Die emotionale Leere einer Kampfmaschine

"Star Force Soldier" - ein verkanntes Meisterwerk

In der amerikanischen Originalfassung heißt dieser Film schlicht Soldier - was auch sehr viel angemessener ist, als der deutsche Verleihtitel. "Star Force Soldier" ist gut geeignet, falsche Erwartungen wie etwa an Weltraumspektakel vom Schlage der "Starship Troopers" und ähnliches zu wecken.

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Nicht, daß ein solcher Vergleich völlig ins Leere ginge. Regisseur Paul Anderson (Event Horizon, Mortal Kombat) bietet eigentlich alles, was das Herz des Science-fiction-Fans und Action-Liebhabers höher schlagen läßt: Es gibt exzellent inszenierte Kampfszenen mit muskelbepackten Helden, viel Pyrotechnik und ausgezeichnete Spezialeffekte. Die Kulisse ist phantasievoll und sorgfältig gestaltet. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen: Ständig ballern die Maschinengewehre, wenn die Bösen endlich das kriegen, was sie verdienen. Manche Szenen wirken gar wie Zitate aus "Rambo 2", etwa wenn Kurt Russell in perfekter Tarnung mit der Umgebung verschmilzt, seinen Gegner ganz nah herankommen läßt und ihn dann rasch und präzise tötet.

Doch all das ist nur die Oberfläche. "Soldier" sieht aus wie ein Mainstream-Kriegsfilm, ist aber keiner. Denn all die perfekt choreographierten Kämpfe verschaffen keine wirkliche Befriedigung. Es gibt keine Siegeseuphorie. Am Ende bleibt statt dessen eher ein Gefühl der Erleichterung, daß alles überstanden ist. Und über allem liegt die Tragik eines verpfuschten Lebens.

Denn in erster Linie geht es um das Innenleben des Titelhelden, und der hat nun einmal gelernt, nie etwas anderes zu empfinden als "Furcht und Disziplin". Im Jahr 1996 wird er mit anderen Neugeborenen für ein militärisches Zuchtexperiment ausgewählt und vom frühesten Säuglingsalter an aufs Kämpfen gedrillt. Vierzig Jahre später muß er den neuen Soldaten-Modellen weichen, die mittlerweile komplett gentechnisch konstruiert werden und in jeder Hinsicht leistungsfähiger sind - wie sich in einem brutalen Wettkampf zeigt.

Der vermeintlich Tote wird auf einem Müllplaneten entsorgt, wo er von friedlichen Siedlern gefunden und gesund gepflegt wird. Doch was soll eine Kampfmaschine wie er in einer durch und durch zivilen Gesellschaft - die übrigens ungewöhnlich überzeugend dargestellt ist (man vergleiche sie nur mit der kitschigen Landkommune aus "Star Trek - Der Aufstand")? Und was sollen die Siedler mit ihm, der sich außerhalb der gewohnten militärischen Strukturen zunehmend als gefährliche Zeitbombe entpuppt, anfangen?

Kurt Russell spielt diesen emotionalen Krüppel mit einer Eindringlichkeit, für die er einen Oscar verdient hätte - wenn die begehrte Trophäe denn für solche unpopulären Rollen vergeben würde. Aber die Einblicke in die deformierte Gefühlswelt sind wohl zu ernüchternd, als daß sich dafür ein großes Publikum begeistern ließe. Tatsächlich ist der Film nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei den Kritikern weitgehend durchgefallen. Manche halten ihn gar für den bislang schlechtesten des Jahres.

Militärkritik, die mit den Stilmitteln gängiger Kriegsspektakel formuliert wird, und ein perfekt agierender Actionheld, der trotzdem nicht als Identifikationsfigur taugt - das mag eine heimtückische Mischung sein, die nicht so leicht zu verdauen ist, wie es zunächst scheint. Doch die Stoffe, an denen man länger zu kauen hat, sind eben oft auch die nahrhafteren. Wer sich auf dieses verstörende Kinoerlebnis einläßt, nimmt jedenfalls Eindrücke mit nach Hause, die noch lange nachwirken. Einer der bewegendsten Filme der letzten Zeit.

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2971/1.html
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