Die Roboter kommen
Dienstleister und autonome Beobachter
Der jährliche Bericht über die Zahl der Roboter von der Wirtschaftskommission der UN gibt an, daß weltweit bereits 720000 Roboter am Arbeiten seien - und bereits die Arbeitskraft von 2 Millionen Menschen ersetzen. Ist also der Tag nahe, an dem die Menschen, wie Hans Moravec prophezeit, zu Rentiers werden?Keine Sorge, sagt der Bericht, die Helferlein übernehmen nur die Arbeit, die Menschen nicht machen wollen. Das soll man einmal den Arbeitslosen sagen, die in kein starkes soziales Netz eingebunden sein. 1997, im Jahr vor der großen Weltwirtschaftskrise, wurden über 80000 neue Roboter "angestellt", vor allem in den USA und in Europa, die allmählich Japan aufholen, obgleich dort noch immer verhältnismäßig am meisten Roboter leben - nämlich 277 auf 1000 Menschen, die in der Produktion arbeiten. Dank der Krise geht die Umstellung auf Roboter - oder die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft - allerdings jetzt langsamer vor sich. Wo Arbeit billiger wird, braucht man die Maschinen nicht so dringend.
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Der Trend sei, daß Roboter aus der Produktion in den Dienstleistungssektor eindringen, also etwa in Krankenhäusern Medikamente ausgeben, Operationen durchführen oder das Essen servieren. Das macht dann den Aufenthalt noch etwas persönlicher. Auch die Alten und Behinderten werden angeblich von Robotern profitieren und vielleicht dann von diesen besser versorgt werden als von den Pflegern. Aber natürlich erwarten wir Durchschnittsmenschen, die wir den bürgerlichen Zeiten hinterhertrauern, billige und diensteifrige Roboter, die die lästigen Haushaltsarbeiten erledigen und Dienstmädchen, Putzfrau, Köchin, Gärtner, Butler und vielleicht sogar den Chauffeur oder gar den Bodyguard ersetzen. Noch sind die Helfer da aber in vielen Dingen ein wenig ungeschickt und ziemlich wahrscheinlich teurer als die Heerscharen der neuen Dienstleistungswilligen, die von der Wirtschaftskrise erzeugt werden.
Gleichwohl arbeitet man an neuen Modellen, die vielleicht nicht uns normalen Menschen, aber wohl den Militärs oder Sicherheitskräften Arbeit abnehmen könnten. So entwickelt beispielsweise Jean-Claude Latombe an der Stanford Universities sogenannte Autonomous Observers (AO), die offensichtlich von der DARPA gebraucht werden, denn zu deren Perfektionierung hat er jetzt von den Militärs Gelder erhalten.
Latombe arbeitet mit der Plattform von Nomad 200 Robotern, die auf Rollen durch ebene Flächen fahren und mit schwenkbaren Videokameras ihre Umgebung beobachten können. Sie sollen aber nicht nur ihre Umgebung beobachten, sondern auch Personen verfolgen und eine Position einnehmen können, in der sie den besten Überblick besitzen. Dazu müssen sie ihre Umwelt dreidimensional abbilden und nach räumlichen Strukturen suchen, an denen sich der Verfolgte verstecken könnte. Das gelingt den Roboterbeobachtern anscheinend unter vereinfachten räumlichen Bedingungen im Labor, auf dessen Decke ein Gitternetz aufgetragen ist, bereits ganz gut. Mit einem Global Positioning System könnten die Roboter, wenn sie nicht von Hindernissen abgehalten werden, aber auch im Freien arbeiten, wie Latombe meint. Zunächst ließen sie sich als Überwacher in Fabriken oder als Kontrolleure anderer Roboter einsetzen, aber sie könnten natürlich auch irgendwann selbständig Gebäude erkunden, den "Feind" entdecken und ihn verfolgen.
Aber so ein Roboter müßte auch gar nicht selbst mobil sein. Mit dem Trend beispielsweise, immer mehr Überwachungskameras einzusetzen, entsteht auch das Problem für die menschlichen Beobachter, auf welche man denn überhaupt schauen soll. Intelligente Überwachungssysteme können bereits Personen identifizieren, und Latombe stellt in Aussicht, daß seine Software es ermöglichen wird, eine verdächtige Person durch ein Gebäude verfolgen zu können, indem das System von Kamera zu Kamera springt, so daß der menschliche Beobachter immer im Bilde ist.
Großbritannien ist bekanntlich Vorreiter im Einsatz von Überwachungskameras. Aber es gibt auch Schwierigkeiten, die sich möglicherweise mit Robotern beheben lassen könnten. So befinden sich etwa an der Portsdown Primary School mittlerweile 16 Videokameras, die aber nur tagsüber von Menschen beobachtet werden. Der eifrige Schulleiter, der zufrieden mit der Überwachung ist und einen Rückgang von Einbrüchen und Vandalismus festgestellt hat, wollte jetzt selbst in der Nacht über das Internet hin und wieder einmal die Bilder der Kameras überprüfen, um die Sicherheit zu erhöhen, ein wenig Freizeitbeschäftigung zu haben und den Staatssäckel zu schonen. Doch der Stadtrat hat dies erst einmal untersagt, weil es dem vorgesehenen Data Protection Act zuwiderlaufen könnte, da bei einem Internetsystem ein weltweiter Zugang zu den Bildern nicht erwünscht sei. Jetzt will die Schule die Bilder eventuell an einen Sicherheitsdienst senden. AO wäre aber vielleicht eine Lösung für dieses Problem.
Newham, ein Vorort von London, könnte auch einen AO benötigen. Dort testet man nämlich in einem System mit 140 Kameras an Straßen und 14 mobilen Einheiten das Mandrake-System zur Gesichtserkennung. 60 Prozent Menschen in der Gemeinde sagten, daß die Prävention von Kriminalität für sie im Vordergrund stehe. Mit Mandrake kann man eine Datenbank mit Gesichtern von bekannten Kriminellen mit Überwachungskameras koppeln, die deren Gesichter in der von den Kameras erfaßten Menge identifizieren und dann Alarm geben. Man ist ja nicht mit Vorurteilen befrachtet. Geladen werden zunächst Gesichter von verurteilten Straftätern, aber das System ist ja erweiterbar ...
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