Hightech für Stadtkampf und asymmetrische Konflikte

11.03.2005

Israel wirbt auf dem neuen Rüstungsmarkt mit seiner Erfahrung und Technik, vornehmlich was ferngesteuerte Roboterfahr- und -flugzeuge betrifft

Mit Waffen und anderen Rüstungsgütern kann viel Geld verdient werden. Im von US-Präsident Bush nach dem 11.9. ausgerufenen "globalen Krieg gegen den Terrorismus", von manchen neokonservativen Ideologen auch schon als der IV. Weltkrieg bezeichnet, ist dies natürlich auch der Fall. Dabei handelt es sich allerdings um einen "asymmetrischen" oder "low intensity" Konflikt, der vor allem auch den Stadtkampf (urban warfare) einschließt.

Das unbemannte, mit Waffen aufrüstbare Robotfahrzeug Guardium, das am Sicherheitszaun Patrouille fahren soll

In einem asymmetrischen Konflikt gibt es eine militärisch weit überlegene Partei, die aber beim Einsatz ihrer Waffen Zurückhaltung üben muss, um nicht die gesamte Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit gegen sich aufzubringen, und eine militärisch oft hoffnungslos unterlegene Partei, die aber den Vorteil hat,, weder die Ordnung noch ein Gebiet sicher zu müssen sowie mit allen Formen des Angriffs vorgehen zu können. Das verlangt, wie man Irak und anderswo täglich vorgeführt bekommt, nur kleine Gruppen und "primitive" Waffen, wenn es um Bomben- und Selbstmordanschläge geht. Für die überlegene Partei hingegen sind, zumal die eigenen Leute im Gegensatz etwa zu Terroristen, die mit Selbstmordanschlägen arbeiten, geschützt werden müssen, präzise Interventionen und gute Aufklärung entscheidend. Das führt neben neuen Taktiken und Strategien zur weiteren Aufrüstung im High-Tech-Krieg.

Israel, seit Jahrzehnten erfahren in der militärischen Bekämpfung von Terroristen und Aufständischen in urbanen Regionen sieht sich daher als eine führenden Nationen, um die Technologien und das Wissen für den "low intensity conflict" nun auch gewinnbringend exportieren zu können. Gerade findet so die zweite Messe mit Konferenz zum Thema in Tel Aviv statt: Warfare in Low Intensity Conflict (LIC 2005), organisiert von der israelischen Armee (IDF). In der Konferenz berichten Offiziere von den Erfahrungen im asymmetrischen Krieg seit Beginn der Intifada, in der Ausstellung werden die neuesten Technologien präsentiert.

Israel is experienced in the war on terror. To our dismay, this has been our fate for 120 years, since the beginning of modern Zionism. The last four and a half years we have tried to find solutions and confront the challenges western countries and democracies are facing. Israel is no longer alone... One of the advantages of the State of Israel is our security industry and defense establishment which are very vital to our security. The moment we are faced with a crisis we immediately know how to address it with technological solutions. This connection is a successful one in which many militaries from the world over would like to master.

Nach General Prof. Yitzhak Ben Yisrael sind die Zahlen der Terroropfer in Israel in den letzten Jahren zurück gegangen. Das Militär sieht dies als Erfolg von zwei neuen Strategien. Mit der 2002 begonnenen "Operation Defensive Shield" wurde auf palästinensisches Gebiet vorgedrungen mit der Absicht, die "terroristische Infrastruktur" zu zerstören. Und ab 2003 begann man massiv mit gezielten Tötungen und präventiven Angriffen. Yisrael plädierte dafür, den Sicherheitszaun schnell abzuschließen. Allgemein sei aber der technische Fortschritt für den Kampf gegen den Terrorismus zu langsam, beispielsweise was die Erkennung und Neutralisierung von Sprengstoffgürteln betrifft.

