Das Überwachungsnetz wird dichter

24.03.2005

In Großbritannien wird ein flächendeckendes Netz von Kameras eingeführt, mit denen sich die Nummernschilder von Fahrzeugen erkennen lassen

Großbritannien ist eines der führenden Länder, was die Einführung von Überwachungstechnologie betrifft. An der Spitze liegt das Land bei der Dichte an Überwachungskameras. Jetzt will man auch flächendeckend das Straßennetz mit Kameras ausstatten, mit denen Fahrzeuge automatisch erkannt werden können, um Kriminellen die Benutzung von Straßen zu verwehren.

Zumindest in England und Wales soll ein umfassendes Netz an Überwachungskameras eingerichtet werden, die die Nummernschilder der vorbeifahrenden Fahrzeuge erkennen können. Sie werden mit verschiedenen Datenbanken der Polizei abgeglichen. Wird ein gesuchtes Fahrzeug identifiziert, geht ein Hinweis an die lokale Polizei, um den Wagen zu stoppen. Innerhalb einer Sekunde können die 8,5 Millionen gespeicherten Kennzeichen durchsucht werden, in einer Stunde können 3.600 Kennzeichen identifiziert werden. Angeblich würden nur Fahrzeuge angehalten, wenn sie in Zusammenhang mit einer Straftat stehen oder ein berechtigtes polizeiliches Interesse vorhanden ist.

Getestet wurden die Kamerasysteme für die "automatic number plate recognition" (ANPR) bereits seit 2003 und haben nach Angaben der Polizei die Zahl der Festnahmen erheblich gesteigert. Dabei wurden in einem Jahr in den 23 Polizeibezirken, in denen die Tests gemacht wurden, über 180.000 Fahrzeuge gestoppt und 13.500 Menschen festgenommen Dabei handelt es sich überwiegend um Verdächtige, die wegen Diebstahls, Raubs oder Drogendelikte gesucht wurden oder Verkehrsdelikte begangen haben. Mit dem Überwachungssystem wurden aber auch über 50.000 Verwarnungen für kleinere Vergehen von fehlender Kfz-Versicherung über Handy-Benutzung beim Fahren oder nicht angelegtem Sicherheitsgurt verschickt. Bis Oktober 2005 soll in jeder Polizeidienststelle mindestens ein ANPR-Team vorhanden sein.

Großbritannien ist aber nicht allein. Auch in den USA beginnt man mit der Einführung ähnlicher Systeme zur Erkennung von Nummernschildern. Allerdings handelt es sich um ein anderes Prinzip, das freilich noch mehr an Big Brother denken lässt. So hat Polizei in New Haven, Connecticut, und Arlington, Virginia, eine Kamera auf einem Fahrzeug angebracht, die jede Minute Tausende von Aufnahmen machen kann. Bei diesem System namens "BootFinder" werden die Nummernschilder von parkenden Autos gescannt und mit einer Datenbank abgeglichen, in der diejenigen Personen aufgelistet sind, die ihre Strafgebühren noch nicht bezahlt haben. Dann wird das Nummernschild vom Fahrzeug entfernt und ein grüner Aufkleber auf die Windschutzscheibe geklebt oder es wird eine Wegfahrsperre angebracht - und wenn der Eigner seine Strafen nicht innerhalb von 10 Tagen bezahlt, wird das Auto versteigert.

Bislang wurden nur unbezahlte Kfz- und Grundstückssteuern erfasst. Angeblich wurden mit der 25.000 US-Dollar teuren Wunderkamera 900 US-Dollar pro Stunde "verdient". Ab nächstem Monat geht es allen säumigen Zahlern an den Kragen. Auch diejenigen müssen nun Ernsthaftes fürchten, die wegen Falschparken einen Strafzettel erhalten haben oder in der Bibliothek Mahngebühren zahlen müssen. Natürlich werden auch gestohlene Fahrzeuge erkannt. Mit der Kamera lassen sich sowohl die Nummerschilder von parkenden als auch von fahrenden Autos erfassen.

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