Über das Internet schneller publizieren

Alexander Remler 23.06.1999

Wissenschaftliche Autoren können über "Online First" Beiträge lange vor der Printausgabe veröffentlichen

Bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen führt kein Weg an der Fachzeitschrift vorbei. Dabei vergehen zwischen Verfassen und Erscheinen eines Artikels jedoch mitunter Monate, währenddessen ein wissenschaftlicher Vorsprung schnell schrumpfen kann. Aus diesem Grund bietet der Springer-Verlag, Herausgeber von über 400 Fachzeitschriften, einen neuen Service an.

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Zunächst für rund 100 seiner Publikationen ermöglicht der Verlag seinen Autoren, wissenschaftliche Beiträge innerhalb von nur wenigen Tagen nach der Freigabe online im Internet zu publizieren. "Seit Jahren beklagen Wissenschaftler einen zu langwierigen Publikationsprozeß. Das ist jetzt vorbei", sagte gestern auf der Pressekonferenz Arnould de Kemp, Direktor des Bereichs Marketing und Unternehmensentwicklung des Springer-Verlages.

Über seinen elektronischen Dienst LINK sind nun Forschungsergebnisse lange vor der Printausgabe für eine Fachöffentlichkeit abrufbar. Innerhalb weniger Tage nach ihrer Imprimatur können sie bereits online publiziert werden. Dabei sind die Beiträge mit einem "Online First"-Button gekennzeichnet. Als Publikationsdatum wird der Tag ausgewiesen, an dem der Beitrag auf den Server gestellt wurde. Dieses Datum wird auch in der späteren Printausgabe mitgeführt.

"Online First"-Artikel gelten als endgültige Publikationen, obwohl sie noch nicht gedruckt sind. Das heißt, sie dürfen mit der Plazierung auf dem LINK-Server nicht mehr zurückgezogen beziehungsweise verändert werden.

Durch den Digital Object Identifier (DOI), einen Standard für die Identifizierung digitaler Inhalte, der im letzten Jahr entwickelt wurde, sind die Beiträge zudem sofort registriert und zitierbar. "Die Zuordnung des DOI zu einem Beitrag wird von der "International DOI Foundation" registriert und kann jederzeit aktualisiert werden, auch, wenn zum Beispiel eine Zeitschrift zu einem anderen Verlag oder anderem Server wechselt", so de Kemp.

Das "electronic publishing" heißt bei "Online First" aber auch, daß nicht nur einfach der gedruckte Artikel publiziert, sondern in einer "interaktiven" Version lesbar gemacht wird. Dahinter verbirgt sich, daß neben dem eigentlichen Text in einer Spalte die Gliederung zu sehen ist. Inhaltsverzeichnis, Zwischenkapitel, Tabellen, Fußnoten usw. können also per Mouseklick einzeln herausgegriffen werden. Um diese Präsentation zu erreichen, muß der Text, der vom Autor freigegeben wurde, in eine datenunabhängige elektronische Struktur gebracht werden - in der Regel SGML. Um mit "Online First" in Kontakt zu treten, brauchen sowohl User als auch Autor nur noch eins: einen Internet-Anschluß.

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2973/1.html
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