Ein Ring um Afrika

Florian Rötzer 24.06.1999

Breitbandkabel im Meer soll den schwarzen Kontinent vernetzen

Der Plan selbst ist schon alt. Bereits 1993 beschlossen afrikanische Telekoms, unterstützt durch die International Telecommunications Union (ITU), das Projekt Africa One. Mittlerweile haben 30 Länder zugesagt, am Africa ONE-System teilzunehmen.

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Noch ist Afrika nicht nur der ärmste Kontinent, sondern auch der am wenigsten vernetzte, gewissermaßen großenteils ein Schwarzes Loch im Cyberspace. In Mosambik, wo bis 1992 ein Bürgerkrieg wütete, gibt es außerhalb der Hauptstadt Maputo fast gar keine Telefonverbindungen. Im gesamten südlichen Afrika haben nur 3,5 Prozent der Menschen Zugang zu einem Telefon und nur ein Prozent Zugang zu einem Computer (Kein Platz für Afrikas Dörfer im Global Village). Jetzt hat der private Betreiber von Africa ONE, dem das Unterseekabel gehören wird, die Firmen bekanntgegeben, die das gewaltige Projekt, das auf 1,6 Milliarden Dollar veranschlagt ist, realisieren sollen. Lucent Technologies wird das Glasfaserkabel herstellen und mit dem Dense Wave Division Multiplexing System (DWDM) dafür sorgen, daß in dem 39000 Kilometer langen Kabel, das um ganz Afrika gehen soll, in einer Sekunde 40 Gigabit übertragen werden können. Global Crossing wurde mit dem Projektmanagement und der Verlegung im Meer beauftragt, die durch Roboter geschehen wird.

Das Glasfaserkabel auf dem neuesten technischen Stand, das in der Lage sein soll, sich selbst zu reparieren, wird über mehr als 25 "Landungspunkte" mit den am Meer liegenden afrikanischen Staaten verbunden. Der Zugang für Binnenländer zum afrikanischen Backbone wird durch terrestrisch verlegte Glasfaserkabel, Satellietenverbindungen oder Mikrowellen ermöglicht. "Das System", so schwärmt Fassoulis, Vorstand von Africa ONE, "wird den afrikanischen Kontinent in das globale breitbandige Telekomunikationsnetzwerk integrieren. Africa ONE wird eine technisch auf dem neuesten Stand befindliche Vernetzung für den ganzen Kontinent zu geringen Kosten und bislang unvorstellbarer Verläßlichkeit anbieten." Der Telekommunikationssektor entwickle sich mit der fortschreitenden Deregulierung sehr schnell, die Nachfrage vor allem nach einem Internetzugang sei überaus groß. Fassoulis verspricht, daß mit dem Kabel Handel und Investitionen erleichtert würden, und prophezeit eine "afrikanische Renaissance im neuen Jahrtausend für den gesamten Kontinent."

Das Hochgeschwindigkeitskabel soll im Jahr 2002 zur Verfügung stehen. Es wird die Verkabelung der Erde noch weiter verdichten. Gab es im Jahr 1997 noch 30 Millionen Kilometer an Glasfaserkabeln, so sollen es bis 2001 bereits 45 Millionen Kilometer sein.

http://www.heise.de/tp/artikel/2/2975/1.html
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