Heruntergesteigert

05.04.2005

Online-Auktionsfoul: Schicken Sportwagen für 63 Euro ersteigert

Ebay wird am 11. April die Funktion „Mindestpreis“ einführen, da Betrügereien überhand nahmen. Leider wird die Funktion von vielen Käufern als unseriös angesehen

Es ist schon ein Kreuz mit den Online-Auktionen: Als Ebay noch als Alando startete, war es eher ein Online-Flohmarkt – man stellte seine Kellerschätzchen zu dem Preis ein, den man gerne mindestens erzielen wollte, irgendwann griff jemand zu und wenn man Glück hatte, boten sich bis zum Ablauf der Auktion noch ein paar Interessenten wie beim echten Flohmarkt gegenseitig hoch.

Heute dagegen passiert oft nichts bis in die letzten Minuten einer Auktion; erst dann stürzen sich alle auf das Angebot, um ein Schnäppchen zu machen. Und die Gebühren sind bei Ebay so hoch geworden, dass man nicht mehr den gewünschten Mindestpreis verlangt, sondern auch die teuersten Notebooks oder Autos für einen Euro einstellt. Bei Notebooks bleibt es auch nicht bei dem einen Euro und der Verkäufer endet meistens mit einem zufrieden stellenden Preis.

Das Drama um den einen Euro…

Schwieriger wird es mit speziellen Artikeln: Ein Elektronikbausatz wird nur wenige Interessenten finden; wer den für einen Euro anbietet, wird einen Schlaumeier finden, der eine Minute vor Ablauf sich mühselig dazu aufrafft, diesen einen Euro zu spendieren – und drei, die nach Ablauf der Auktion Mails schreiben, dass sie großzügig 100% mehr bieten, nämlich 2 Euro, aber leider bei Ablauf der Auktion gerade auf dem Klo waren…

Doch auch mit Artikeln, um die sich die Bieter prügeln, kann das Gebühren sparende und die Bietlust steigernde Einstellen für einen Euro komplett daneben gehen. Unter anderem dann, wenn ein paar Falschspieler mitbieten.

So ist es ja normal so, dass auch ein beliebig hohes Angebot nicht dazu führt, dass der Auktionspreis wesentlich steigt: Er steigt zunächst nur so, dass das vorherige Angebot gerade um den dazu mindest notwendigen Betrag überboten wird. Erst, wenn ein zweiter Bieter ebenfalls auf einen hohen Betrag steigert, geht der Auktionsbetrag in die Höhe. Haben beide Bieter den Wunsch, den Artikel auf jeden Fall und unbedingt haben zu wollen und deshalb extrem hohe Gebote abgegeben, so schießt die Auktion schlagartig so in die Höhe, dass andere Interessenten sich entsetzt abwenden.

Mit Zweit- und Drittaccounts „abschirmen“

Zu den streng verbotenen faulen Tricks bei Online-Auktionen gehört es folglich, mit mehreren Pseudoaccounts den Preis für eine Ware zwischen diesen gegenseitig hochzusteigern und diese so von anderen, ernsthaften Interessenten abzuschirmen. Kurz vor Ablauf der Auktion treten dann beide Pseudokäufer von ihren Geboten zurück und der Artikel geht zu einem Dumpingpreis an den Initiator des Wettbietens, der mit einem dritten – echten – Account vor dem Beginn des Wahnsinns einen diesmal nicht ungewöhnlich hohen, sondern eher lächerlich geringen Beitrag geboten hatte, bei dem es unter normalen Umständen nie bis zum Ende der Auktion geblieben wäre. Axel Gronen bezeichnet dies in seinem Buch Dirty Ebay-Tricks als „Abschirmen“.

Wer so etwas tut, wird bei Auktionshäusern ausgesperrt – wenn man ihm nachweisen kann, dass er hinter den zwei „Verrückten“ gesteckt hat. Doch genau dies ist schwierig. Wer regelmäßig solche Schweinereien macht, wird auffallen und wer seine Gebote öfters zurückzieht, landet schnell auf einer schwarzen Liste. Ist es dagegen ein Einzelfall, so lässt sich nicht nachweisen, ob der glückliche Dritte nun Urheber des Wettbietens war oder nicht – auch wenn es ziemlich naheliegend ist.

Immer wieder enden solche Vorfälle dann vor Gericht, weil der Verkäufer sich natürlich zu Recht betrogen vorkommt und seinen Artikel nicht zu diesem Dumpingpreis abgeben will. Doch Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. Und so entscheidet ein Gericht dann schon einmal, dass der, der einen Sportwagen für nur 63 Euro ersteigert hatte, weil die beiden bei 12.000 Euro angelangten Hauptbieter kurz vor Ablauf der Auktion plötzlich keine Böcke mehr auf das gute Stück hatten, den gesamten Erlös des Verkäufers aus einer weiteren, normal abgelaufenen Auktion zugesprochen bekommt.

Abhilfe: Mindestpreis

In den USA hat Ebay seit Jahren die Funktion „reserved price“ – Mindestpreis. Hier kann der Verkäufer sein Angebot für den berühmten einen Euro – bzw. Dollar – machen und so das Bietfieber auslösen, kann aber dennoch festlegen, unter welchem Preis er den Artikel nicht verkaufen will. Ist die Auktion abgelaufen und das Einfamilienhaus steht noch bei 10 Euro, kommt dann die Meldung, dass der Mindestpreis leider nicht erreicht sei.

Dies ärgert natürlich die Meistbietenden, die bereits auf ein billiges Schnäppchen gehofft hatten und führt dazu, dass immer mehr US-Ebayer in ihre Angebote extra „kein Mindestpreis“ schreiben und Angebote ohne diesen Satz schwer verkäuflich werden. Und natürlich werden auch hier wieder extra Gebühren kassiert. Doch angesichts der nie absehbaren Entscheidungen deutscher Gerichte ist die nun ab 11. April auch in Deutschland endlich verfügbare Funktion „Mindestpreis“ mehr als überfällig. Obwohl es geringere Gebühren vielleicht auch getan hätten.

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
Anzeige
Weit weg mit Telepolis
Anzeige
Auf nach Brasilien
Leben im Regenwald, Nationalpark Iguacu, Rio de Janeiro
Cover

Leben im Gehäuse

Wohnen als Prozess der Zivilisation

Anzeige
Cover

Die Moral in der Maschine

Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.