Kausalität gerettet

Thomas Liebsch 21.06.2005

Die Quantenphysik verhindert anscheinend Zeitreisen in die Vergangenheit mit dem Zweck, die Geschichte in weiten Teilen neu zu schreiben

Angenommen, Zeitreisen in die Vergangenheit wären möglich, was spräche dagegen, die Patentanmeldung des Bipolartransistors oder des Lasers unter eigenem Namen um ein Jahr vorzuziehen? Anscheinend verbietet die Quantenphysik jedoch das Umschreiben der Weltgeschichte allerdings nicht die Zeitreise selbst, die somit allerdings ihren Reiz verlöre.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Zeitreisen in die Zukunft sind eine alltägliche Sache, mehr als einige Nanosekunden sind jedoch mit dem heutigen Stand der Technik noch nicht möglich. Wie sieht's nun in der Gegenrichtung aus? Wie der theoretische Physiker Paul Davies von der Universität Sydney im Jahr 2002 im Scientific American berichtete, hatte der Mathematiker Kurt Gödel im Jahr 1948 den Physiker Albert Einstein gefoppt: Gemäß den beiden Relativitätstheorien seien Zeitreisen in die Vergangenheit denkbar. Im Jahr 1948 waren beide am Institut für fortgeschrittene Studien der Eliteuniversität Princeton tätig. Einstein soll wegen dieser Kuriosität beunruhigt gewesen sein.

Falls dem so wäre, so gälte das Kausalitätsprinzip nicht mehr, welches verlangt, dass eine Ursache ihrer Wirkung vorauszugehen habe. Den Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft also die Richtung des Zeitpfeils legt nach heutiger Kenntnis allein der zweite Hauptsatz der Thermodynamik fest.

In der Nähe eines massiven Körpers beispielsweise eines schwarzen Lochs verstreicht die Zeit langsamer, so dass Zeitreisen in die Zukunft möglich wären. Das hier gezeichnete, fiktive schwarze Loch verzerrt die Milchstrasse im Hintergrund. (Bild: Ute Kraus und Axel Mellinger, Uni Tübingen bzw. Potsdam)

Wären Zeitreisen in die Vergangenheit möglich, so könnte ein Zeitreisender auf die Idee kommen, seine eigene Geburt zu vereiteln. Wie ließe sich nun dieses Paradoxon auflösen? Davies spekulierte vor drei Jahren bereits, Quantenprozesse könnten die Kausalität retten.

Der New Scientist berichtet nunmehr in seiner Ausgabe vom 18. Juni 2005 auf Seite 15, die Quantenphysik stünde einer Zeitreise in die Vergangenheit mit einer Änderung des Ablaufs der Weltgeschichte entgegen, so dass das Paradoxon sich somit erledigt hätte, denn die Vergangenheit sei faktisch, während die Zukunft unbestimmt sei. Die Lösung bringe ein Anfang Juni 2005 zur Veröffentlichung eingereichtes Manuskript.

Die beiden Autoren des Manuskripts erklären mit dem Wellenaspekt der Materie, dass die Vergangenheit in Stein gemeißelt sei. Die Teilchen spalten ihre Existenz analog zum Doppelspaltexperiment in mehrere Partialwellen auf, wobei jede einem anderen Pfad durch Raum und Zeit folgt. Schließlich kommt ein Teilchen irgendwo an, wo die Partialwellen konstruktiv interferieren. Interferieren die Partialwellen an einem Ort destruktiv, so ist das Teilchen schließlich nicht dort. Fazit: Sollten Zeitreisen in die Vergangenheit denkbar sein was nach heutiger Kenntnis weder die beiden Relativitätstheorien noch die Quantenphysik ausschließen so erlebte ein Zeitreisender in der Vergangenheit nur, was konsistent mit dem Lauf der Geschichte wäre.

http://www.heise.de/tp/artikel/20/20354/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS