Buckminster Fuller

Martin Pawley 14.12.1997

Der weitsichtigste Mann unseres Jahrhunderts

Richard Buckminster Fuller (1895-1983), Erfinder, Ingenieur, Philosoph und Dichter, hat mehr Anleitungen für die Nachwelt als jeder andere der großen Wegbereiter der modernen Architektur hinterlassen, deren Einfluß und Gedankengut mit den sich ändernden Verhältnissen abgenommen hat.

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Buckminster Fuller

Anders als diese versuchte er nicht die neuen Technologien des 20.Jahrhunderts mit der Architekturgeschichte zu verbinden. Er war zuerst und vor allem ein Pragmatiker, durch den Dienst bei der US Marine geschult, durch das Scheitern der Bau-Industrie nachdenklich geworden, durch den Entwurf eines Hauses, das nie gebaut wurde, und eines Autos, das nie fuhr, berühmt geworden.

Das Dymaxion Haus

Weltweit erfolgreich wurde er nicht zuletzt durch ein Patent für eine leichtgewichtige Kuppel, aus dem in 30 Jahren 300.000 Gebäude entstanden sind.

Fullers Dymaxion Auto neben einem Ford Modell, das zur gleichen Zeit auf dem Markt war

Buckminster Fuller starb überschüttet mit Auszeichnungen aus der Architekturwelt. In diesem Beruf war er zunächst verkannt worden, erst später erkannte man die unendlichen Möglichkeiten, die sein Konzept von der "Designwissenschaft" für die Zukunft bieten konnte. Heutzutage ist die Wirklichkeit seiner Hinterlassenschaft größer als das Leben und ist überall zu sehen. Das ist wichtig mit Blick auf den ständig zunehmenden Gebrauch vorgefertigter Teile bei der Konstruktion, den Bankrott der traditionell auf dem Handwerk basierenden Hausbauindustrie und dem Triumphzug des Fertighauses, das inzwischen fast die Hälfte des Marktes in Japan beherrscht.

Auf einer interkontinentalen Skala können wir sehen, daß Fullers Makrosicht beim Planen für die Menschheit in einer dicht bevölkerten, sich immer weiter entwickelnden Welt jeden Widerstand überrundet. Überall werden große und größere energiesparende Architektur-Komplexe jeder Art gebaut, angefangen von superhohen Bürotürmen in Malaysia, über Monster-Einkaufszentren in China, riesigen Flugzeugfabriken und städtischen Sportanlagen in den USA bis hin zu gewaltigen Vertriebszentren und Freizeitanlagen in ganz Europa. Alle diese Gebäude leiten sich mehr oder weniger von Fullers erstem Projekt aus dem Jahr 1960 für die Überdachung von 50 Blocks in Manhattan unter einer enormen, leichtgebauten und klimakontrollierten Hülle ab.

Entwurf einer Kuppel

Wie wir jetzt sehen können, ist es diese Vision einer Megastruktur als eine riesige, durchsichtige Kuppel und nicht ein Zikkurat aus Beton, die die Aussicht auf große Städte eröffnet hat, in denen das Design einzelner Gebäude die Freiheit der Innenausstattung annnehmen wird. Nach und nach bewegen sich alle Städte auf der Welt langsam auf diese Art der integrierten, klimatisierten Hülle zu. Das wird notwendig, wenn die Städte eine hohe Energieausnutzung erreichen und die eigenen toxischen Emissionen in den zukünftigen Zeiten hohen Energieverbrauchs verarbeitet werden sollen.

Aber so wie Fuller der Erste war, der erkannte, daß Häuser maschinelle Produkte und Städte Megastrukturen einer neuen und befreienderen Art werden müßten, so war er auch der Erste, der die Nutzlosigkeit globaler Umweltstrategien erkannte, die solche Entwicklungen umzukehren versuchen - die sich von einer immer größeren Ausbreitung von Komfort und Mobilität abwenden und wieder einem freiwilligen Elend zuwenden, das aus dem Irrglauben heraus entsteht, durch die Unterdrückung des Fortschritts die Welt "retten zu können". Zu Lebzeiten liebte er zu sagen: "So etwas wie Umweltverschmutzung gibt es nicht. Alles, was wir tun, wenn wir verschmutzen, ist,daß wir die Wiederaufbereitung und das Recycling schwieriger und nicht leichter machen." Für architektonische Sentimentalisten ist diese Botschaft, daß die Entwicklung der Welt die beste Antwort auf eine weitergehende Weltentwicklung ist, seine wertvollste Lektion.

Richard Buckminster Fuller Institute

Übersetzung aus dem Englischen von Nicola Knoch

Bilder von Build Amerika

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2230/1.html
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