Was Sie schon immer über unsere Energie-Zukunft wissen wollten

Craig Morris 12.04.2005

Einige Thesen zum gerade erschienen Buch "Zukunftsenergien"

Ende 2002 startete das Telepolis-Special Zukunftsenergien mit dem Artikel Ein Ende der Pyromanie. Dort schrieb ich aufgrund einer Vorhersage von BP: "Es gibt weitgehende Einigkeit darüber, dass das Öl noch zu unseren Lebzeiten knapp werden wird. Uns geht nicht nur das Erdöl aus. Laut BP reicht uns das Erdgas noch 61,9 Jahre und Kohle ganze 216 Jahre - bei gleichbleibendem Verbrauch. Aber selbst wenn die fossilen Brennstoffe einige Jahrzehnte länger halten, wird das fossile Zeitalter wie ein flüchtiger Augenblick in der Geschichte erscheinen." Gut zwei Jahre danach ist daraus ein Buch entstanden, das einen Überblick über die wichtigsten Fragestellungen und Lösungsansätze bietet und mit den gängigen Mythen und Vorurteilen aufräumt, um den Weg für eine vernünftige Diskussion über die zukünftige nachhaltige Energieversorgung zu eröffnen. Hier zusammenfassend die wichtigsten Aussagen in zehn Thesen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Craig Morris

Die Energieversorgung der Zukunft wird wie schon heute aus einem Mix von Energiequellen bestehen. Der Anteil erneuerbarer Energien in diesem Mix wird wachsen, weil uns erst das Öl, dann das Erdgas und dann die Kohle ausgeht, d.h. es wird kein Weg an den erneuerbaren Energien vorbei gehen.

Es gibt momentan keine einfache Alternative für das Erdöl, das uns zuerst ausgeht. Unsere Mobilität wird also durch die kommende Knappheit (peak oil) bald stark eingeschränkt sein. Eventuell erleben wir das Ende des billigen Öls schon jetzt.

Die viel gelobte Wasserstoffwirtschaft wird eine Mär bleiben, wenn wir nicht herausfinden, wie sich Wasserstoff ohne Elektrolyse und ohne fossile Energieträger (wie Erdgas) herstellen läst. Wenn es beispielsweise nicht gelingt, den Wasserstoff auf organische Weise zu produzieren, werden wir nie genug Wasserstoff haben, um damit zu tanken. Aber Brennstoffzellen werden trotzdem wichtig sein, weil sie nicht alle vom Wasserstoff abhängen.

Uns wird aber hoffentlich durch diese Krise klar, was auf dem Spiel steht: nämlich unser Lebensstandard. Wenn wir schnell genug reagieren, dürften wir eine erneuerbare, nachhaltige Basis für eine Energieversorgung ohne fossile Energie aufbauen können.

Wir werden ganz neue Wege finden, Energie zu sparen. Manche Wege werden auf neuen Techniken basieren, andere aus dem Wissen folgen, wie und wann wir wie viel Energie verbrauchen.

Der wachsende Anteil der erneuerbaren Energien wird zur Folge haben, dass sich der Verbrauch der Verfügbarkeit anpassen muss (Lastmanagement). Stromkunden werden Verträge abschließen können, in denen Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen etc.. nur laufen werden, wenn genug Energie vorhanden ist. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Strompreis im Minutentakt je nach Angebot/Nachfrage variiert.

Zunehmend wird außerdem Energie dezentral produziert, z.B. von Photovoltaikanlagen auf Dächern und Windkraftanlagen sowie von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Mehrfamilienhäusern, die in Kellern stehen und - analog zu Haushaltsgeräten, die bei Bedarf ausgeschaltet werden - bedarfsgerecht angeschaltet werden.

Das bewölkte Deutschland kann führend bei dieser Entwicklung sein, denn es spielt keine Rolle, dass Deutschland kaum Sonne und Wind hat. Wirtschaftlich interessant sind die Anlagen, die die kostenlose Wind- und Sonnenenergie in Strom umwandeln.

Die Kernkraft kann eine Antwort sein, wenn man glaubt, dass das Risiko eines GAUs nicht zu groß ist, dass man kein Endlager braucht und dass knappe Fördergelder in die Entwicklung von fraglichen Technologien wie der nächsten Generation der Kernspaltung und der Fusion gesteckt werden sollen, die eventuell funktionieren werden, aber vielleicht auch nicht. Dann muss man allerdings zunehmend auf Plutonium umsteigen, weil uns das Uran ausgeht. Oder man verlässt sich auf die erneuerbaren Energien, die nicht billig, nicht immer verfügbar, aber umweltfreundlich sind - und die auf jeden Fall funktionieren.

Der Übergang von der fossilen zu der erneuerbaren Energie-Zukunft dürfte turbulent sein, und eventuell gelingt er uns gar nicht. Dann müssen unsere Nachkommen halt ohne Energie auskommen.

Das fossile Zeitalter ist ein einmaliges Geschenk, das der Menschheit für wenige Jahrhunderte einen zuvor ungeahnten Wohlstand beschert hat. Wenn wir jetzt die uns verbleibenden Ressourcen dazu verwenden, eine breite Basis für erneuerbare Energien aufzubauen, dann können wir nicht nur diesen Wohlstand beibehalten, sondern auch und diese Kombination hat es noch nie gegeben im Einklang mit der Natur leben.

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19856/1.html
Kommentare lesen (254 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS