zu haben. Insgesamt aber heißt er ernüchternd, dass man sich von Videoüberwachung nicht viel erwarten dürfe.

Zum Teil liege die Wirkungslosigkeit der Videoüberwachung an falscher Handhabung und mangelnden Vorüberlegungen. Mangels Personal werden die Kameras nicht den ganzen Tag beobachtet, direkte Beobachtung findet auch sonst kaum statt, meist werden die Kameras anscheinend nur kontrolliert, wenn bereits Kenntnis über einen Vorfall besteht. Zudem, so kritisieren die Wissenschaftler, gelten sie einfach unkritisch als "etwas Gutes", was dazu führt, dass sie ohne jeden Plan angeschafft und eingesetzt werden. Zur Verbreitung sorgt zudem, dass die Kommunen leicht Gelder für Überwachungssysteme erhalten. So werden sie sicherheitshalber installiert, auch wenn der Zweck schleierhaft ist.

Professor Martin Gill, Koautor der Studie, erklärt, dass die Ergebnisse weder den Befürwortern noch den Gegnern der Videoüberwachung gefallen werden. Videoüberwachung sei ein Mittel, das die Gesellschaft gerade erst zu verstehen beginne. Sie erscheine zwar einfach, aber habe viele Komponenten und ganz unterschiedliche Folgen:

Sie ist mehr als nur eine technische Lösung. Sie erfordert menschliche Intervention, um mit größter Effizienz zu funktionieren. Die Probleme, die mir ihr angegangen werden können, sind komplex. Es muss ein größeres Verständnis dafür geben, dass es nicht leicht ist, Straftaten zu reduzieren und zu verhindern, und dass schlecht konzipierte Lösungen, unabhängig von der Höhe der Investitionen, keinen Erfolg haben.

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