Mobilisierung der Aufmerksamkeit
Über "Die Realität der Massenmedien", das neue Buch des Soziologen Niklas Luhmann
Die Massenmedien bilden den Stoff unserer Wirklichkeit, sagt Luhmann. Sie ist nach Kriterien der Aufmerksamkeitserregung zugeschnitten, daher geht es nicht um Wahrheit, sondern um Information, also um die Inszenierung von Neuheit.
Weitere Beiträge zum Thema Aufmerksamkeit in Telepolis: Georg Franck über Aufmerksamkeit - die neue Währung, Florian Rötzer über Aufmerksamkeit - der Rohstoff der Informationsgesellschaft, Wolf Singer über die Neurowissenschaft der Aufmerksamkeit und Detlef Linkes Überlegungen über Veränderungen des Gehirns
Der Kritiker, ein den Medien verpflichteter, von und in diesen lebender Mensch, nimmt sich die Freiheit, anhand von sehr dezidierten Thesen selbst ein wenig über die Konstruktion der Medien zu räsonnieren und fragt sich natürlich immer wieder, wessen Aufmerksamkeit das finden könnte. Medien benutzen Aufmerksamkeit und basieren auf ihr. Er hat den Vorteil, sich nicht wie der Unabomer in die Aufmerksamkeit bomben zu müssen, weil er bereits Teil des gesellschaftlichen Aufmerksamkeitssystems ist, so eingeschränkt seine Rolle und die Macht seines Mediums auch sein mögen. Ein Buch von einem - in gewissen Kreisen - bekannten Autor ist eine Prominenz, hat also bereits Aufmerksamkeit gefunden. Deswegen profitiert ein Kritiker wie ein Parasit von dieser Zuwendung und sucht sie für seine eigenen Profilierungsinteressen, verwoben mit denen des Mediums, in dem er tätig ist, auszubeuten. Aufmerksamkeit findet nur, was bereits Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Doch irgendwo muß ein Anfang sein, eine Neuigkeit, die es wert scheint, die Aufmerksamkeit auf sie zu richten, oder die diese durch eine Irritation auf sich lenkt. Neuigkeiten verhaken sich in Neuigkeiten wie Medien in Medien. Und genau das ist das Thema von Luhmanns Buch über die Massenmedien.
Mobilisierung der Aufmerksamkeit
Die Wirklichkeit ist ein Gerücht
Aufmerksamkeitsinszenierungen - auf Dauer gestellt
Die gesellschaftliche Funktion der Massenmedien
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