Blutige Überreste des Tyrannosaurus Rex

Bisher gab es von den Urweltmonstern nur noch schnöde Knochen. Nun wurde echtes Dinofleisch gefunden.

Im Film Jurassic Park werden Dinosaurier geklont, um dann als lebende Ungeheuer in einem Themenpark dem staunenden Publikum präsentiert zu werden. Das geht gründlich schief, denn die Monster der Urzeit brechen aus und fallen über ihre Schöpfer her. So weit die Hollywood-Fantasie. In der Realität der Paläontologie werden nur versteinerte Knochen ausgegraben, das weiche Gewebe ist längst komplett verwest. Davon wurde zumindest bisher ausgegangen. Denn jetzt gelang es einer amerikanischen Wissenschaftlerin, Blutgefäße und zellähnliche Strukturen eines Tyrannosaurus Rex aus einem steinalten Knochen zu extrahieren.

Im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht Mary H. Schweitzer von der North Carolina State University ihre spektakuläre Entdeckung. Zusammen mit ihrer Kollegin Jennifer L. Wittmeyer isolierte sie weiches organisches Gewebe aus dem Beinknochen eines Tyrannosaurus Rex, der vor 68 Millionen Jahren das Zeitliche segnete.

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Das Bild des gigantischen Fleischfressers Tyrannosaurus Rex, kurz T-Rex genannt, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Der auf zwei Beinen laufende Urräuber wog ausgewachsen mehr als 5.000 Kilogramm, er wurde nicht älter als 30 Jahre (Das Riesenbaby) und stank ganz ungeheuerlich (Stinkender Dinosaurier in Londoner Museum vorgestellt). Er war eher eine lahme Ente als ein furchteinflößender Jäger ("So ein Riesenhuhn könnte noch nicht einmal gehen") und ernährte sich vor allem von Aas (Ende einer Legende: Tyrannosaurus rex hat Imageproblem).

Versteinerungen und Weichteile

Der T-Rex starb wie alle anderen Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren aus ("Die Dinosaurier werden immer trauriger…"). Seine Knochen versteinerten zu Fossilien, Weichteile wurden nicht erhalten, weil alles organische Material zu Stein wurde. Organische Moleküle überstehen auf keinen Fall mehr als 100.000 Jahre – das galt bisher jedenfalls als Lehrmeinung. Der angebliche Fund von Dino-DNS vor mehr als 10 Jahren erwies sich nachträglich als Verunreinigung mit menschlichen Gensequenzen (Ancient DNA Comes of Age).

Erbgut hat das Team von Schweitzer zwar noch nicht entdeckt, aber weitgehend intaktes Gewebe im Oberschenkelknochen eines T-Rex. Die Blutgefäße sind noch biegsam und unter dem Mikroskop sind sogar zellähnliche Strukturen zu erkennen.

Fragmente des Gewebes aus dem T-Rex-Beinknochen. Bild A zeigt, dass das Fragment flexibel ist – wenn es auseinander gezogen wird (siehe Pfeil), zieht es sich anschließend wieder zu seiner ursprünglichen Form zusammen; Bild B zeigt das Gewebe im getrockneten Zustand, auch trocken bleibt es dehnbar; Bild C zeigt die faserige Struktur des Gewebes. Der Maßstab beträgt 0,5mm (Bild

Mary Schweitzer untersuchte den Knochen eines T-Rex, der 2003 aus dem inzwischen schon legendären Fundort Hell Creek Formation östlich der Rocky Mountains in Montana geborgen wurde (Hell Creek Project Dino Dig). Der Dino trägt die Katalognummer MOR1125). Sein Oberschenkelknochen ist 107 cm lang. MOR1125 lebte vor 68 Millionen Jahren und verstarb im Alter von etwa 18 Jahren.

Schweitzer verwendete ein Verfahren, um alle mineralischen Anteile aus dem Fundstück herauszulösen. Bei modernen Knochen bleiben danach die Proteine und andere organische Moleküle übrig. Bei dem Fossil sollte sich theoretisch alles auflösen. Aber nach dem Entfernen der Mineralien lagen dehnbare organische Überreste des T-Rex vor den Forschern. Mikroskopische Untersuchungen ergaben, dass es sich um Blutgefässe, Knochengewebe (so genannte Osteozyten) und andere organische Strukturen handelte. Das präparierte Gewebe blieb auch nach dem Trocknen elastisch. Mary Schweitzer kommentiert ihre erstaunliche Entdeckung:

Es war ein absoluter Schock. Ich habe meinen Augen nicht getraut, bis der Test 17 Mal gelaufen war.

Fragment eines hohlen Gefäßes des T-Rex mit erhaltener dreidimensionaler Form und sichtbaren Mikrostrukturen, die Zellen sein könnten, Maßstab 50 Mikrometer (Bild

Inzwischen wird vermutet, dass Dinosaurier mit den heute lebenden Vögeln eng verwandt sind ("Der Dino schläft heut’ nacht"). Deswegen verwendete Schweitzer vergleichend die Knochen von Straußen, die ebenso in einer Lösung um ihre mineralischen Anteile erleichtert wurden. Die Resultate wiesen große Ähnlichkeit zu den Präparaten des Tyrannosaurus Rex auf.

Weitere Studien werden zeigen, ob die entdeckten Mikrostrukturen in den Dino-Geweben wirklich Zellen sind. Sollten es Zellen sein, dann könnten sie Zellkerne und DNS enthalten. In erster Linie will Schweitzer aber künftig untersuchen, ob Proteine nachweisbar sind. Sie könnten Aufschluss über die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse, auch zu den heute lebenden Vögeln, geben.

Der Paläontologe Lawrence Witmer von der Ohio University geht gegenüber Science noch weiter und meint:

Wenn wir Gewebe haben, das nicht versteinert ist, dann können wir ihm potenziell DNS entziehen. Das ist sehr aufregend.

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