Extraterrestrisches Leben

Florian Rötzer 30.07.1998

Wenn man es schon nicht findet, dann könnte man es zumindest auf der Erde herstellen

Trotz aller Erkundungen wurde bislang noch kein Leben außerhalb der Erde entdeckt. Die Spuren auf dem Stein vom Mars sind umstritten. Da man nur irdisches Leben kennt, ist es schwer, Spuren von extraterrestrischen Kleinstlebewesen auch zweifelsfrei zu identifizieren. Deswegen will Davod Noever von der NASA das Projekt starten, mit seiner D'Arcy-Maschine erst einmal das irdische Formenspektrum der Mikroorganismen zu identifizieren, um so eventuell in der Lage zu sein, zumindest ähnliche Spuren von fremden Mikroorganismen zu entdecken, wenn man einmal hinreichend genau Lebendiges von Totem unterscheiden kann.

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Andrew Ellington vom Institute for Cellular and Molecular Biology der University of Texas, Austin, hat noch eine andere Idee, wie New Scientist berichtet: Wenn wir schon bislang kein extraterrestrisches Leben finden konnten, so könnten wir es selbst entwickeln. Auf einem Workshop der NASA über Astrobiologie schlug er letzte Woche vor, seine Forschungen über "unnatürliche Selektion" des Bakteriums Escherichia coli, durch das bislang unbekannte Enzyme entdeckt werden sollten, auch für die Astrobiologie nutzbar zu machen.

Da das Leben auf anderen Planeten ganz anders aufgebaut sein könnte, ist ein erster Schritt zur künstlichen Evolution fremder Mikroorganismen deren Aussetzung an neuartige Umgebungen. Ellington verändert zunächst die Nahrung des Bakteriums, um zu sehen, wie und ob es sich daran anpassen kann. Es wurden Bakterien geschaffen, die die Aminosäure Tryptophan nicht herstellen können, die ein wichtiger Bestandteil von Proteinen ist. Um sich zu vermehren, muß in die Kultur diese Aminosäure zugegeben werden. Allerdings erhalten die Bakterien nur einen kleinen Teil dieser Aminosäure und werden einer Lösung ausgesetzt, die Fluorotryptophan, eine verwandte, aber für irdisches Leben giftige Aminosäure enthält. Zu Beginn wuchsen und vermehrten sich die Bakterien kaum, aber nach einigen Generationen teilten sie sich wieder viel schneller und hatten sich offensichtlich durch entsprechende Mutationen den neuen Lebensbedingungen angepaßt. Schrittweise wurde dann Tryptophan weiter entzogen, bis die Bakterien sich immerhin über sieben Generationen hinweg auch in einer 100 prozentigen Lösung des Giftes teilen konnten.

Natürlich kann man so keine extraterrestrischen Mikroorganismen züchten, wohl aber solche, die auf dem für irdische Lebewesen unwirtlichen Terrain anderer Planeten leben könnten. "Es gibt keinen Grund, warum wir nicht ein Stück Mars im Laboratorium simulieren und dann etwas dazu bringen könnten, darauf zu leben." Möglicherweise ließen sich derartige, durch "unnatürliche Selektion" umgebaute Mikroorganismen auch in Massen dazu verwenden, andere Planeten für irdisches Leben und Menschen aufzubereiten (terraforming), indem sie toxische Komponenten zerlegen und Sauerstoff freisetzen.

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2415/1.html
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