Hervorgehoben bei den technischen Fortschritten werden dieses Jahr erneut die Verwendung von Drohnen zur Echtzeit-Beobachtung und die direkte Verbindung zwischen Bodentruppen und Kampfhubschraubern (im letzten Jahr wurden beispielsweise Mini-Drohnen vorgeführt: Durch Fenster fliegen). In der Ausstellung wurde etwa ein neues Roboter-Bodenfahrzeug Guardium vorgestellt, das am Sicherheitszaun eingesetzt werden soll (Fernsteuerbare, mit Sensoren, Waffen, unbemannten Fahrzeugen und Drohnen ausgestattete Grenze). Die Fahrzeuge, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h fahren können, sind gepanzert und können Geräte wie Sensoren und Waffen bis zu einem Gewicht von 300 kg mit sich führen. Routinefahrten können sie automatisch gesteuert vom Kontrollzentrum ausführen, aber auch von Menschen ferngesteuert werden.

Das Highlight dürfte allerdings das Abwehrsystem Trophy sein, das automatisch Granaten und Raketen erkennen und im Flug zerstören soll. Fahrzeuge, die mit einem solchen System ausgestattet sind, müssten nicht mehr mit einem dicken Panzer geschützt werden. Man habe damit, so preist ein Sprecher des Rüstungsunternehmens RAFAEL an, dei Science Fiction in Wirklichkeit übersetzt. Mit vier Antennen und einem Radar werden die ankommenden Geschosse erkannt, deren Flugbahn berechnet und schließlich mit kleinen Metallkugeln, ähnlich einem Schrotgewehr, in sicherer Entfernung zerstört. Das System soll auch funktionieren, wenn das Fahrzeug in Bewegung ist, umstehende Personen nicht gefährden, mehrere Geschosse gleichzeitig neutralisieren und auch Geschosse, die ganz aus der Nähe abgefeuert werden, zerstören können. In 18 Monaten soll das System bei israelischen Militärfahrzeugen eingesetzt werden. Die Kosten eines solchen Systems wurden nicht mitgeteilt. General Dynamics wird das System beispielsweise für die amerikanischen Stryker übernehmen und vermarkten.

Mit dem "V-RAMBO lassen sich Videobilder von Kameras auf unbemannten Fahrzeugen auf einem Mini-Bildschirm am Handgelenk in Echtzeit beobachten

Vorgestellt wurde auch ein kleines Empfangsgerät für Videobilder von unbemannten Flug- und Fahrzeugen, das auch deswegen angepriesen wird, weil die Soldaten dabei die Hände frei zum Schießen haben. Der schon letztes Jahr von der israelischen Firma Tadiran Spectralink präsentierte Video Receiver And Monitor for Battlefield Operations mit der sinnfälligen Abkürzung "V-RAMBO" trägt man am Arm wie eine etwas größere Armbanduhr, Empfangsgerät, Antenne und Batterien führt man in der Jackentasche mit. Auf dem Bildschirm können in Echtzeit Bilder von Kameras in Drohnen oder anderen unbemannten Fahrzeugen - beispielsweise von Kameras des Kampfroboters Talon (SWORDS), der bereits im Irak getestet wird - gesehen werden. Die Soldaten sind so mobil und nicht mehr behindert, sie können unmittelbar auf die Bilder reagieren, auch wenn das ferngesteuerte Fahrzeug so nicht selbst lenken können.

Damit habe man, so Itzahak Beni von Tadiran, die Zeit zwischen dem Erkennen eines Gegners und dem Angriff "erheblich verkürzen" können. Das habe vorher 10 Minuten und länger gedauert, jetzt sei es eine Sache von Sekunden. Vermutlich wurde diese Echtzeit-Überwachung auch für gezielte Tötungen eingesetzt. Man habe so eigene Verluste vermeiden, aber auch Angriffe in dicht besiedelten Lagern oder Städten präziser führen können.

Allerdings sichert eine solche Aufrüstung mit Hightech, die dennoch billiger ist als frühere militärische Großsysteme, nur vorübergehend die Überlegenheit. Auch Terroristen und Aufständische können solche Waffen- und Aufklärungssysteme in die Hände bekommen, wodurch asymmetrische Konflikte noch einmal eine ganz andere Dimension annehmen würden. Ende des letzten Jahres hatte die Hisbollah erstmals eine vermutlich im Iran produzierte Drohne vom Libanon aus über Israel kreisen lassen, zum Entsetzen des israelischen Militärs, das damit nicht gerechnet hat (Wettrüsten in "asymmetrischen Konflikten").

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