CIA im Crackerkrieg gegen Milosevich?

24.05.1999

Angeblich hat Präsident Clinton einen Plan erarbeiten lassen, um Sabotageanschläge und Cyberwar vom CIA ausführen zu lassen

Nachdem beim Krieg im Kosovo weder die Verhandlungen noch die militärischen Eingriffe wirkliche Erfolge zeigen und beide Parteien wie kleine Kinder darauf bestehen, daß zunächst der andere nachgeben muß, hat Präsident Clinton, wie Newsweek erfahren haben will, einen neuen Plan entwickeln lassen, der unter anderem den Einsatz von Sabotage und von Mittel des sogenannten Cyberwar vorsieht.

Verwunderlich wäre es natürlich nicht, wenn der amerikanische Präsident wie viele seiner Vorgänger auf die amerikanischen Geheimdienste zurückgreifen würde, um so seine Ziele durchzusetzen. Allerdings hat sich der CIA in letzter Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Überrascht wurde er von den indischen Testversuchen mit Atombomben, die Attacke von Osama Bin Laden ging in die Hose, die pharmezeutische Fabrik im Sudan hing vermutlich nicht mit Ladens terroristischen Aktivitäten zusammen, die Anschläge auf die Botschaften wurden nicht vorhergesehen oder die chinesische Botschaft in Belgard aufgrund alter Karten bombardiert.

Angeblich habe der Sicherheitsberater Sandy Berger dem Präsidenten einen Plan unterbreitet, wie der Geheimdienst Milosevich zum Einlenken bewegen könnte. Es handele sich nach Newsweek um ein Dokument in höchster Geheimhaltungsstufe, das Berger vor zwei Wochen Mitgliedern des Kongreßausschusses vorgelegt habe, der für die Geheimdienste zuständig ist. Nach "gut unterrichteten" Kreisen soll der CIA Kosovo-Albaner zur Sabotage ausbilden, um die Luftschläge zu ergänzen und die öffentliche Unterstützung für Milosevich zu untergraben. Aber der CIA soll auch in den "Cyberwar" eintreten und in die Computersysteme von Banken eindringen, in denen Milosevich Konten besitzt. So soll dieser etwa in Rußland, Griechenland und Zypern Konten haben, auf denen er Millionen Dollar in Sicherheit gebracht hat.

Wie Newsweek schreibt, seien die unterrichteten Kongreßmitglieder über diesen Plan wenig erfreut gewesen. Kämen die geheimen Aktionen an die Öfffentlichkeit, die ohne Wissen der NATO-Alliierten durchgeführt werden sollen, dann könnte es nicht nur zu einem Bruch innerhalb der NATO-Staaten kommen, sondern auch die Spannungen mit anderen Staaten verstärken.

So müßte der CIA Guerillas finden, die möglichst nicht mit der UCK verbunden sind, der man eine Verbindung zum internationalen Drogenhandel nachsagt und die auch für die USA vor dem Krieg noch als Terroristen bezeichnet wurden. Die ausgebildeten Guerilla-Kämpfer könnten natürlich auf eigene Faust handeln und Anschläge durchführen, deren Folgen für die USA schädlich sind. Noch riskanter freilich wäre das Eindringen in die Computersysteme von Banken, um an die die Gelder von Milosevich heranzukommen und die Konten zu leeren. Wie Newsweek von Sicherheitsexperten der Regierung erfahren haben will, müßte der CIA erst einmal die Banken aufsuchen, eigene Konten einrichten und dann herausbekommen, wo Sicherheitslücken im System sind. Wenn die Agenten erfolgreich sein sollten und die Firewalls sowie Verschlüsselungssoftware knacken könnten, wären sie zwar in der Lage, heimlich Geld abzubuchen oder auf andere Konten umzuschaufeln, aber sie würden zugleich die Souveränität befreundeter Staaten wie im Falle Griechenlands verletzen und das Vertrauen in das internationale Bankensystem schwächen, was auf die USA direkt zurückschlagen würde. Die Spannungen, die zwischen den USA und China sowie Russland sowieso bestehen, würden sich sicherlich verstärken, zumal sich die USA als eine terroristische Macht erweisen würden.

Der Kongreß allerdings könnte trotz Kritik nicht direkt gegen den Plan einschreiten, der, wenn er denn umgesetzt werden sollte und falls die Informationen von Newsweek überhaupt zutreffen, fast sicher ein erneutes Fiasko bewirken würden. Newsweek hat allerdings schon vorgebaut und schreibt, daß Clinton, wenn die Kritik aus dem Kongreß zu laut werden und der CIA selbst kalte Füße bekommen sollte, den Plan stillschwiegend wieder fallen lassen könnte - "und vorgeben, daß er nie existiert hat." Vielleicht also ist alles nur ein Gerücht.

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