Das erste Tier wurde online zur Strecke gebracht

Ernst Corinth 17.03.2005

Live-Shot.com hat die Jagd übers Netz eröffnet

Als im vergangenen Jahr zum ersten Mal in den Medien von dem Texaner John Lockwood berichtet wurde (Feuer frei!), der angeblich plane, übers Internet eine Online-Jagd auf lebende Tiere anzubieten, hat dies kaum einer so richtig ernst genommen. Doch nun ist aus diesem ungewöhnlichen Plan tatsächlich blutiger Ernst geworden. Howard Giles ist nämlich der erste Mensch, der vor kurzem übers Internet ein Tier abgeschossen hat.

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Die Jagd selbst hat rund eine Stunde gedauert. Dann sah Giles auf seinem Monitor plötzlich ein Wildschwein auftauchen. Er zielte und schoss das Tier mit einem Mausklick ab. Sein Herz, sagte er, habe dabei heftig geschlagen. Und er habe sich gefühlt, als ob er live vor Ort gewesen sei. Doch das war er nicht: Giles saß 80 US-Meilen von dem Jagdrevier entfernt in seinem Büro vor dem Computer.

Bei der Internet-Jagdfirma Live-Shot.com, die dieses seltsame Vergnügen anbietet, haben sich bisher angeblich rund 350 Leuten aus der ganzen Welt als potentielle Jäger registrieren lassen. Sie zahlen dafür monatlich 14,95 Dollar und dürfen dann für weitere 5,95 Dollar übers Netz auf Zielscheiben schießen. Die richtige Online-Jagd ist natürlich teurer. Verlangt werden für zwei Stunden 300 Dollar, jede weitere Stunde kostet 75 Dollar. Der nächste Tierabschuss soll terminlich auch schon feststehen: Anfang April. Und übers Netz schießt dann der 38-jährige Dale Hagberg, der seit seinem 18. Lebensjahr querschnittgelähmt ist.

Is this like playing a video game?
No, this is real. What you see on your screen thru the camera is what is there. When you activate the fire control, you are sending a signal to the firing mechanism which discharges a round. You control the camera and firearm.

In Deutschland ist eine solche Online-Jagd nicht erlaubt, betonte Jochen Borchert, Präsident des "Deutsche Jagdschutz-Verbandes", in einer Presseerklärung. "Ein solches Jagd-Spiel mit lebenden Tieren entspricht in keinster Weise den ethischen und tierschutzrechtlichen Grundsätzen der Jagd in Deutschland", sagte Borchert. Rechtliche Schritte gegen das Internet-Angebot würden geprüft. Und einem deutschen Anbieter drohe nach dem bei uns geltenden Tierschutz- und Waffengesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Lockwood selbst versteht die Aufregung nicht. Für ihn gibt es keinen Unterschied zwischen einer solchen Online-Jagd mit einem fernbedienten Gewehr und einer normalen Jagd. Wer bei ihm schießen will, braucht eine Jagdlizenz von Texas, die man aber auch online erhalten kann. Zudem sei er immer mit einem Gewehr wie bei einer geführten Jagd anwesend und würde das Tier erschießen, um das Leid zu verkürzen, falls der Internetschütze nicht richtig getroffen habe.

Aber auch in Texas und anderen US-Bundesstaaten gibt es mittlerweile Gesetzesinitiativen, mit denen zukünftig eine Online-Jagd verboten werden soll. Ob man jedoch mit Verboten diesen zweifelhaften Spaß unterbinden kann, scheint jedoch mehr als fraglich. Falls tatsächlich eine Nachfrage bestehen sollte, können Anbieter ja notfalls in Länder ausweichen, die eine solche Jagd mit der Maus erlauben.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19697/1.html
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