Gendatenbanken: Wie zuverlässig sind DNA-Analysen?

Andrea Trommler 12.11.1998

Die DNA-Analyse gilt als unwiderruflicher Sachbeweis vor Gericht. Experten stellen jedoch die Zuverlässigkeit der Analyse-Methode in Frage.

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Nachdem Ende Juni 1998 das entsprechende Gesetz verabschiedet wurde, wird auch hierzulande eine zentrale DNA-Datenbank eingerichtet. Gespeist wird sie mit den genetischen Fingerabdrücken verurteilter Straftäter und aus Tatortspuren. Polizei, Justiz und Rechtsmedizin sehen in der Datenbank ein wichtiges Hilfsmittel zur Spurenanalyse und Prävention von Verbrechen. In Großbritannien, wo es bereits seit 1995 eine zentrale Gendatei gibt, spricht man von dem wohl bedeutendsten Fortschritt in der Verbrechensbekämpfung. Ein leitender englischer Polizeioffizier geht gar so weit, eine Gendatei der gesamten Bevölkerung einzufordern.

Voraussetzung für die Verwendung genetischer Muster zur kriminaltechnischen Analyse sind variantenreiche DNA-Abschnitte. Solche DNA-Abschnitte findet man in den nichtcodierenden DNA-Bereichen, die beim Menschen mehr als 90% der gesamten Erbsubstanz ausmachen. Ein bestimmter Anteil dieser "überflüssigen" Erbsubstanz besteht aus kurzen Wiederholungssequenzen, sogenannten VNTR-Sequenzen (variable number tandem repeats) oder Minisatelliten. Die Anzahl und auch die Länge dieser VNTR-Sequenzen variiert von Individuum zu Individuum deutlich. Kombiniert man die Ergebnisse mehrerer VNTR-Sequenzen zu einem DNA-Identifizierungsmuster, ist die Wahrscheinlichkeit, daß zwei nichtverwandte Individuen das gleiche DNA-Muster aufweisen, gleich null.

Zur Erstellung des Genetischen Fingerabdrucks wird heute fast ausschließlich mit der PCR-Methode (Polymerase-Ketten-Reaktion) gearbeitet. Dabei werden die zahlreichen VNTR-Sequenzen eines Genoms vervielfältigt, nach ihrer Länge sortiert und mit geeigneten Methoden sichtbar gemacht. Der große Vorteil dieser Technik ist, daß nur geringe Mengen des zu analysierenden Materials benötigt werden.

Die PCR-Methode gilt in der Gerichtsmedizin, ebenso wie in der Molekularbiologie und der Humangenetik als zuverlässiges und effektives Verfahren zur Vervielfältigung einzelner DNA-Bereiche. In jüngster Zeit werden jedoch Zweifel über die Genauigkeit der Methode laut. Denn winzige Verunreinigungen können das Ergebnis einer DNA-Analyse verfälschen. Schon wenige Hautschuppen, ein Speicheltröpfchen oder ein Haar enthalten genügend Fremd-DNA, um ein anderes Analyseergebnis zu erhalten.

Falsche Ergebnisse durch Verunreinigungen sind auch den Mitarbeitern von Svante Pääbo hinlänglich bekannt. Pääbos Arbeitsgruppe führt DNA-Untersuchung an Urmenschen durch und gehört in diesem Bereich zur Weltspitze. Bei Pääbo wird in völlig sterilisierter Umgebung im Vollschutzanzug gearbeitet. Um Verunreinigungen zu vermeiden, die durch Zugluft eingetragen werden, bezieht das Team demnächst Räume, in denen leichter Überdruck herrscht.

DNA-Analysen an lebenden Personen sind natürlich nicht mit Untersuchungen an jahrtausend alten DNA-Spuren zu vergleichen. Trotzdem muß auch hier mit größter Sorgfalt gearbeitet werden. Nach Schätzung einiger Experten sind etwa ein bis fünf Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen, die seit Anwendung der PCR gemacht wurden, fehlerhaft. Zu kritisieren ist vor allem das übertriebene Vertrauen der Wissenschaftler in die PCR. In Anbetracht einer DNA-Datenbank, mit der ein Täter mit angeblich ausreichender Sicherheit identifiziert werden soll, wird es jedoch Zeit, sich intensiver mit den Problemen der PCR zu beschäftigen.

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2526/1.html
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