Implantierter Chip im Arm

Florian Rötzer 25.08.1998

Wissenschaftler will auf die Gefahren der Informationstechnologien aufmerksam machen

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Kevin Warwick ist wahrhaft kein Maschinenstürmer, sondern er ist Professor am Institut für Kybernetik der University of Reading, verkündet gelegentlich, daß die Roboter möglicherweise bald die Menschen überholen könnten, und hat unlängst selbst einen Roboter entwickelt, der Musik komponieren kann.

(Anm.: Lesen Sie auch die Nachfolgestory "Der Forscher als Publicity Stuntman.")

There appears to be absolutely nothing to stop machines becoming more intelligent, particularly when we look towards an intelligent machine network. There is no proof, no evidence, no physical or biological pointers that indicate that machine intelligence cannot surpass that of humans. Indeed it is rediculous to think so.

Gershwyn, so sein bezeichnender Name, ist ein Ergebnis der Forschungsarbeiten Warwicks über genetische Algorithmen und evolutionärer Musik. Er "lauscht" beispielsweise bestimmten Musikstücken zu und mischt dann die in seinem "Gedächtnis" gespeicherten Originaltracks zu einem neuen Stück. Beispielsweise könnte man ihm eine Reihe erfolgreicher Titel aus dem Bereich populärer Musik anbieten, um von ihm ein neues Stück zu erhalten, das wiederum mit Markterfolg rechnen könnte. Die englische Pop-Band Manus hat sich kürzlich einem Vergleich mit Gershwyn in der BBC-Sendung Tomorrow's World gestellt. Beide Versionen kann man sich als CD bestellen (mehr über Gershwyn bei BBC News, wo man sich Kompositionen anhören kann).

Doch jetzt hat sich der Professor keinen Roboter gebaut, sondern, wie BBC News berichten, einen Chip in seinen Oberarm implantieren lassen, um die möglichen Gefahren dieser Technologie zu demonstrieren. Chips werden bereits in Tiere eingepflanzt, um sie zu identifizieren und Informationen über sie abzuspeichern. Gegenüber elektronischen Sendern, die man außen am Körper anbringt, haben Chips den "Vorteil", daß sie vom "Benutzer" nicht mehr ohne weiteres entfernt werden können. Natürlich fallen einem hierzulande die Brandzeichen ein, die während des Nazi-Regimes auch an KZ-Häftlingen angebracht wurden, um sie ihr Leben lang identifizieren zu können.

Mit dem Chip in Warwicks Arm kann er sich in einem "intelligenten" Gebäude sowohl orientieren als auch lokalisieren lassen. Mit entsprechenden Sensoren kann beispielsweise die Beleuchtung angehen, wenn er einen Raum betritt. Aber die Chips können natürlich auch eine ganze Menge persönlicher Informationen enthalten, die von anderen oder von entsprechenden Geräten gelesen werden können. Chips werden nach Warwick bald eine Menge von Informationen speichern können und ihre Benutzung wird sich ausbreiten. Damit aber erweitern sich die Überwachungsmöglichkeiten und können wir, wo wir uns auch aufhalten mögen, identifiziert und aufgespürt werden, auch wenn wir gerade kein Mobiltelefon angeschaltet haben.

Möglicherweise könnten die ersten Opfer für implantierte Chips Straftäter im elektronischen Arrest sein. Und wenn man schon eine Gendatei von Straftätern anlegt, könnte man ihnen auch gleich Chips einbauen, um sie permanent zu überwachen: Freiheit gegen die Auflage, einen mit dem Global Positioning System verbundenen Chip unter der Haut zu haben. Man könnte sie aber auch entführungsgefährdenden Personen oder Angestellten von Institutionen oder Betrieben einpflanzen, die in Sicherheitsbereichen arbeiten. Vielleicht wären aber auch infarktgefährdete oder verwirrte Personen geeignete Träger ... "Gute" Ideen gäbe es sicherlich viele ...

Warwick wird sich als Testperson seinen Chip allerdings nach einer Woche wieder entfernen lassen und in der Anonymität verschwinden.

Lesen Sie auch die Nachfolgestory "Der Forscher als Publicity Stuntman".

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2445/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS