Ameisenkampf 2.0
Lustig ist das Insektenleben -- wenn John Lasseter in "Das große Krabbeln" davon erzählt
Wer zu spät kommt, den bestrafen die Zuschauer - das scheinen zumindest manche Studiobosse in Hollywood zu glauben: Wenn mehrere Studios den gleichen Stoff bearbeiten, gibt es daher regelmäßig ein Wettrennen darum, zuerst damit in die Kinos zu kommen.
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Im Fall der Ameisen-Animationen ist der Produktionsfirma Dreamworks mit AntZ mehrere Monate vor Das große Krabbeln von Disney und Pixar klarer Sieger geworden. Doch ob damit auch der Kampf um die Zuschauergunst gewonnen werden konnte, ist noch offen. Denn hier geht es nicht um traditionellen Kintopp, sondern Filme, die komplett computeranimiert wurden. Und für Computer-Software gilt, daß die Version mit der höheren Nummer zumeist die bessere und begehrtere ist.
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Die offensichtlichen Unterschiede zwischen Ameisenkampf 1.0 und 2.0 sind schnell benannt: "AntZ" erzählt vom Kampf einer schrulligen Ameise gegen machthungrige Militärs, setzt auf die Stimmen bekannter Hollywoodstars (auch als deutsche Synchronstimmen am deutlichsten zu erkennen: Woody Allen und Sylvester Stallone) und ist überwiegend in deprimierenden Brauntönen gehalten.
"Das große Krabbeln" schildert den Kampf eines Ameisen-Sonderlings gegen die ausbeuterischen Heuschrecken, vertraut stärker auf das Eigenleben der animierten Charaktere und ist durch optimistisches Blau geprägt. Vor allem aber hat dieser Film wieder den typischen Lasseter-Touch: Mit feinem Humor und viel Sympathie für exotische Charaktere erzählt er vom letztlich erfolgreichen Überlebenskampf der Kleinen und Schwachen dieser Welt.
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John Lasseter, der seit den frühen achtziger Jahren mit Computeranimation arbeitet und 1989 einen Oscar für den Kurzfilm "Tin Toy" gewann, sagt über seine Arbeit: "Es gefällt uns, die Filme so zu gestalten, daß dem Publikum das Irreale der dort gezeigten Welt klar ist. Zugleich soll sie so glaubhaft wirken, daß die Zuschauer sagen: 'Ich weiß, das gibt es nicht wirklich, aber, mein Gott, es sieht verdammt echt aus.' Ich mag es, ein solches, überzeugendes Alternativ-Universum zu entwerfen."
Während "AntZ" eher darum bemüht zu sein scheint, wie ein traditioneller Animationsfilm zu wirken, rückt Lasseter viel deutlicher die Besonderheiten des Computers in den Vordergrund: Immer wieder sind vom Wind sanft gekräuselte Wasseroberflächen zu sehen, Bäume und Wiesen, die sich in der Brise wiegen, Blätter, die tänzelnd zu Boden fallen -- Animationsaufgaben, bei denen der Computer seine Stärken voll ausspielen kann. Lasseters Filme sind immer auch ein Stück Erforschung der Virtuellen Realität. Der englische Originaltitel des Films "A Bug's Life" spielt mit dieser Doppelbedeutung: "Bug" bedeutet auch einen Softwarefehler.
Am deutlichsten aber wird es im Abspann, der offenbar von Jackie Chans mittlerweile zum Markenzeichen gewordener Resteverwertung inspiriert ist. Um zu zeigen, daß bei den Actionszenen alles mit rechten Dingen zuging, montiert Chan am Ende seiner Filme immer einige Aufnahmen mißlungener Stunts zusammen. Nach dem gleichen Muster zeigt Lasseter nun seine animierten Charaktere, die plötzlich ins Stolpern geraten oder in Lachkrämpfe ausbrechen und "Schnitt!" rufen - nur stellen diese Szenen eben keinen Ausschuß dar, sondern wurden mit einem Rechenaufwand von mehreren Stunden pro Einzelbild extra produziert. Das wirkt ein wenig so, als würde Lasseter sich über das Zelluloid-Kino kaputtlachen - oder zumindest über computeranimierte Filme, die so tun, als wären sie ganz normaler Zeichentrick. Offenbar setzt er auf eine andere Strategie als die Dreamworks-Konkurrenz: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
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